Quantencomputer gelten als nächste technologische Revolution und als potenzielle Bedrohung für die heutige IT-Sicherheit.
Warum herkömmliche Kryptografie an Grenzen stößt
Der Sicherheitsanbieter Keeper Security reagiert darauf mit der Integration eines quantenresistenten Verschlüsselungsverfahrens in seine Plattform für Identitätssicherheit und Privileged-Access-Management. Aktuelle Verschlüsselungsstandards wie RSA oder Elliptic Curve Cryptography bieten derzeit noch zuverlässigen Schutz. Doch sie basieren auf mathematischen Problemen, die leistungsfähige Quantencomputer künftig deutlich schneller lösen könnten als klassische Rechner.
Ein besonderes Risiko stellen sogenannte „Harvest-now-decrypt-later“-Szenarien dar. Dabei werden verschlüsselte Daten heute abgefangen und gespeichert, um sie später mit Hilfe ausgereifter Quantentechnologie zu entschlüsseln. Betroffen wären sensible Informationen wie Finanzdaten, Gesundheitsakten oder geistiges Eigentum.
Kyber als neuer Sicherheitsbaustein
Um dieser Entwicklung zu begegnen, hat Keeper Security den vom U.S. National Institute of Standards and Technology standardisierten Kyber-Schlüsselkapselungsmechanismus integriert. Kyber zählt zu den ersten offiziell verabschiedeten Post-Quanten-Kryptografie-Standards.
Die neue Technik wird in die bestehende Zero-Trust- und Zero-Knowledge-Architektur des Unternehmens eingebettet. Laut Keeper entsteht dadurch ein hybrider Ansatz: Bewährte kryptografische Verfahren werden mit quantenresistenter, gitterbasierter Kryptografie kombiniert.
Automatische Umstellung ohne Mehraufwand
Die Implementierung erfolgt so, dass Kunden keine zusätzlichen Konfigurationen vornehmen müssen. Die quantenresistente Verschlüsselung wird mit Software-Updates automatisch aktiviert.
Zudem setzt Keeper auf sogenannte Krypto-Agilität. Das bedeutet, dass kryptografische Verfahren bei Bedarf schnell angepasst oder ausgetauscht werden können, ohne die Systemkompatibilität zu gefährden. So soll die Plattform langfristig an neue Standards anpassbar bleiben.
Die Einführung quantenresistenter Verfahren gewinnt weltweit an Bedeutung. Das NIST hat Organisationen bereits aufgefordert, sich frühzeitig mit der Migration auseinanderzusetzen. Auch in Deutschland wird das Thema im Rahmen staatlicher Förderprogramme und Leitlinien vorangetrieben. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt regulierten Branchen, Strategien für die Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie zu entwickeln.
Schritt in Richtung langfristiger Resilienz
Mit der Integration von Kyber positioniert sich Keeper Security als Anbieter, der nicht nur aktuelle Bedrohungen adressiert, sondern auch künftige Risiken einplant. Die Maßnahme ergänzt bestehende Compliance-Standards und Sicherheitszertifizierungen des Unternehmens.
Obwohl leistungsfähige Quantencomputer noch nicht flächendeckend verfügbar sind, zeigt sich: Die Vorbereitung auf die nächste Generation von Rechenleistung beginnt bereits heute. Für Unternehmen bedeutet das, Sicherheitsstrategien nicht nur reaktiv, sondern vorausschauend auszurichten.