Der Kaffeekonzern Starbucks will durch ein eigenes Tech-Büro in Indien Kosten senken und die Abhängigkeit von externen Dienstleistern reduzieren.
Der weltweit agierende Kaffeekonzern Starbucks steht vor einer weitreichenden Umstrukturierung seiner globalen Technologieabteilung. Wie aus einer internen Mitteilung hervorgeht, plant das Unternehmen die Errichtung seines ersten konzerneigenen Technologiezentrums in Indien. Diese Maßnahme ist Teil eines umfassenden Restrukturierungsprogramms, mit dem Starbucks Einsparungen in Höhe von bis zu zwei Milliarden US-Dollar realisieren möchte. Das neue Technologiebüro soll im Laufe des Geschäftsjahres 2027, das im Oktober dieses Jahres beginnt, offiziell den Betrieb aufnehmen. Der Prozess für die Personalrekrutierung soll anlaufen, sobald die endgültige Entscheidung über den genauen Standort in Indien gefallen ist.
Abkehr von externen IT-Dienstleistern
Der Schritt markiert einen strategischen Wendepunkt für das Unternehmen aus Seattle. Bisher setzte Starbucks primär auf die Auslagerung technologischer Aufgaben an spezialisierte Drittanbieter. In einer Nachricht an die Belegschaft erklärte der Chief Technology Officer, Anand Varadarajan, dass das primäre Ziel der neuen Strategie darin bestehe, die Abhängigkeit von externen Dienstleistern signifikant zu verringern. Die Etablierung einer Struktur mit mehreren eigenen Standorten sei ein bedeutender Fortschritt auf dem Weg zu diesem Ziel.
Ein wesentlicher Faktor für diese Entscheidung sind die Kostenstrukturen im IT-Sektor. Externe Dienstleister verlangen für ihre Services in der Regel spürbare Preisaufschläge. Durch den Aufbau eigener Kapazitäten will Starbucks diese Margen einsparen und gleichzeitig die vollständige Kontrolle über die eigene digitale Infrastruktur zurückgewinnen. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte am Freitag, dass die Maßnahme darauf abzielt, eine engere Verbindung zu den technischen Projekten und den ausführenden Teams aufzubauen.
Personalabbau in der Konzernzentrale
Die Neuausrichtung geht mit einem drastischen Abbau von Arbeitsplätzen in anderen Unternehmensbereichen einher. Im Rahmen der Sparmaßnahmen wurden bereits mehr als 2.000 Stellen auf Unternehmensebene gestrichen. Erst in dieser Woche wurde bekannt, dass Starbucks einundsechzig Technologiearbeitsplätze in seiner Konzernzentrale in Seattle abbauen wird. Dies ist die direkte Folge einer Reorganisation der Technologieabteilung im sogenannten Starbucks Support Center.
Aktuell arbeitet die Kette noch mit einer Vielzahl von externen Technologiepartnern zusammen, darunter auch mit dem Softwarekonzern Microsoft. Gleichzeitig werden bestimmte IT-Prozesse schon jetzt über ausgelagerte Betriebsstätten in Indien abgewickelt. Der Übergang zu einem eigenen, konzerneigenen Büro soll diese verstreuten Aktivitäten zentralisieren und die Effizienz der internen Abläufe steigern.
Fokus auf künstliche Intelligenz und Datenanalyse
Die technologische Erneuerung des Konzerns wird maßgeblich von Vorstandschef Brian Niccol vorangetrieben. Niccol leitet das Sanierungsprogramm und hat bereits mehrere technologiebasierte Initiativen angekündigt, die das Kundenerlebnis und die operativen Abläufe in den Filialen verbessern sollen. Dazu gehören unter anderem ein durch künstliche Intelligenz unterstützter Barista-Assistent sowie das Bestellmanagementsystem namens Smart Queue.
Der Druck auf Starbucks, die operative Effizienz zu steigern, hat in den vergangenen Monaten stetig zugenommen. Bereits in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission wies das Unternehmen darauf hin, dass es seine Fähigkeiten in den Bereichen Marketing, Datenanalyse und künstliche Intelligenz kontinuierlich ausbauen muss. Nur so könne verhindert werden, dass der Konzern das Interesse der Verbraucher und wichtige Marktanteile an die Konkurrenz verliert. Die Eröffnung des Zentrums in Indien wird als operativer Hebel gesehen, um diese Kapazitäten kosteneffizient zu skalieren.
Starbucks bis 2027 unabhängig von Drittanbietern
Die Planungen für das Projekt sind so weit fortgeschritten, dass die konkrete Standortsuche in den kommenden Monaten abgeschlossen werden soll. Nach der Auswahl der Stadt soll noch im Jahr 2026 mit der Einstellung von lokalen Softwareentwicklern, Datenanalysten und IT-Spezialisten begonnen werden. Der operative Start im fiskalischen Jahr 2027 soll dann den schrittweisen Transfer von Aufgaben ermöglichen, die bislang von Drittanbietern verwaltet wurden.
Branchenexperten werten dieses Vorgehen als Teil eines breiteren Trends im Technologiesektor, bei dem globale Großkonzerne dazu übergehen, strategisch wichtige IT-Kompetenzen wieder ins eigene Haus zurückzuholen. Für Starbucks bedeutet das Indien-Projekt nicht nur eine Kostenreduktion, sondern auch den Versuch, flexibler auf Marktveränderungen reagieren zu können. Die langfristige Sicherung der digitalen Wettbewerbsfähigkeit steht dabei im Mittelpunkt der Bemühungen.