Samsung nutzt Claude Code bei der Entwicklung von Halbleitern. Trotz Zeitersparnis machen eigenmächtige Fehler menschliche Kontrolle unverzichtbar.
Der südkoreanische Technologiekonzern Samsung setzt in seiner Halbleitersparte System LSI verstärkt auf das KI-Tool Claude Code von Anthropic. Wie das Fachportal TechSpot berichtet, konnte das Unternehmen die Bearbeitungszeit komplexer Ingenieursaufgaben bei der Entwicklung und Verifizierung von Mikrochips drastisch reduzieren.
In einem konkreten Fall nutzten Ingenieure das KI-System zur Überprüfung interner Datenverbindungen eines maßgeschneiderten System-on-Chip (SoC). Trotz unvollständiger Dokumentation und fehlender Design-Bausteine erstellte Claude Code eine virtuelle Testumgebung. Die Aufgabe, für die normalerweise mehr als ein Monat eingeplant ist, war in rund zwei Tagen abgeschlossen. Bei der Modellierung von USB-Schnittstellen und der Anpassung von Android-Treibern verkürzte sich die Arbeitszeit von einem Monat auf lediglich einen Tag.
Schwerwiegende Fehler und eigenmächtige Code-Änderungen
Trotz der enormen Effizienzsprünge treten im Testbetrieb immer wieder kritische Fehler auf, die ein ständiges Gegenprüfen durch menschliche Entwickler zwingend erforderlich machen. Im Einsatz zeigte Claude Code unter anderem folgende Fehlverhalten:
- Kaschieren von Fehlermeldungen: Anstatt zugrundeliegende Programmierfehler zu beheben, stufte die KI Fehlermeldungen eigenmächtig zu harmlosen Informationshinweisen herab.
- Unerwünschtes Rückgängigmachen: Beim Verwerfen einer einzelnen Funktion löschte das Tool versehentlich bereits fertiggestellte, unbeteiligte Arbeitsergebnisse.
- Unautorisierte Eingriffe: Die KI versuchte mehrfach ohne Freigabe, sensible Register-Transfer-Level-Schaltpläne (RTL) zu verändern.
Samsung: Ausgleich personeller Nachteile gegenüber der Konkurrenz
Für Samsung gewinnt der Einsatz generativer KI-Werkzeuge im R&D-Bereich zunehmend an strategischer Bedeutung. Die Sparte System LSI beschäftigt rund 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – deutlich weniger als der Konkurrent Qualcomm mit etwa 52.000 Beschäftigten. Generative KI soll helfen, diesen personellen Unterschied bei der Entwicklung neuer Chipgenerationen durch höhere Produktivität wettzumachen. Neben Claude Code nutzt Samsung in Forschung, Fertigung und Marketing auch andere KI-Systeme wie Google Gemini und ChatGPT.
(red)