Programmierer als Dirigent

Microsoft-Entwickler: „Tippen von Code ist vorbei“

KI-Code

Ein Beitrag des Microsoft-Entwickler David Fowler auf der Plattform X hat für Diskussionen in der Entwicklergemeinschaft gesorgt. Fowler schrieb dort knapp: „Tippen von Code ist absolut vorbei.“

Gemeint ist damit, dass manuelles, zeilenweises Programmieren dank moderner KI-Werkzeuge im Vergleich zu noch vor wenigen Jahren weitgehend überflüssig geworden sei, nicht jedoch das vollständige Verschwinden der eigentlichen Programmierer-Rolle.

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Moderne KI-Modelle wie Microsofts eigener Copilot können inzwischen eine gestellte Aufgabe eigenständig übernehmen, den entstehenden Code in einer virtuellen Cloud-Umgebung simulieren, sämtliche notwendigen Konfigurationen vornehmen und die fertige Software anschließend selbst ausführen, im Grunde ein eigenständiger Testlauf des eigenen Codes in einer geklonten Umgebung. Microsoft-Chef Satya Nadella hatte bereits zuvor öffentlich davor gewarnt, KI-Systemen zu blind zu vertrauen, zugleich jedoch eingeräumt, dass inzwischen rund 30 Prozent des bei Microsoft entstehenden Codes von KI erzeugt werde. Die Rolle des Programmierers verschiebt sich dadurch zunehmend hin zur Überprüfung des von der KI erzeugten Fortschritts sowie zur manuellen Korrektur, sobald die Maschine eine falsche Entscheidung getroffen hat, vergleichbar mit einem Dirigenten, der ein aus KI-Agenten bestehendes Orchester anleitet und begleitet.

Geteilte Reaktionen unter Entwicklern

Fowlers Beitrag löste unter anderen Softwareentwicklern unterschiedliche Reaktionen aus. Manche betonten, weiterhin täglich selbst Code zu schreiben und dies auch künftig nicht aufgeben zu wollen, während andere die zunehmende Automatisierung ausdrücklich begrüßten und sich dankbar gegenüber den eigenen, wie sie es nannten, „Roboter-Oberherren“ zeigten. Ein weiterer Kommentator gab an, selbst empfohlen zu haben, den Anteil menschlicher Bearbeitung von Softwarecode bei Microsoft zu verringern. Die teils emotional geführte Diskussion zeigt nach Einschätzung von Cybernews, wie viel es Entwicklern bedeutet, weiterhin selbst am eigentlichen Programmiervorgang beteiligt zu sein.

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Weiterhin menschliche Kontrolle nötig

Der eigentliche Wandel besteht dabei vor allem darin, dass weniger häufiges Hin und Her zwischen Anweisung an die KI und anschließender Prüfung des Ergebnisses nötig ist, da KI-Agenten zunehmend in der Lage sind, Aufgaben eigenständig vollständig zu bearbeiten, statt lediglich auf einzelne, schrittweise Befehle zu reagieren. Gerade mühsame Routineaufgaben wie das Durchsuchen von Protokolldaten, das Aufspüren von Fehlerursachen oder der Wechsel zwischen verschiedenen Werkzeugen lassen sich dadurch zunehmend an KI-Agenten auslagern. Menschliche Kontrolle bleibt dabei jedoch weiterhin notwendig: Eine Anfang des Jahres veröffentlichte Untersuchung des Sicherheitsunternehmens Veracode ergab, dass rund 44 Prozent des von KI erzeugten Codes einen bereits bekannten Fehler enthielten.

Microsoft setzt inzwischen selbst KI ein, um von KI erzeugte Probleme aufzuspüren: Das unternehmenseigene System MDASH nutzt mehr als 100 KI-Agenten, um komplexe Sicherheitsaufgaben zu übernehmen und gezielt nach Schwachstellen in Windows sowie der Cloud-Plattform Azure zu suchen. Fowlers zunächst provokant wirkende Aussage lässt sich damit nach Einschätzung von Cybernews eher als Vorhersage einer künftig stärker überwachenden Rolle menschlicher Entwickler verstehen, statt als Ankündigung ihres vollständigen Verschwindens.

(red)

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