Kryptograf Adam Back

New York Times will Bitcoin-Erfinder enttarnt haben

Satoshi Nakamoto
Bildquelle: Istvan Csak /Shutterstock.com

Eine Investigativreportage der New York Times benennt den britischen Kryptografen Adam Back als Bitcoin-Erfinder. Doch es gibt Zweifel.

Pulitzer-Preisträger John Carreyrou verbrachte mehr als ein Jahr damit, jahrzehntealte Internetbeiträge, Gerichtsakten und E-Mail-Archive zu sichten. Sein Ergebnis: Back sei der stärkste Satoshi-Kandidat aller Zeiten. Der Bericht stützt sich auf eine Datenbank mit 134.308 Beiträgen aus Cypherpunk-Mailinglisten, vermeidet es aber, Back ausdrücklich als Erfinder zu bezeichnen. Cypherpunk ist eine Bewegung aus den späten 1980ern, die sich für den Einsatz von Kryptografie zur Stärkung von Privatsphäre und individueller Freiheit im digitalen Raum einsetzte. Die zugehörige Mailingliste war ein Forum für Ideen, aus denen später unter anderem Bitcoin entstand.

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Stilometrie als Kernbeweis

Die Analyse ist teils KI-gestützt. Carreyrou und KI-Projektredakteur Dylan Freedman stellten E-Mail-Archive aus drei Cypherpunk-Mailinglisten zusammen und unterzogen sie drei verschiedenen Schreibanalysen, jede davon ergab Back als stärkste Übereinstimmung mit Satoshi. Back replizierte jeden einzelnen der identifizierten Schreibmerkmale: doppelte Leerzeichen nach Punkten, britische Schreibweisen und spezifische Bindestrichfehler. Niemand sonst unter den Hunderten von Abonnenten der ausgewerteten Listen tat das.

Inhaltlich gibt es ebenfalls Überschneidungen. Back war auf der Cypherpunks-Mailingliste in den späten 1990ern aktiv und skizzierte dort Ideen für dezentrales elektronisches Geld, in einer Sprache, die Satoshi später fast wortgleich zur Beschreibung von Bitcoins Design verwendete. Back erfand 1997 zudem Hashcash, dessen Proof-of-Work-Algorithmus zum Fundament von Bitcoin wurde. Satoshi kontaktierte Back noch vor Veröffentlichung des Whitepapers, um sicherzustellen, dass Backs Arbeit korrekt zitiert wurde.

Hinzu kommt eine auffällige zeitliche Lücke: Back war über Jahre eine verlässliche Stimme in Cypherpunk-Diskussionen über elektronisches Geld und verstummte genau dann, als Bitcoin angekündigt wurde. Sein erster öffentlicher Kommentar zu Bitcoin kam sechs Wochen nachdem Satoshi endgültig verschwand.

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Back: “Ich bin es wirklich nicht”

Back bestreitet die Vorwürfe klar. “Letztlich beweist das gar nichts. Und ich kann euch versichern: Ich bin es wirklich nicht”, sagte er gegenüber der Times. Auf X schrieb er, seine jahrzehntelange Arbeit an Kryptografie und elektronischem Geld ab etwa 1992 erklƤre, warum Rechercheure immer wieder Verbindungen zu Bitcoin fƤnden. “Der Rest ist eine Kombination aus Zufall und Ƥhnlichen Phrasen von Menschen mit Ƥhnlicher Erfahrung.” Blockstream erklƤrte, der Artikel basiere auf umstandsbedingter Interpretation ausgewƤhlter Details und Spekulation, nicht auf eindeutigem kryptografischem Beweis.

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Nicht der erste Versuch

Die Jagd nach Satoshis Identität hat eine lange Geschichte. 2024 behauptete eine viel beachtete HBO-Dokumentation, den Bitcoin-Entwickler Peter Todd als Satoshi identifiziert zu haben. Todd bestritt dies ebenfalls. Die NYT-Recherche ist damit nur der jüngste Versuch in einer Reihe gescheiterter Enttarnungen.

Die Reaktionen aus der Branche fielen überwiegend kritisch aus. Bitcoin-Entwickler Jameson Lopp schrieb: “Satoshi Nakamoto kann nicht mit Stilometrie gefasst werden. Schande über euch, dass ihr mit so schwachen Belegen ein riesiges Ziel auf Adams Rücken malt.” Frühzeitiger Bitcoin-Nutzer Nicholas Gregory warnte zudem, dass die ƶffentliche Identifizierung Satoshis die betreffende Person und ihre Familie in echte Gefahr bringen kƶnnte.

Lars

Becker

Stellvertretender Chefredakteur

IT Verlag GmbH

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