Lange ein Nischenprodukt, jetzt kaum zu bekommen: Der Mac mini erlebt durch den KI-Boom einen unerwarteten Hype und Apple reagiert mit einer Produktionsverlagerung in die USA.
Der Mac mini spielte jahrelang eine Nebenrolle im Apple-Portfolio. Mit einem Anteil von gerade einmal rund einem Prozent an Apples Mac-Verkäufen war das kompakte Gerät eher etwas für Sparfüchse und Bastler. Doch das hat sich schlagartig geändert: Seit KI-Agentensysteme wie OpenClaw den Markt aufmischen, gilt der kleine Kasten plötzlich als ideale Hardware für lokale KI-Aufgaben. Erschwinglich, leistungsstark, kompakt. Die Folge: Der M4 Mac mini ist in vielen Apple Stores und bei Online-Händlern derzeit nur mit Wartezeit erhältlich, ebenso wie der Mac Studio. Die Regale leeren sich schneller, als Apple nachliefern kann.
Deshalb kommt Apples neue Ankündigung nicht überraschend: Der Konzern weitet seine Fertigungskapazitäten in Houston, Texas, deutlich aus. Ab Ende des Jahres soll der Mac mini dort in einem eigens errichteten Werk montiert werden, das erste Mal, dass das Gerät in den USA produziert wird. Das Gelände soll dafür auf die doppelte Fläche wachsen.
„Wir sind stolz darauf, unsere Präsenz in Houston deutlich auszubauen”, sagte Tim Cook. Die Produktion der KI-Server in Houston laufe bereits vor dem ursprünglichen Zeitplan und diese Kapazitäten sollen nun ebenfalls ausgebaut werden. Die in Texas gefertigten Server, inklusive der vor Ort produzierten Logic Boards, kommen in Apples US-Rechenzentren zum Einsatz.
Noch in diesem Jahr soll auf dem Gelände zudem ein rund 1.900 Quadratmeter großes „Advanced Manufacturing Center” öffnen. Dort will Apple Studenten, Zulieferern und Unternehmen praxisnahe Schulungen in modernen Fertigungstechniken anbieten, mit denselben Prozessen, die auch in der eigenen Produktion eingesetzt werden.
Teil eines 600-Milliarden-Dollar-Versprechens
Die Expansion in Houston ist Teil von Apples im vergangenen Jahr angekündigtem Investitionsprogramm über 600 Milliarden US-Dollar in den USA. Seitdem vermeldet der Konzern mehrere Meilensteine: Über 20 Milliarden in den USA gefertigte Chips wurden aus 24 Werken in 12 Bundesstaaten bezogen, darunter von TSMC, Broadcom und Texas Instruments. In Arizona hat Amkor den Grundstein für ein neues 7-Milliarden-Dollar-Werk für Chip-Packaging gelegt, bei dem Apple erster und größter Kunde sein wird. Das Corning-Werk in Harrodsburg, Kentucky, produziert mittlerweile ausschließlich Displayglas für iPhone und Apple Watch und bis Ende des Jahres soll jedes neu verkaufte Gerät dieser Produktlinien Glas aus Kentucky enthalten.
Endmontage statt vollständige Fertigung
Konkrete Produktionszahlen für Houston nannte Apple nicht. Branchenexpertenr gehen davon aus, dass es sich, ähnlich wie beim Mac Pro der bereits in Texas montiert wird, um reine Endmontage handeln dürfte. Die Vorproduktion der Bauteile findet weiterhin überwiegend in Asien statt. Angesichts der aktuellen Nachfragesituation dürfte Apple dennoch unter Druck stehen, die neuen Kapazitäten so schnell wie möglich hochzufahren.