Die Stadt Hannover hat Microsoft-Lizenzen im Wert von 324.000 Euro angeschafft, die für den schulischen Einsatz datenschutzrechtlich ungeeignet sind. Jetzt werden 100 Schulen vom System abgeklemmt, und eine Taskforce soll aufklären, wie der Einkaufsfehler passieren konnte.
Digitalisierung an Schulen ist ohnehin kein einfaches Unterfangen. Hannover hat es nun besonders schwer gemacht: Beim Kauf von Microsoft-Education-Lizenzen griff die Stadtverwaltung zu Paketen, die den strengen datenschutzrechtlichen Vorgaben im Schulbereich schlicht nicht genügen. Das Ergebnis ist eine erzwungene Vollbremsung. Seit Dienstagabend ist die Plattform offline. Zuerst hatte die Hannoversche Allgemeine Zeitung über den Vorfall berichtet.
Beschaffung ohne Bedarfsprüfung?
Knapp 324.000 Euro hat Hannover für Lizenzen ausgegeben, die nun nicht eingesetzt werden dürfen. Wie genau es dazu kam, ist noch nicht geklärt. Fest steht: Schulen unterliegen beim Datenschutz besonders hohen Anforderungen, und offenbar hat niemand im Beschaffungsprozess rechtzeitig geprüft, ob die eingekauften Microsoft-Pakete diese Anforderungen erfüllen. Der Unterricht läuft vorerst wieder über die städtische Plattform schulen-hannover.de und das Schulverwaltungssystem IServ.
Mehrarbeit für Lehrkräfte
Was für die Verwaltung ein finanzieller Schaden ist, bedeutet für Lehrpersonal vor allem eines: zusätzliche Arbeit. Torsten Neumann, IT-Lehrer und Vorsitzender des Verbands Niedersächsischer Lehrkräfte, spricht von einer „Zumutung“ (via NDR). Wer IServ bereits zugunsten von Microsoft zurückgestellt hatte, muss nun von vorn beginnen: Kontaktlisten anlegen, Personendaten einpflegen, Kommunikationsgruppen für Elternabende neu einrichten. Alles Schritte, die viele Kolleginnen und Kollegen schon hinter sich hatten.
Politischer Druck wächst
Die CDU-Ratsfraktion nutzt den Vorfall für grundsätzliche Kritik. Schulpolitikerin Johanna Chowaniec sieht in der Affäre den Beleg dafür, dass Hannover seine digitale Infrastruktur nicht im Griff hat. Andere Städte bauten ihre Angebote aus, Hannover stolpere von einer Baustelle zur nächsten. Ihre Forderung: Transparenz statt Schadensbegrenzung.
Aufklärung auf mehreren Ebenen
Bildungsdezernentin Eva Bender (SPD) hat eine umfangreiche Untersuchung angekündigt. Eine Taskforce, besetzt mit Verwaltungsleuten und externen Fachleuten, soll den Hergang rekonstruieren. Hinzu kommen eine beauftragte Anwaltskanzlei sowie eine Organisationsuntersuchung, die prüfen soll, ob Abläufe in der zuständigen Abteilung grundlegend überarbeitet werden müssen. Erste Ergebnisse sollen nach den Sommerferien vorliegen.