Dank des Digital Markets Act verzeichnet Mozilla über sechs Millionen neue Firefox-Nutzer in der EU. Unabhängige Studien bestätigen den Erfolg des Gesetzes.
Die Regulierung der digitalen Märkte durch die Europäische Union zeigt messbare Auswirkungen auf den Wettbewerb unter den Webbrowsern. Wie der Entwickler Mozilla bekannt gab, hat der Browser Firefox durch die Einführung des Digital Markets Act (DMA) mehr als sechs Millionen neue Nutzer hinzugewonnen. Die europäische Gesetzgebung verpflichtet große Technologiekonzerne dazu, Verbrauchern eine freie Wahl ihrer Standardanwendungen zu ermöglichen. Dieser systematische Abbau von Markthürden hat die Nutzerzahlen alternativer Browser in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union seit dem Inkrafttreten der entsprechenden Bestimmungen erheblich gesteigert.
Digital Markets Act geht gegen Gatekeeper vor
Der Digital Markets Act ist eine Verordnung der Europäischen Union, die darauf abzielt, den digitalen Sektor fairer und bestreitbarer zu gestalten. Das Gesetz trat im November 2022 in Kraft und legt objektive Kriterien fest, nach denen große digitale Plattformen als sogenannte Gatekeeper eingestuft werden. Diese Gatekeeper unterliegen seit Mai 2023 spezifischen Verpflichtungen, die einen fairen Wettbewerb gewährleisten und den Schutz der Verbraucher stärken sollen. Zu den betroffenen Unternehmen gehören unter anderem Google und Apple, deren Betriebssysteme Android und iOS den Mobilfunkmarkt dominieren.
Eine der zentralen Auflagen des DMA betrifft die Wahl des Webbrowsers auf Mobilgeräten. Seit März 2024 sind Apple und Google gesetzlich verpflichtet, Nutzern beim ersten Öffnen eines Webbrowsers auf einem Smartphone oder Tablet einen Auswahlbildschirm anzuzeigen. Auf diesem Bildschirm werden verschiedene Browseroptionen gleichberechtigt nebeneinander aufgeführt. Nutzer können so aktiv entscheiden, welchen Browser sie als Standardanwendung festlegen möchten, anstatt automatisch auf die vorinstallierten Optionen wie Safari oder Google Chrome angewiesen zu sein.
Firefox wird alle zehn Sekunden gewählt
Die Einführung dieses Auswahlbildschirms hat sich für Mozilla als sehr vorteilhaft erwiesen. Nach Angaben des Entwicklers wählt statistisch gesehen alle zehn Sekunden ein Nutzer Firefox als bevorzugten Webbrowser über den verpflichtenden DMA-Auswahlbildschirm aus. Seit März 2024 führte dies zu insgesamt mehr als sechs Millionen zusätzlichen Firefox-Auswahlen innerhalb der Europäischen Union. Mozilla berichtet zudem von einer nachhaltigen Kundenbindung: Die Verbleibquote ist fünfmal höher, wenn sich Personen aktiv über einen solchen Auswahlbildschirm für Firefox entscheiden, im Vergleich zu anderen Installationswegen.
Die Daten von Mozilla werden durch eine unabhängige Untersuchung des US-amerikanischen National Bureau of Economic Research (NBER) gestützt. Die Forscher analysierten die Nutzung von Firefox innerhalb der Europäischen Union und verglichen die Daten mit den Nutzerzahlen in dreiundvierzig Ländern außerhalb der EU. Dabei untersuchten sie die täglichen aktiven Nutzerzahlen in einem Zeitraum von jeweils fünfzehn Monaten vor und nach der Einführung des Browser-Auswahlbildschirms auf Smartphones. Die Ökonomen kamen zu dem Ergebnis, dass die Zahl der täglich aktiven Firefox-Nutzer in der EU um 113 Prozent höher lag, als es ohne die Einführung des Digital Markets Act der Fall gewesen wäre.
Mozilla kritisiert Microsoft
Trotz der Erfolge im Mobilbereich sehen sowohl Mozilla als auch die Europäische Kommission weiteren Handlungsbedarf. Mozilla weist darauf hin, dass es auf Desktop-Computern bisher keinen vergleichbaren, gesetzlich erzwungenen Auswahlbildschirm gibt. Der Entwickler wirft in diesem Zusammenhang dem Technologiekonzern Microsoft vor, Nutzer durch irreführende Design-Praktiken gezielt zur Nutzung des hauseigenen Browsers Edge zu drängen. Mozilla zieht das Fazit, dass Verbraucher alternative Angebote wahrnehmen, sobald ihnen eine echte Wahlmöglichkeit geboten wird, diese Wahlmöglichkeiten jedoch plattformübergreifend garantiert sein müssen.
Die Europäische Kommission zieht ebenfalls eine positive Bilanz aus den bisherigen Effekten des Gesetzes. In einem kürzlich veröffentlichten Faktenblatt zur Wirksamkeit des DMA erklärte das Exekutivorgan der EU, dass die Verordnung kontinuierlich ihre Versprechen einlöse, indem sie die Auswahlmöglichkeiten für Nutzer erhöhe und neue Chancen für Marktteilnehmer schaffe, auch wenn diese Verbesserungen nicht immer direkt als DMA-gesteuert erkannt würden. Für die kommenden Wochen und Monate kündigte die Kommission die Durchsetzung weiterer Funktionen an. Diese betreffen neue Vorgaben zur Interoperabilität und Datenübertragbarkeit, die insbesondere Entwicklern und Anbietern von vernetzten Geräten wie Kopfhörern, Smartwatches und Smart Glasses zugutekommen sollen.