Cyberattacke auf Leonardo da Vinci und Botticelli: Während IT-Systeme wiederhergestellt werden, mauern die Uffizien im wahrsten Sinne des Wortes Türen zu.
Nach einer Cyberattacke auf eines der bedeutendsten Museen der Welt, den Uffizien, berichten italienische Medien von „leergefegten Servern“ und gestohlenen Sicherheitsplänen. Die Museumsleitung selbst setzt auf eine offensive Kommunikationsstrategie: Ein Backup habe den Totalverlust verhindert. Der Fall zeigt, wie schmal der Grat zwischen geplanter Modernisierung und akuter Notfallmaßnahme im Ernstfall verläuft.
Bereits am 1. Februar registrierten die Uffizien in Florenz einen unbefugten Zugriff auf ihre IT-Infrastruktur, wie Cybernews berichtete. Während die nationale Presse, allen voran der Corriere della Sera, meldet, dass das gesamte Archiv der Fotoabteilung entwendet wurde, widerspricht das Museum vehement. Die Server seien zwar temporär offline gewesen, doch dies sei lediglich dem notwendigen Restore-Prozess geschuldet. Laut Museumsleitung ging dank vorhandener Backups kein einziges Byte verloren.
Diskrepanz zwischen Medienberichten und Museums-Statement
Berichte über den Diebstahl von Passwörtern, Alarmplänen und internen Kartenmaterialien weist das Museum zurück. Die Sicherheitssysteme seien autark und als geschlossene Kreisläufe konzipiert, ein Zugriff von außen somit technisch ausgeschlossen. Dennoch kursieren Informationen über eine Lösegeldforderung, die direkt auf dem Mobiltelefon des Direktors Simone Verde eingegangen sein soll. Das könnte auf gezieltes Social Engineering oder den Kompromiss privater Endgeräte hindeuten.
Parallel zum digitalen Vorfall wurden auffällige bauliche Maßnahmen ergriffen: Notausgänge wurden mit Mörtel versiegelt und wertvolle Exponate in Tresore der Bank von Italien ausgelagert. Während einige Beobachter hierin eine panische Reaktion auf den Hackerangriff sehen, deklariert die Museumsleitung dies als Teil eines bereits im Herbst geplanten Brandschutz-Upgrades. Man ziehe lediglich die Modernisierung von Analog- auf Digitalkameras vor – eine Entscheidung, die auch durch die verschärfte internationale Sicherheitslage und Vorfälle in anderen europäischen Museen wie dem Louvre beeinflusst wurde.
Restore statt Datenverlust
Trotz der widersprüchlichen Meldungen bleibt ein Fakt bestehen: Die Uffizien sind weiterhin für ihre jährlich fünf Millionen Besucher geöffnet. Der Vorfall unterstreicht die Relevanz einer resilienten Backup-Strategie und demonstriert, wie kritisch die Verzahnung von physischer Sicherheit und IT-Infrastruktur in historischen Gebäudekomplexen ist. Ob es sich um eine erfolgreiche Abwehr oder eine geschickte Schadensbegrenzung handelt, wird die weitere Untersuchung der forensischen Daten zeigen müssen. Fest steht: Ohne funktionierendes Backup wäre das „Who is Who“ der Kunstgeschichte digital verloren gewesen.