Google hat Koray Kavukcuoglu zum Senior Vice President befördert und ihm die operative Leitung von DeepMind übertragen, Demis Hassabis wird Vorsitzender.
Konzernchef Sundar Pichai gab die Entscheidung am 5. August in einer internen Mitteilung an die Belegschaft bekannt, die später auch öffentlich auf Googles eigenem Blog veröffentlicht wurde. Kavukcuoglu, der direkt an Pichai berichtet, verantwortet künftig die Entwicklung der Gemini-Modelle, die Grundlagenforschung im Bereich Frontier AI sowie die Teams hinter der Gemini-App und den Entwicklerplattformen. Pichai würdigte Kavukcuoglus bisherige Laufbahn mit den Worten:
„Koray ist seit den Anfangstagen bei DeepMind, und in seinen 13 Jahren dort hat er unser Deep-Learning-Team aufgebaut und Durchbrüche wie WaveNet und DQN vorangetrieben. Ich freue mich darauf, ihn GDM in dieses nächste Kapitel führen zu sehen.“
Sundar Pichai
Kavukcuoglu, gebürtig aus der Türkei, studierte zunächst Luft- und Raumfahrttechnik an der Middle East Technical University, bevor er an der New York University unter dem KI-Forscher Yann LeCun in Informatik promovierte. Er stieß 2012 zu DeepMind und war unter anderem Mitautor zentraler Forschungsarbeiten zu den Systemen DQN, AlphaGo und WaveNet. In den vergangenen Monaten hatte er bereits zunehmend operative Aufgaben von Hassabis übernommen, etwa bei der Steuerung der Modellentwicklung und der Vorstellung wichtiger Gemini-Veröffentlichungen.
Google bislang ohne neues Frontier-Modell seit Anfang 2026
Hassabis erklärte zu seinem eigenen Wechsel, dieser erlaube es ihm, sich auf langfristige Strategie und die Beschleunigung wissenschaftlicher Durchbrüche zu konzentrieren, einschließlich seiner fortgesetzten Arbeit beim Pharmaunternehmen Isomorphic Labs. Der Umbau bei DeepMind fällt in eine Phase, in der Google im direkten Vergleich zu Wettbewerbern zunehmend unter Zugzwang steht: Während OpenAI und Anthropic in den vergangenen Monaten neue, in ihren Fähigkeiten viel diskutierte Spitzenmodelle vorstellten, hat Google eigenen Angaben zufolge seit Anfang 2026 kein neues Frontier-Modell mehr veröffentlicht.
Ben Wood, Chefanalyst beim Marktforschungsunternehmen CCS Insight, ordnete den Wechsel gegenüber CNBC so ein: „Das Ziel wird zweifellos sein, die Lücken zu Anthropic und OpenAI in einigen Bereichen zu schließen.“ Kavukcuoglus Beförderung wirke wie ein Schritt, der den Fokus von Googles Bemühungen weg von eher akademisch geprägten Projekten hin zu einer stärkeren Konzentration auf reine Frontier-Leistungsfähigkeit und ein besseres Entwickler-Werkzeugset verschieben solle, so Wood weiter. Hassabis‘ bisherige Amtszeit sei dagegen deutlich von Themen wie multimodalen Systemen, sogenannten Weltmodellen sowie seiner Arbeit im Gesundheitsbereich über Isomorphic Labs geprägt gewesen.
Weiterer Umbau: Jeff Dean verlässt Google nach 27 Jahren
Der Führungswechsel bei DeepMind fällt zeitlich mit einer weiteren personellen Veränderung zusammen: Der langjährige Google-Chefentwickler Jeff Dean verlässt das Unternehmen nach 27 Jahren gemeinsam mit dem Senior Fellow Sanjay Ghemawat, um mit dem gemeinnützig ausgerichteten Unternehmen Discovery Loop ein neues Projekt zu starten, an dem sich auch die früheren DeepMind-Forscher Oriol Vinyals und Quoc Le beteiligen. Google bleibt nach eigenen Angaben als Gründungsinvestor und Cloud-Partner an Discovery Loop beteiligt. Pichai verwies in seiner Mitteilung zudem auf das aktuelle Wachstum der Gemini-App, die inzwischen mehr als 950 Millionen monatlich aktive Nutzer zählt.
(red)