Malta bietet allen Einwohnern ab 14 Jahren ein kostenloses Jahresabo von ChatGPT Plus. Voraussetzung ist der Abschluss eines staatlichen KI-Kurses.
Die Regierung von Malta hat eine weltweit erste Vereinbarung mit dem US-amerikanischen KI-Unternehmen OpenAI bekannt gegeben. Im Rahmen der nationalen Initiative namens AI for All erhalten alle Einwohner Maltas ab 14 Jahren die Möglichkeit, die Premium-Version ChatGPT Plus für ein Jahr vollständig kostenlos zu nutzen. Das Programm kombiniert die Bereitstellung fortschrittlicher digitaler Werkzeuge mit einer verpflichtenden Bildungskomponente. Malta ist damit der erste Staat weltweit, der den Zugang zu kommerziellen Modellen künstlicher Intelligenz auf nationaler Ebene subventioniert und direkt an staatliche Bildungsmaßnahmen koppelt.
Verpflichtender Onlinekurs als Voraussetzung
Der kostenlose Zugang zu dem kostenpflichtigen Abonnement, das regulär 20 US-Dollar pro Monat kostet, ist an eine feste Bedingung geknüpft. Die Bürger müssen vorab einen etwa zweistündigen Online-Kurs mit dem Titel AI for Everyone erfolgreich absolvieren. Diese Schulung wurde von der Malta Digital Innovation Authority (MDIA) in enger Zusammenarbeit mit der Universität von Malta entwickelt. Der Kurs wird sowohl auf Maltesisch als auch auf Englisch über die staatliche Plattform ai4all.gov.mt bereitgestellt.
Die Bildungsinitiative erfordert keinerlei technische Vorkenntnisse und ist so konzipiert, dass sie alle demografischen und beruflichen Gruppen der Bevölkerung anspricht. Die Kursinhalte vermitteln ein grundlegendes Verständnis dafür, was künstliche Intelligenz leisten kann, wo ihre technologischen Grenzen liegen und wie die Werkzeuge im Alltag sowie im Berufsleben verantwortungsvoll eingesetzt werden können. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Basismoduls erhalten die Teilnehmer ein offizielles Zertifikat und können zwischen einer einjährigen kostenfreien Nutzung von ChatGPT Plus oder dem Microsoft 365 Personal Copilot wählen. Für Personen, die sich beruflich weiterqualifizieren möchten, stehen im Anschluss spezialisierte, branchenspezifische Schulungpfade zur Verfügung.
OpenAI for Countries will Regierungen unterstützen
Die Kooperation in Malta ist Teil eines umfassenderen strategischen Programms namens OpenAI for Countries. Diese Initiative wurde ins Leben gerufen, um Regierungen weltweit bei der tieferen Integration und Adoption von KI-Werkzeugen in öffentliche Systeme, Arbeitsmärkte und das Bildungswesen zu unterstützen. Anstatt standardisierte Lösungen anzubieten, passt das Programm die Partnerschaften an die lokalen Prioritäten der jeweiligen Nationen an. OpenAI arbeitet in diesem Kontext bereits mit den Regierungen von Estland und Griechenland zusammen, konzentriert sich dort jedoch primär auf die Unterstützung der nationalen Schulsysteme.
Geleitet wird die globale Regierungsinitiative von George Osborne, dem ehemaligen britischen Finanzminister. Osborne erklärte in einer Stellungnahme zur Partnerschaft, dass Intelligenz zunehmend den Charakter einer nationalen Infrastruktur annehme. Alle Regierungen hätten die Pflicht, sicherzustellen, dass ihre Bevölkerungen sowohl den Zugang als auch die notwendigen Fähigkeiten besitzen, um das Potenzial von KI optimal zu nutzen. Er lobte die maltesischen Behörden für ihre Vision und äußerte die Erwartung, dass andere Staaten dem Beispiel Maltas folgen werden.
ChatGPT Plus würde 130 Millionen US-Dollar kosten
Die finanziellen Details des Abkommens zwischen der maltesischen Regierung und OpenAI wurden nicht in vollem Umfang offengelegt. Die Initiative wird jedoch durch ein Budget von rund 100 Millionen Euro für Digitalisierung flankiert, das die Regierung bereits im Oktober im Rahmen des Haushaltsplans für das Jahr 2026 verabschiedet hatte. Diese Mittel fließen in den Ausbau von Technologien wie künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, Blockchain und Robotik. Bei einer Bevölkerungszahl von etwa 540.000 Einwohnern in Malta beläuft sich der nominale kommerzielle Marktwert der bereitgestellten Jahresabonnements auf rund 130 Millionen US-Dollar, sofern jeder berechtigte Bürger das Angebot wahrnimmt. Die tatsächlichen Bereitstellungskosten für OpenAI liegen jedoch deutlich unter diesem Einzelhandelspreis.
Politisch vorangetrieben wurde das Abkommen unter anderem durch den maltesischen Außenminister Ian Borg, der im Vorfeld strategische Gespräche im Silicon Valley führte. Silvio Schembri, Maltas Minister für Wirtschaft, Unternehmen und strategische Projekte, betonte, dass die Regierung mit dieser Maßnahme verhindern wolle, dass die Bürger im digitalen Zeitalter abgehängt werden. Ziel sei es, ein unvertrautes technologisches concept in eine praktische Unterstützung für Familien, Studenten und Arbeitnehmer zu verwandeln. Das Programm soll in der ersten Phase im Mai 2026 anlaufen und schrittweise auf maltesische Staatsbürger im Ausland ausgeweitet werden.
Bedenken wegen Datenschutz
Die Bekanntgabe des Programms stieß in Fachforen wie Reddit und Hacker News auf ein geteiltes Echo. Während Befürworter den Fokus auf die standardisierte KI-Alphabetisierung lobten, äußerten Datenschützer Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und der langfristigen Abhängigkeit von einem einzelnen US-amerikanischen Anbieter. Zudem wurde die Frage aufgeworfen, ob das Projekt primär den Wachstumszielen von OpenAI im Bereich der Nutzerzahlen dient und mit Steuergeldern subventioniert wird.
Parallel zu dieser Adoptionsstrategie baut OpenAI seine Präsenz im europäischen Sicherheitssektor aus. Erst vor wenigen Tagen gab das Unternehmen bekannt, dass es ausgewählten europäischen Großunternehmen, darunter der Deutschen Telekom, der spanischen Telefonica und dem britischen IT-Sicherheitsanbieter Sophos, Zugang zu seinen neuesten Modellen gewährt. Dazu gehört auch das spezialisierte Modell GPT-5.5-Cyber. George Osborne erläuterte in einem Schreiben an die Europäische Kommission, dass die Demokratisierung des Zugangs zu defensiven KI-Werkzeugen die gemeinsame Sicherheit im Cyberraum stärken und den öffentlichen Schutz vor digitalen Bedrohungen nachhaltig unterstützen soll.