Vorwurf von irreführenden Lockvogelangeboten

Sammelklage gegen Spar-Abo von Amazon eingereicht

Amazon
Bildquelle: Prathmesh T/Shutterstock.com

Eine US-Sammelklage wirft Amazon vor, die Preise beim Spar-Abo nach der ersten Lieferung unbemerkt anzuheben und Kunden systematisch zu täuschen.

Finanz- und Verbraucherschutzgerichte in den USA beschäftigen sich aktuell mit einer weitreichenden Sammelklage gegen den weltweit größten Online-Händler Amazon. Im Zentrum der juristischen Auseinandersetzung steht das populäre Rabattprogramm Subscribe and Save, im deutschsprachigen Raum bekannt als Spar-Abo. Eine renommierte Anwaltskanzlei aus Seattle hat die Klage beim US-Bezirksgericht für den westlichen Distrikt von Washington eingereicht.

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Die Kläger werfen dem E-Commerce-Konzern vor, Verbraucher systematisch mit künstlich niedrigen Einstiegspreisen zu ködern, um die Preise in den Folgemonaten nach den ersten Lieferungen drastisch anzuheben. Sollte das Gericht der Klage den Status einer Sammelklage (Class-Action) zuerkennen, könnte dies erhebliche finanzielle und rechtliche Konsequenzen für Amazon nach sich ziehen. Nach Analysen der Marktforschungsgruppe Consumer Intelligence Research Partners nutzen rund 25 Prozent aller Amazon-Kunden in den USA dieses Abonnement-Modell für wiederkehrende Einkäufe, was potenziell zehn Millionen Verbraucher zu Berechtigten dieser Klage machen würde.

Vorwurf der Lockvogel-Taktik im Abonnement-Modell von Amazon

Die juristische Beschwerde stützt sich auf detaillierte Preisprotokolle betroffener Verbraucher. Als exemplarisches Beispiel wird in der Klageschrift der Fall des Ehepaars Herman aufgeführt. Die Kläger abonnierten über das Spar-Abo-Programm eine regelmäßige Lieferung von Espresso-Kaffeepulver zu einem anfänglichen Einstiegspreis von 16,60 US-Dollar. Bei der automatischen Verlängerung des Auftrags wenige Monate später berechnete das System bereits 17,04 US-Dollar. In den darauffolgenden Lieferperioden stieg der Preis kontinuierlich weiter an, zunächst auf 21,25 US-Dollar und schließlich im Oktober 2024 auf einen Höchstwert von 28,69 US-Dollar.

Dies entsprach einer Preissteigerung von rund 12 US-Dollar beziehungsweise einer Verteuerung von über 70 Prozent gegenüber der ersten Lieferung, ohne dass sich die Marktbedingungen für das Produkt in diesem Ausmaß verändert hätten. Die Klägervertreter klassifizieren dieses Geschäftsgebaren als klassische irreführende Täuschung und eine sogenannte Bait-and-Switch-Taktik, bei der ein günstiges Angebot als Lockvogel genutzt wird, um Kunden in eine automatisierte, teurere Kostenfalle zu manövrieren.

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Diskrepanzen bei den Plattform-Preisen und unzureichende Fristen

Ein wesentlicher Kernpunkt der rechtlichen Argumentation betrifft den Umstand, dass die Abonnement-Preise im Laufe der Zeit die regulären Marktpreise auf derselben Plattform überstiegen. Die Klageschrift legt dar, dass Kunden im Rahmen des Spar-Abos für identische Artikel oft deutlich mehr bezahlen mussten, als wenn sie das Produkt als einmalige Bestellung bei einem alternativen Dritthändler auf dem Amazon-Marktplatz erworben hätten. Dieser Zustand blieb laut Klage selbst dann bestehen, wenn der von Amazon versprochene Abonnement-Rabatt von bis zu 15 Prozent in den finalen Abrechnungspreis einkalkuliert wurde.

Im Fall der Kläger hätte ein manueller Preisvergleich zum Zeitpunkt der teuersten Lieferung gezeigt, dass ein anderer Verkäufer auf der Plattform dasselbe Produkt für 25,90 US-Dollar anbot, was einer Ersparnis von 2,79 US-Dollar entsprochen hätte. Zudem wird die Benachrichtigungspolitik des Konzerns scharf kritisiert. Amazon informierte die Kunden über anstehende Preiserhöhungen oft erst extrem kurzfristig per E-Mail, beispielsweise um 20:54 Uhr am selben Abend, an dem die Bestellung bereits verarbeitet und die Kreditkarte des Kunden unwiderruflich belastet wurde. Dies verwehrte den Verbrauchern jede praktische Möglichkeit, die Lieferung rechtzeitig zu stornieren oder Preise zu vergleichen.

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Amazons rechtliche Verteidigungslinie: Kundeninfo per E-Mail

Amazon wies die Vorwürfe irreführender Praktiken in einer ersten Stellungnahme zurück und verwies auf die Flexibilität und den Komfort des Programms. Der Konzern betont, dass das Spar-Abo-Modell darauf ausgelegt sei, Kunden sowohl Zeit als auch Geld durch komfortable, flexible und wiederkehrende Lieferungen zu sparen. Zudem erhalten Abonnenten vor dem eigentlichen Versand eine Vorab-E-Mail, die über die anstehende Lieferung und die anwendbaren Rabatte informiert, wobei die Ersparnis je nach Produktkategorie und Anzahl der abonnierten Artikel zwischen 5 und 15 Prozent variieren kann.

Rechtlich stützt sich die Verteidigung von Amazon primär auf die eigenen Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Auf der offiziellen Kondizionsseite des Programms behält sich der Online-Händler explizit das Recht vor, den Preis für ein Spar-Abo jederzeit und aus beliebigem Grund zu ändern. Die Klägerseite kontert diese Argumentation mit dem Hinweis auf den eindeutigen Programmnamen: Wenn ein Dienst explizit als Spar-Abo deklariert wird, besitze der Verbraucher die berechtigte Erwartungshaltung, durch das Abonnement finanzielle Vorteile zu erzielen und nicht systematisch höhere Preise als im regulären Einzelkauf zu zahlen.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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