Kompetenzdaten

Work Intelligence: SAP will KI-Startup Techwolf übernehmen

SAP kauft sich Kompetenzdaten für seine HR-Agenten zu: Das belgische Startup Techwolf soll künftig in Successfactors aufgehen.

Work Intelligence: SAP will KI-Startup Techwolf übernehmen
Bildquelle: Ingrid Balabanova/Shutterstock.com

SAP will das KI-Unternehmen Techwolf aus Gent übernehmen. Das teilte der Walldorfer Softwarekonzern mi. Techwolf bietet eine Plattform für sogenannte Work Intelligence an, die Unternehmen einen laufend aktualisierten Überblick darüber geben soll, was ihre Beschäftigten eigentlich tun und können. Der Abschluss ist für das vierte Quartal 2026 geplant, sofern die Behörden zustimmen. Zum Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben.

Ein Graph für die Arbeitswelt

Herzstück der Plattform ist ein proprietäres Datenmodell, das Techwolf als Context Graph for Work bezeichnet. Die Software setzt dabei nicht auf eigene Datenerhebung, sondern zapft die HR- und Geschäftssysteme an, die Kunden ohnehin betreiben.

Aus diesen Daten modelliert Techwolf Organisationen auf drei Ebenen:

  • die eigentliche Arbeit, heruntergebrochen bis auf einzelne Aufgaben innerhalb eines Tätigkeitsfelds,
  • die Fähigkeiten und Qualifikationen der Mitarbeiter
  • Daten aus dem externen Arbeitsmarkt.

Diese Informationen verknüpft die Plattform mit der Geschäftsstrategie des jeweiligen Unternehmens. Personalabteilungen sollen so besser entscheiden können, wen sie einstellen, umschulen oder intern versetzen. „Wir haben acht Jahre damit verbracht, die Evidenz- und Datenbasis aufzubauen, um genau diese Fragen beantworten zu können“, sagt Techwolf-CEO und Mitgründer Andreas De Neve. Gemeint ist die Frage, wie KI die Arbeitswelt verändert und wie Belegschaften darauf reagieren müssen.

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Futter für Joule und KI-Agenten

Bei SAP soll Techwolf ein Kernbestandteil des HR-Portfolios Successfactors werden. Mit dem Kauf wandern neben dem Context Graph auch die KI-Modelle und das Team für angewandte KI-Forschung nach Walldorf. Nach Abschluss wollen beide Seiten ihre Kompetenz- und Arbeitsdaten zusammenführen und mit Daten aus SAPs Software für das, was der Konzern autonome Unternehmen nennt, anreichern.

SAP macht kein Geheimnis daraus, worum es eigentlich geht: um Agenten. „TechWolfs proprietärer Context Graph for Work bietet eine sehr starke Daten- und Wissensgrundlage für Anfragen von KI-Agenten rund um Arbeits- und Kompetenzplanung sowie Talentmanagement“, sagt Manoj Swaminathan, Produktchef der SAP Autonomous Suite und Mitglied des erweiterten Vorstands. Die Wissensgrundlage mache „den Einsatz von KI-Token effizienter“ und senke „die Kosten für die Bereitstellung von Workforce-KI-Agenten“. Außerdem soll sie SAPs KI-Assistenten Joule bei kompetenzbasierter Einstellung, Personalplanung und dem Neuzuschnitt von Rollen „intelligenter machen“.

Ganz neu ist die Verbindung nicht: SAP und Techwolf arbeiten bereits als Partner zusammen. Auf dieser Basis wollen sie nach der Übernahme gemeinsam neue KI-Produkte für Umschulung, interne Mobilität und Recruiting entwickeln.

Techwolf bleibt vorerst eigenständig

Die Techwolf-Plattform soll weiterhin auch Unternehmen offenstehen, die keine SAP-Software einsetzen. Vorbehaltlich des Abschlusses und der nötigen Konsultationen will SAP Techwolf als eigenständige Gesellschaft unter De Neve weiterführen. Hauptsitz bleibt Gent, dazu kommen Niederlassungen in London, New York und San Francisco. Finanziell beraten wurde Techwolf von J.P. Morgan.

„Der Zusammenschluss mit SAP ermöglicht es uns, diese Mission auf einen breiteren geschäftlichen Kontext und eine deutlich größere Skalierung auszuweiten“, sagt De Neve. „Gemeinsam wollen wir ein erstklassiges KI-Unternehmen im Bereich Arbeit aufbauen.“ Wie lange die versprochene Eigenständigkeit und die Offenheit für Nicht-SAP-Kunden Bestand haben, wenn Techwolf erst einmal tief in Successfactors integriert ist, bleibt abzuwarten.

Offen ist zudem, wie Unternehmen und Betriebsräte auf eine Software reagieren, die Arbeit bis auf die Ebene einzelner Aufgaben vermisst. Gerade in Deutschland dürfte das Thema Mitbestimmung bei der Einführung solcher Werkzeuge eine Rolle spielen. Dazu äußerten sich SAP und Techwolf nicht.

(red)

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