Das Open-Source-Projekt Open Executive nutzt Claude-Modelle von Anthropic, um Führungskräfte digital nachzubilden und an Firmentools wie Slack oder Google Workspace anzubinden.
Das Unternehmen Sente Labs hat mit Open Executive ein quelloffenes System veröffentlicht, das eine Führungskraft als digitalen Zwilling abbilden soll. Das GitHub-Repository des Projekts verzeichnet mittlerweile mehr als 4.800 Sterne. Bekannt wurde das Tool einem breiteren Publikum durch ein Video der Content-Erstellerin Alberta Devor, die unter dem Namen Alberta Tech auftritt.
Acht Fachagenten hinter einer Fühungspersona
Open Executive präsentiert Nutzern eine einzelne, durchgängige Führungspersona, hinter der acht spezialisierte KI-Agenten arbeiten. Jeder Agent deckt einen eigenen Verantwortungsbereich ab:
- Chief Strategy Officer
- Chief Financial Officer
- Chief Human Resources Officer
- Chief Operating Officer
- Chief Marketing Officer
- Chief Product Officer
- Rechtsberatung
- Board Communications Director
Zusammen mit der übergeordneten Führungspersona ergeben sich neun Rollen, die das System abdeckt. Als Sprachmodelle kommen laut Sente Labs Claude Sonnet 5 und Claude Opus 5 von Anthropic zum Einsatz.
Anbindung an Slack, E-Mail und Google Workspace
Das System lässt sich in gängige Arbeitswerkzeuge einbinden, darunter Slack, Discord, Telegram, E-Mail, Google Workspace und Notion sowie grundsätzlich jedes MCP-kompatible KI-Tool. Laut Projektbeschreibung auf GitHub soll Open Executive dadurch dort ansetzen, wo Mitarbeitende ohnehin bereits arbeiten.
Ausgabenfreigaben, Terminplanung und Mitarbeiterführung
Sente Labs beschreibt Open Executive als konfigurierbaren digitalen Zwilling einer stark ausgelasteten Führungskraft. Das System unterstützt festgelegte Schwellenwerte für Ausgabenfreigaben und die Anbindung an unternehmensinterne Wissenssysteme. Alex Cohen, bei Sente Labs zuständig für Change Management und Transformation, beschrieb das System als vollständig autonom einsetzbar, fähig, Mitarbeitende anzuleiten sowie Vision und Ausrichtung des Unternehmens festzulegen. Cohen erklärte dazu:
„Es kann auch rein als Assistenz der Geschäftsführung agieren, Termine planen und einfache Anfragen beantworten.“
Alex Cohen, bei Sente Labs zuständig für Change Management und Transformation
Für die Einrichtung eines Unternehmensprofils müssen laut GitHub-Repository unter anderem Geschäftsmodell, Umsatz und strategische Prioritäten hinterlegt werden, optional lassen sich zusätzlich Finanzdokumente hochladen.
Nach Angaben der Entwickler verlassen das Profil im YAML-Format, hochgeladene Dokumente sowie die eingesetzte ChromaDB-Vektordatenbank nicht die lokale Maschine beziehungsweise das eigene Speichervolumen bei einer Cloud-Bereitstellung. Ausgenommen sind Inhalte, die als Teil von Prompts an die Anthropic-API übermittelt werden.
Keine Trennung zwischen einzelnen Nutzern
Rasa Jurgutytė, Sicherheitsforscherin bei Cybernews, weist darauf hin, dass das Projekt aktuell mit einem einzigen gemeinsamen Arbeitsbereich ohne Trennung der Daten einzelner Nutzer läuft. Dazu erklärte sie: „Das könnte bedeuten, dass beispielsweise fünf verschiedene Unternehmen, die dasselbe Tool nutzen, versehentlich gegenseitig auf ihre Daten zugreifen könnten, wodurch vertrauliche Unternehmensinformationen offengelegt würden.“ Ob dieser Fall tatsächlich eintreten kann, hänge nach ihrer Einschätzung davon ab, wie die Zugriffsberechtigung im Einzelfall umgesetzt ist. Cybernews hat Sente Labs um eine Stellungnahme gebeten; eine Antwort stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch aus.
Nach Daten des Hosting-Anbieters Hostinger setzen bereits 82 Prozent der Organisationen KI-Agenten ein, während lediglich 44 Prozent über Sicherheitsrichtlinien für deren Einsatz verfügen.
(red)