Prozessdigitalisierung

2027: E-Rechnungspflicht kommt schneller als gedacht

Seit Januar 2025 müssen deutsche Unternehmen strukturierte B2B-Rechnungen empfangen können – und die meisten haben diese Pflicht inzwischen erfüllt. Wer glaubt, damit sei die Arbeit getan, unterschätzt, was folgt.

Ab 2027 greift die Ausstellungspflicht für Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Jahresumsatz, ab 2028 für (nahezu) alle übrigen. Damit öffnet sich eine Lücke, die weitaus größer ist als ein Technikproblem.

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Vom Empfang zur Ausstellung – und darüber hinaus

Eine KPMG-Umfrage macht deutlich: Rund 80 Prozent der Unternehmen hatten Ende 2024 erste Umsetzungsmaßnahmen ergriffen – fast ausschließlich auf der Empfangsseite. Die strukturierte Ausstellung, die tiefere Eingriffe in Prozesse und Systemlandschaft erfordert, hatten die meisten noch nicht angegangen. Der Gesetzgeber hat mit der Empfangspflicht den ersten Schritt erzwungen, die eigentliche Transformation aber auf 2027 verschoben.

Wer diese Zeit nutzt, gewinnt mehr als Compliance: Denn die E-Rechnung zwingt dazu, Rechnungsprozesse grundlegend zu überdenken. Wie entstehen Ausgangsrechnungen? Wie fließen Daten ins ERP? Wer prüft und archiviert? Diese Fragen lassen sich nicht mit einer Schnittstelle lösen; sie verlangen eine bewusste Entscheidung für Prozessautomatisierung.

Der europäische Kontext bleibt relevant

Der interne Druck wird durch Entwicklungen innerhalb Europas verstärkt. Belgien hat seine B2B-Pflicht zum Januar 2026 eingeführt, Polen gestaffelt ab Februar und April 2026, Frankreich startet im September 2026. Das EU-Reformpaket ViDA legt fest: Ab Juli 2030 gilt die strukturierte E-Rechnung nach EN 16931 für alle innergemeinschaftlichen B2B-Transaktionen. Wer intern eine tragfähige Lösung aufbaut, ist damit auch für das Auslandsgeschäft gerüstet.

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Plattform statt Pflaster

Fest steht: Wer jeden neuen Rechnungskanal mit einer Einzellösung flickt, zahlt doppelt – bei Einführung und Pflege. Eine einheitliche E-Invoicing-Plattform, die Formatkonvertierung, Validierung, Clearance und Peppol-Routing bündelt sowie regulatorische Updates automatisch einspielt, löst nicht nur das Compliance-Problem. Sie schafft die Infrastruktur für durchgängig automatisierte Prozesse: Rechnungen werden nicht nur empfangen, sondern ausgelesen, geprüft und regelbasiert weitergeleitet. Und das durchgängig digital, ohne manuelle Eingriffe.

Wer den Schritt zur Prozessdigitalisierung macht, hat nicht nur Compliance gelöst, sondern einen dauerhaften Effizienzgewinn eingebaut.

Greg Chapman, Avalara

Peppol bildet das technische Fundament: Das Netzwerk ist heute in fast fünfzig Ländern etablierter Standard. Seit Februar 2025 lässt sich die deutsche XRechnung vollständig über Peppol BIS Billing 3.0 übertragen – nationaler und internationaler Standard konvergieren in einem Format.

Datenschutz nicht vergessen

Rechnungsdaten gehören zu den vertraulichsten Informationen eines Unternehmens: Kundenbeziehungen, Preise, Volumina, Zahlungskonditionen. Jede Systemanbindung ist auch eine potenzielle Angriffsfläche. Anbieter ohne belastbare Sicherheitskonzepte potenzieren das (DSGVO)-Risiko mit jeder zusätzlichen Länderanbindung.

Fazit: In die Handlung kommen

Der Prozess um Auswahl, Einführung und ERP-Integration einer E-Invoicing-Lösung ist kein Projekt von Wochen. Wer 2027 mit der strukturierten Ausstellung startet, anstatt sich jetzt darauf vorzubereiten, riskiert operative Störungen. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie tiefgreifend. Wer den Schritt zur Prozessdigitalisierung macht, hat nicht nur Compliance gelöst, sondern einen dauerhaften Effizienzgewinn eingebaut.

Greg

Chapman

EVP and General Manager AvaTax

Avalara

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