Eine repräsentative Bitkom-Umfrage zeigt, dass 66 Prozent der Deutschen einem neuen Rechenzentrum am eigenen Wohnort grundsätzlich positiv gegenüberstehen.
Für die Erhebung befragte Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom zwischen der 28. und 32. Kalenderwoche 2026 insgesamt 1.006 Personen ab 16 Jahren in Deutschland. 82 Prozent der Befragten sind der Ansicht, Rechenzentren gehörten inzwischen ebenso zur Basisinfrastruktur des Landes wie Strom, Wasser oder Straßen, 73 Prozent finden zudem, Deutschland benötige mehr Rechenzentren. Auch der Verarbeitungsstandort ist vielen wichtig: 72 Prozent legen Wert darauf, dass ihre eigenen Daten in Rechenzentren innerhalb Deutschlands verarbeitet werden. Rund ein Viertel der Befragten (25 Prozent) würde einen Neubau am eigenen Wohnort dagegen eher oder sehr negativ sehen. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder ordnete den scheinbaren Widerspruch zwischen grundsätzlicher Zustimmung und Kritik am Energieverbrauch so ein:
Die entscheidende Frage ist nicht, ob diese Infrastruktur gebraucht werden, sondern wie sich ihr Ausbau möglichst effizient und ohne Beeinträchtigung von Mensch und Natur gestalten lässt.
Bernhard Rohleder, Bitkom-Hauptgeschäftsführer
Fehlende Information als Ursache für lokalen Widerstand
Trotz der insgesamt hohen Zustimmung zeigt sich in einzelnen Kommunen konkreter Widerstand gegen bestimmte Rechenzentrumsprojekte vor Ort. Entsprechend wünschen sich 92 Prozent der Befragten eine bessere Erklärung, wofür neue Rechenzentren überhaupt benötigt werden, während immerhin 83 Prozent bereits eine grobe Vorstellung davon haben, was in einem Rechenzentrum tatsächlich passiert. Rohleder betonte, Betreiber und Kommunen müssten frühzeitig erklären, welchen Nutzen ein Rechenzentrum habe, welche Auswirkungen vor Ort entstünden und wie mit Energie, Wasser und Fläche umgegangen werde. Mit Blick auf die digitale Souveränität seien zudem eigene Rechenzentrumskapazitäten bedeutsam, da eine dauerhafte Abhängigkeit von Cloud- und KI-Infrastruktur außerhalb Europas auch wirtschaftliche und technologische Abhängigkeit bedeute.
Kabinett beschließt Gewerbesteuerreform für Rechenzentren
Als konkrete Maßnahme verwies Rohleder auf die von der Bundesregierung geplante stärkere Beteiligung der jeweiligen Kommunen am Gewerbesteueraufkommen von Rechenzentren, die im Ernstfall finanzielle Kompensation vor Ort schaffen solle und entsprechend umgesetzt werden müsse. Rohleder forderte darüber hinaus, Deutschland müsse im internationalen Wettbewerb um Rechenzentrumsstandorte insgesamt attraktiver werden, wozu wettbewerbsfähige Stromkosten, ein schnellerer Zugang zum Stromnetz sowie deutlich zügigere Planungs- und Genehmigungsverfahren zählten.
(Bitkom/red)