OpenAI-Chef Sam Altman erklärte bei einem Praktikanten-Event, ein vierjähriges Studium sei länger als nötig, zwei Jahre reichten aus.
Altman verwies dabei auf seine eigene Studienzeit an der Stanford University, die er nach zwei von vier Jahren abbrach, um das ortsbasierte soziale Netzwerk Loopt mitzugründen, eines der ersten Unternehmen im Startup-Förderprogramm Y Combinator. Nach seiner Einschätzung habe er in dieser Zeit viel gelernt, zwei weitere Studienjahre hätten jedoch nur noch stark abnehmenden Nutzen gebracht. Zugleich räumte er ein, es sei durchaus wertvoll, während des Studiums Menschen kennenzulernen, erstmals eigenständig zu leben und an eigenen Projekten zu arbeiten. Rückblickend zeigte er sich mit seiner eigenen Entscheidung zufrieden, betonte jedoch, ein solches Experiment lasse sich naturgemäß nicht zweimal durchführen. Er kenne zudem viele Menschen, die nie ein Studium abgeschlossen hätten und dennoch erfolgreich seien.
Ergänzend riet Altman angehenden Unternehmensgründern, nicht zu viel Zeit darauf zu verwenden, von anderen ernst genommen werden zu wollen. Mit ausreichend KI-Unterstützung lasse sich inzwischen ein ganzes Start-up praktisch allein aus einem Raum heraus aufbauen. Zugleich räume er ein, dass die Einstellung erfahrener Mitarbeitender etwa beim Verkauf an große, traditionell geführte Unternehmen weiterhin sinnvoll sein könne.
Altman: Teil eines größeren Trends in der Technologiebranche
Altman reiht sich mit dieser Einschätzung in eine wachsende Zahl prominenter Stimmen aus der Technologiebranche ein, die den klassischen vierjährigen Studienweg zunehmend infrage stellen. Google-Mitgründer Sergey Brin hatte bereits im Januar erklärt, sein Unternehmen habe zahlreiche Mitarbeitende ohne klassischen Studienabschluss eingestellt. Nvidia-Chef Jensen Huang hatte 2024 die These vertreten, generative KI mache es für junge Menschen überflüssig, das Programmieren zu erlernen. Als bekanntestes Beispiel gilt zudem der von Investor Peter Thiel gegründete Thiel Fellowship, ein zweijähriges Programm, das jungen Menschen bis 25 Jahren 250.000 US-Dollar zur Verfügung stellt, wenn sie im Gegenzug auf ein Studium verzichten oder es abbrechen, um in Vollzeit an einem eigenen Projekt zu arbeiten.
Altmans Aussagen fallen dabei in eine Zeit, in der klassische Einstiegswege in die Technologiebranche selbst zunehmend unter Druck geraten. Berichten zufolge sind Praktikumsstellen in der Technologiebranche seit 2023 um 30 Prozent zurückgegangen, während der Anteil frisch graduierter Hochschulabsolventen, die bei großen Technologieunternehmen eingestellt werden, inzwischen bei nur noch 7 Prozent liegt.
(red)