KI-Assistent ohne Wirkung?

SAPs Joule: Kunden zweifeln offenbar Mehrwert an

SAP
Bildquelle: Kittyfly/Shutterstock.com

Implementierungspartner sprechen bei Joule von einem “glorifizierten Suchwerkzeug”, und selbst Volkswagen soll das System als nicht ausgereift eingestuft haben. SAP hält derweil dagegen.

Walldorf hat ein Problem mit seinem KI-Assistenten. Der Softwarekonzern SAP hat seine Produktstrategie auf künstliche Intelligenz ausgerichtet und dabei vor allem auf einen Namen gesetzt: Joule. Doch das Tool, das seit September 2023 sukzessive in alle SAP-Produkte integriert wird, hält offenbar nicht, was er verspricht. Bloomberg hat mit einem Dutzend Kunden und Partnern gesprochen und dabei ein ernüchterndes Bild eingefangen.

Anzeige

Zu ungenau für den Alltag

Wer Joule produktiv nutzen will, braucht vor allem eines: Geduld beim Formulieren, so die vorherrschende Meinung. Mehrere Anwender berichten, dass das System nur bei extrem präzisen Eingaben brauchbare Ergebnisse liefert. Im Unternehmensalltag, stoße das schnell an seine Grenzen. Ein Manager bei einem der größten SAP-Implementierungspartner weltweit bezeichnete Joule ein “glorifiziertes Suchwerkzeug”.

Auch Volkswagen testete offenbar den Assistenten und kam laut einer informierten Person zu einem ähnlichen Schluss. Eine tragfähige Grundlage für Kosten- oder Ressourceneinsparungen habe man nicht erkennen können. Der Konzern ließ eine Anfrage von Bloomberg unbeantwortet.

Dass es sich dabei nicht um Einzelmeinungen handelt, zeigt ein weiterer Befund aus dem Bloomberg-Bericht. Zwei namhafte Implementierungspartner aus den USA und Deutschland, beobachten in Kundengesprächen eine auffallend geringe Nachfrage nach den KI-Produkten des Konzerns. Neben dem Funktionsumfang steht dabei auch das Preismodell in der Kritik.

Anzeige

Das sagt SAP

SAP selbst sieht die Lage erwartungsgemäß anders. Laut einem Unternehmenssprecher sei das Interesse branchenübergreifend groß und die Nutzung entwickle sich planmäßig. Vorstandschef Christian Klein verwies auf eine interne Kennzahl: In mehr als zwei Dritteln der Kundenbestellungen des letzten Quartals seien KI-Produkte enthalten gewesen, 20 Prozentpunkte mehr als im Quartal zuvor. Die Zahl der Joule-Nutzer habe sich 2025 sogar verneunfacht. Wie viele dieser Bestellungen auf aktiver Nachfrage beruhen und wie viele schlicht im Paket mitgeliefert werden, bleibt offen.

Lars

Becker

Stellvertretender Chefredakteur

IT Verlag GmbH

Anzeige

Weitere Artikel

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.