Apples Praxis, dienstliche und private iCloud-Konten miteinander zu koppeln, hat offenbar zur Folge, dass ehemalige Mitarbeiter auch nach ihrem Ausscheiden noch Zugang zu vertraulichen Unternehmensdokumenten haben.
Das berichtet The Information nach Gesprächen mit mehr als sechs früheren Apple-Angestellten. Laut deren Aussagen blieben zahlreiche Dateien, die ihnen während der Beschäftigungszeit zugänglich gemacht worden waren, auch nach dem Ausscheiden auf ihren privaten Geräten synchronisiert. Darunter sollen sich unter anderem Planungsunterlagen zu Produktankündigungen befunden haben. Mehrere Befragte gaben an, sogar Benachrichtigungen über Aktualisierungen dieser Dokumente erhalten zu haben, und berichteten, sie hätten aus Sorge vor möglichen Reaktionen Apples davon abgesehen, die Dateien zu löschen.
Grund liegt in Apples Kontostruktur
Ursache des Problems ist laut Bericht, dass Apple seine Beschäftigten dazu anhält, ihr persönliches Apple-Konto mit dem dienstlichen iCloud-Zugang zusammenzulegen. Mitarbeiter erhalten dafür einen Speicherplan mit 2 TByte, den sie entweder in ihr bestehendes Konto integrieren oder für ein neu angelegtes Konto nutzen können. Da auf einem Gerät jeweils nur ein Hauptkonto aktiv sein kann, entscheidet sich der Großteil der Belegschaft für die Verknüpfung mit dem eigenen, bereits genutzten Account, um nicht zwei Geräte parallel betreiben zu müssen.
Apple verfügt zwar über einen separat verwalteten Ordner für Arbeitsdateien, auf den der Zugriff beim Ausscheiden eines Mitarbeiters automatisch gesperrt wird. Nicht alle internen Dokumente landen jedoch zwangsläufig in diesem Ordner, wodurch sich geschäftliche und private Inhalte im selben iCloud-Speicher vermischen können. Auch auf Nachrichtenverläufe und darüber geteilte Dateien aus der Messages-App sollen ehemalige Mitarbeiter teilweise weiter zugreifen können.
Verbindung zum Rechtsstreit mit OpenAI
Thema ist der fortbestehende Zugriff auch im Rahmen einer Klage, die Apple gegen OpenAI führt. Apple wirft darin dem früheren Mitarbeiter Chang Liu vor, über eine seltene und zuvor unbekannte Schwachstelle im Authentifizierungssystem Dateien heruntergeladen zu haben, während er bereits bei OpenAI beschäftigt war.
Apple erklärte gegenüber The Information, die Klage gegen OpenAI stehe in keinem Zusammenhang mit den in iCloud verbliebenen Dateien. Gegen ehemalige Mitarbeiter, die unbeabsichtigt Apple-Dokumente in ihrem privaten iCloud-Konto behalten, würden keine rechtlichen Schritte eingeleitet. In der Klage gehe es ausschließlich um Fälle, in denen Mitarbeiter vertrauliche Informationen zu unveröffentlichten Technologien, Prozessen und Produkten unrechtmäßig an sich genommen hätten. Mit iCloud-Freigaben habe dies nichts zu tun.
Frühere Vorwürfe in weiteren Verfahren
Ehemalige Mitarbeiter äußerten gegenüber The Information zudem Kritik daran, dass Apple beim Entfernen sensibler Inhalte von privaten Geräten nicht gründlich genug vorgehe. In einem mittlerweile beigelegten Rechtsstreit hatte der Chiphersteller Rivos Apple vorgeworfen, Ex-Mitarbeitern gezielt weiterhin Zugriff auf Dateien zu lassen, um damit im Nachhinein eine Grundlage für Klagen wegen angeblichen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen zu schaffen. In diesem konkreten Fall soll ein Mitarbeiter deswegen ins Visier geraten sein, weil er dienstliche Dateien in seinem privaten iCloud-Konto aufbewahrt hatte.
Auch der frühere Apple-Entwickler Gerard Williams, gegen den Apple ebenfalls gerichtlich vorgegangen war, erhob in einer Gegenklage vergleichbare Vorwürfe und warf dem Unternehmen vor, mit Einschüchterungstaktiken potenzielle Kündigungen verhindern zu wollen. Apple hatte Williams wegen Vertragsbruchs verklagt, nachdem dieser das Prozessorunternehmen Nuvia gegründet hatte, und dabei umfangreiche Telefon- und Textnachrichtenprotokolle als Beweise vorgelegt. Das Gericht wies Williams Gegenklage ab, die ursprüngliche Klage Apples wurde 2023 zurückgezogen.
The Information stellt nicht die Behauptung auf, Apple lasse den fortbestehenden Zugriff bewusst zu. Das Portal merkt jedoch an, dass die Nutzung von iCloud für interne Dateifreigaben sowie die offenbar unvollständige Bereinigung ehemaliger Mitarbeiterkonten im Widerspruch zu Apples sonst stark betontem Anspruch an Datenschutz und Sicherheit stünden.
(red)