Laut einer Honeywell-Studie setzen die meisten OT-Sicherheitsteams bereits KI ein, autonome Systeme bleiben aber die Ausnahme.
Honeywell seinen 2026 OT Cybersecurity Benchmark Report veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen eine Diskrepanz zwischen der Selbsteinschätzung von Industrieunternehmen zu ihrer Sicherheit im Bereich Betriebstechnik (OT) und ihrer tatsächlichen Vorbereitung. Der Bericht untersucht zudem, welchen Einfluss KI auf die OT-Sicherheit bereits hat.
Lücke zwischen Selbsteinschätzung und Vorbereitung
Unter den 603 befragten Sicherheitsverantwortlichen aus Branchen kritischer Infrastruktur bezeichneten 88 Prozent ihr OT-Sicherheitsprogramm als ausgereift oder zumindest strukturell durchdacht. Gleichzeitig verfügen nur 21 Prozent über eine vollständige Bestandsaufnahme ihrer OT-Geräte. An der Befragung nahmen Verantwortliche aus Branchen wie Energie, Öl und Gas, Gesundheitswesen, Schifffahrt und Fertigung aus den Regionen Amerika, EMEA und Asien-Pazifik teil.
Auch bei der Überwachung zeigten sich deutliche Lücken: Nur 33 Prozent der Befragten gaben an, dass OT-Systeme vollständig in ein zentrales Security Operations Center integriert sind, und lediglich 20 Prozent überwachen mehr als drei Viertel ihrer vernetzten IoT-Geräte kontinuierlich. Im Gesundheitswesen gaben nur 19 Prozent an, dass Gebäude- und Anlagensysteme vollständig in die Sicherheitsüberwachung eingebunden sind.
Erhebliche Kosten bei Ausfällen
Organisationen, die einen bedeutenden OT-Sicherheitsvorfall erlebten, berichteten von durchschnittlich 16,2 Stunden Ausfallzeit. Unter den betroffenen Befragten schätzten 21 Prozent die Ausfallkosten auf mehr als 100.000 US-Dollar pro Stunde, 4 Prozent bezifferten die Verluste sogar auf mehr als 500.000 US-Dollar pro Stunde.
Die Häufigkeit von Vorfällen unterschied sich deutlich je nach Branche. 91 Prozent der Befragten aus dem Energie- und Versorgungssektor sowie 87 Prozent aus der Schifffahrt berichteten von einem bedeutenden OT-Sicherheitsvorfall innerhalb der vergangenen zwölf Monate, verglichen mit 54 Prozent in der Öl- und Gasbranche.
KI bereits weit verbreitet, Autonomie selten
99 Prozent der Befragten erwarten, dass KI ihre OT-Sicherheitsabläufe innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre beeinflussen wird. KI-gestützte Werkzeuge kommen in der OT-Sicherheit bereits verbreitet zum Einsatz: 72 Prozent der Befragten nutzen KI zur Bedrohungserkennung, 68 Prozent zur kontinuierlichen Überwachung und 59 Prozent für die Bestandsaufnahme von Geräten. Autonome oder agentenbasierte KI zur Bedrohungserkennung setzen dagegen bislang nur 23 Prozent tatsächlich ein, was darauf hindeutet, dass die meisten Systeme derzeit menschliche Analysten unterstützen, statt eigenständig zu handeln. Honeywell schreibt dazu im Bericht:
„Während sich KI von der reinen Unterstützung von Analysten hin zum eigenständigen Handeln bewegt, benötigen Organisationen klare Entscheidungsbefugnisse, menschliche Aufsicht und Tests, die die betrieblichen Folgen einer fehlerhaften Reaktion berücksichtigen. Das Ziel einer gut gesteuerten KI-Automatisierung ist es, Sichtbarkeit und Reaktionsfähigkeit zu stärken, ohne neue Risiken für Betriebszeit, Anlagen oder Sicherheit zu schaffen.“
Honeywell
(red)