Studie

Kurzvideo-Sucht bei Jugendlichen: Konzentrationstraining wirkt

Social Media Kinder
Bildquelle: Koshiro K/Shutterstock.com

Chinesische Forscher identifizieren Bindungsangst als Risikofaktor für exzessiven Kurzvideokonsum und zeigen, wie Aufmerksamkeitskontrolle schützend wirkt.

Die Sucht nach Kurzvideos (Short Video Addiction, SVA) beeinträchtigt bei Jugendlichen nicht nur die Konzentrationsfähigkeit, sondern auch die Fähigkeit, Emotionen anderer Menschen wahrzunehmen und zu deuten. Zu diesem Schluss kommt Haodong Su von der Anhui Science and Technology University in einer neuen Studie. Laut Su stimuliert die wiederholte Konfrontation mit kurzen, informationsreichen Clips das Gehirn so intensiv, dass es diese Reize als besonders angenehm empfindet. Das Ergebnis: Nutzer geraten in einen regelrechten Suchtkreislauf.

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Gesundheitliche Folgen ernst nehmen

Su sieht in der wachsenden Verbreitung von Kurzvideos eine ernstzunehmende Bedrohung für Alltag und Gesundheit. Die Clips beeinträchtigten die Effizienz im Tagesablauf und wirkten sich negativ auf die psychische wie auch körperliche Verfassung aus. Als einen zentralen Risikofaktor hat der Forscher die sogenannte Bindungsangst identifiziert, also die Furcht, verlassen zu werden, die häufig in der frühen Kindheit wurzelt.

“Wir haben erkannt, dass ein höheres Maß an Bindungsangst mit einem größeren Risiko für SVA verbunden ist. Eine schlechtere Aufmerksamkeitskontrolle sowie Schwierigkeiten bei der Verarbeitung eigener oder fremder Emotionen können diesen Zusammenhang teilweise erklären”, so Su.

342 Studierende unter der Lupe

Für die Untersuchung rekrutierte das Team 342 Studierende im Alter zwischen 18 und 22 Jahren. Gemessen wurden die Ausprägung der Kurzvideo-Sucht, Bindungsangst, Konzentrationsfähigkeit sowie Alexithymie. Letzteres beschreibt einen Persönlichkeitszug, der durch Schwierigkeiten beim Erkennen und Beschreiben von Emotionen gekennzeichnet ist. Frühere Studien weisen darauf hin, dass Alexithymie unter jungen Menschen relativ weit verbreitet ist, besonders in Stressphasen oder entscheidenden Entwicklungsabschnitten.

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Konzentration als Schutzfaktor

Das zentrale Ergebnis der Studie: Wer seine Aufmerksamkeit besser regulieren kann, ist weniger anfällig für SVA. “Junge Menschen, die ihre Aufmerksamkeit besser steuern und aufrechterhalten können, entwickeln seltener Suchtmuster beim Konsum von Kurzvideos, selbst wenn sie emotionale Schwierigkeiten wie Bindungsangst erleben”, betont Su. Gezieltes Aufmerksamkeitstraining könnte demnach ein wirksamer Ansatz sein, um der Kurzvideo-Sucht vorzubeugen.

(lb/Pressetext)

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