Als T-Mobile 2024 chinesische Hacker in seinem Netz aufspürte, blieb nur ein radikaler Schritt: Vier Sicherheitsleute rasten zum Rechenzentrum und kappten die Verbindung.
Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Das Sicherheitsteam von T-Mobile fahndete demnach monatelang ohne Ergebnis nach Spuren eines möglichen Einbruchs in die eigene Infrastruktur. Schließlich entdeckten die Fachleute ungewöhnliches Verhalten an einem System. Der Ursprung ließ sich auf einen Router eines anderen Telekommunikationsunternehmens zurückführen, dessen Name in dem Bericht nicht genannt wird.
Jeff Simon, der bei T-Mobile für Cybersicherheit zuständige Manager, schilderte Bloomberg zufolge das weitere Vorgehen so: Zusammen mit drei weiteren Mitarbeitern fuhr er zu einem Rechenzentrum in der Nähe des Firmensitzes im US-Bundesstaat Washington. Dort fanden sie das betroffene System, griffen zu einer Schere und durchtrennten das Kabel, über das die Verbindung nach außen lief. Das sei in diesem Fall die schnellste und effektivste Methode gewesen. Das durchtrennte Kabelstück ist offenbar bis heute erhalten geblieben. Es hängt gerahmt am Hauptsitz von T-Mobile US in Bellevue, versehen mit dem Schriftzug „Vigilant by design, secure by action“.
Die Kampagne Salt Typhoon
Für die Angriffe wird eine mutmaßlich staatlich unterstützte chinesische Hackergruppe namens Salt Typhoon verantwortlich gemacht. Nach Angaben des FBI sollen mindestens 200 US-Unternehmen aus den Bereichen Telekommunikation, Internetdienste und Rechenzentren betroffen gewesen sein. Ziel der Kampagne war es demnach, Telefondaten sowie Informationen über hochrangige US-Regierungsvertreter zu erbeuten. Zu den betroffenen Personen sollen zum damaligen Zeitpunkt auch Kandidaten für die US-Präsidentschaft gehört haben.
Unter den betroffenen Unternehmen werden in dem Zusammenhang unter anderem die Provider AT&T und Verizon genannt, außerdem der Satellitentelefonanbieter Viasat sowie die Netzinfrastrukturanbieter Charter und Windstream.
T-Mobile kam vergleichsweise glimpflich davon
Weil die verdächtigen Aktivitäten früh genug entdeckt wurden, blieb T-Mobile nach eigener Darstellung ein umfassenderer Einbruch in die eigene Netzinfrastruktur erspart. Der Fall verdeutlicht, dass US-Telekommunikationsunternehmen sehr unterschiedlich stark von der Angriffswelle betroffen waren. Er zeigt außerdem, dass neben komplexen technischen Gegenmaßnahmen auch ein simpler, physischer Eingriff ein wirksames Mittel sein kann, um einen Angreifer sofort vom Netz zu trennen.
(red)