X hat den Ranking-Algorithmus hinter dem „For You“-Feed als Open Source veröffentlicht und führt eine Shadowban-Prüfung für Nutzer ein.
Der Quellcode für den standardmäßigen „For You“-Feed steht seit Donnerstag unter der Apache-v2-Lizenz auf GitHub bereit und erweitert frühere Open-Source-Veröffentlichungen von X um deutlich mehr Details, darunter die Modellkonfiguration, Filtersysteme sowie Angaben zum eigentlichen Ranking-System, einschließlich der Parameter, mit denen unterschiedliche Signale gewichtet werden. Dadurch wuchs die offen zugängliche Codebasis von X nach Unternehmensangaben um das 10- bis 15-Fache. X-Produktvize Keith Coleman erklärte:
„Man bekommt den zentralen Ranking-Code, der Beiträge für jeden einzelnen Nutzer abruft, bewertet und zu einem Feed zusammenstellt. Man kann die Systeme sehen, die potenziell problematische, gegen die Regeln verstoßende Inhalte herausfiltern. Und einige dieser Systeme, etwa den Ranker und die Bewertung, kann man sogar außerhalb des Unternehmens selbst betreiben.“
Keith Coleman, X-Produktvize
Bereits vor der eigentlichen Veröffentlichung hatte X externen, mit Empfehlungssystemen vertrauten Forschern vorab Zugang zur Codebasis gewährt. Diese konnten das sogenannte Phoenix-Bewertungssystem von X eigenständig außerhalb des Unternehmens trainieren und betreiben, nach Angaben von Coleman ein wichtiger Meilenstein für die eigenen Transparenzbemühungen. Über das GitHub-Repository können Entwickler künftig zudem eigene Änderungsvorschläge einreichen, die von X-Ingenieuren geprüft und möglicherweise in den Algorithmus übernommen werden.
Neues Werkzeug soll Shadowban-Vorwürfe überprüfbar machen
Ergänzend zur Codeveröffentlichung führt X ein neues Transparenzwerkzeug auf einer „Under the Hood“ genannten Seite in den App-Einstellungen ein. Nutzer, die in den vergangenen 30 Tagen mindestens zehn Beiträge veröffentlicht haben, können dort ihre eigenen, zusammengefassten Statistiken als JSON-Datei herunterladen. Diese zeigt, ob das eigene Konto oder einzelne Beiträge im vergangenen Kalendermonat mit entsprechenden Kennzeichnungen versehen wurden.
Coleman bezeichnete das Ziel der Maßnahme so: „Unser Traum ist, dass jeder in der Öffentlichkeit selbst einschätzen kann, wie Beiträge auf der Plattform verteilt werden, prüfen kann, ob es dabei fair zugeht, und, falls nicht, das kritisieren kann, damit wir weiter daran arbeiten und es verbessern können. Genau das ist das Ziel: Der Code kann geprüft werden, er kann kritisiert werden.“
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Kritik daran, wie der Algorithmus von X Politik, Wahlen und die Verbreitung von Falschinformationen beeinflusst. Bereits vor der Übernahme durch Elon Musk hatten insbesondere republikanische Abgeordnete im US-Kongress wiederholt behauptet, Twitter benachteilige konservative Stimmen gezielt durch sogenanntes Shadowbanning, Vorwürfe, die das Unternehmen damals durchgehend zurückwies. Kritiker merken zugleich an, dass X unter Musk in anderen Bereichen, etwa bei Berichtspflichten gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC sowie regelmäßigen öffentlichen Angaben zu Nutzerzahlen, Wachstum, Umsatz und behördlichen Löschanfragen, insgesamt weniger transparent geworden ist als zuvor als börsennotiertes Unternehmen.
(red)