Firmen, die ihre gesamte KI-Nutzung an einen einzigen Anbieter koppeln, verlieren nach Ansicht von Microsoft-Chef Satya Nadella die Kontrolle über das eigene Geschäft.
In einem Gespräch mit Fareed Zakaria von CNN bekräftigte Nadella seine Kritik an Unternehmen, die ihren gesamten KI-Betrieb auf einen einzelnen Anbieter stützen. Firmen, die keine Vorkehrungen dagegen träfen, hätten ihr Denken ausgelagert und würden auf Dauer nicht bestehen, lautet seine Zuspitzung. Angesprochen fühlen dürfen sich vor allem größere Kunden, die Modelle inzwischen quer durch ihre Prozesse einsetzen.
Konkret nennt Nadella mehrere Ansatzpunkte. Zunächst sollten Unternehmen die Begleitdaten ihrer eigenen KI-Nutzung im Haus behalten, statt sie beim Anbieter liegenzulassen. Der Nutzen liegt aus seiner Sicht in der Zukunft, denn aus solchen Beständen lassen sich später eigene Modellgewichte oder ein eigenes offenes Modell trainieren. Ergänzend bringt er eine Zwischenschicht ins Spiel, sogenannte KI-Gateways, die Prompts vom Modell entkoppeln, sodass nicht jede Anfrage unmittelbar beim Anbieter landet.
Jedes Unternehmen, das diese Kontrolle nicht hat, wird meiner Meinung nach nicht lange bestehen bleiben, denn damit hat man im Grunde sein eigenes Denken ausgelagert.
Microsoft-CEO Satya Nadella
Deutlich wird er bei den Coding-Umgebungen der Labore, den Harnesses, wie sie Claude Code oder Codex darstellen. Diese Werkzeuge sind an ein bestimmtes Modell gebunden, und genau das hält Nadella für einen Fehler. Werkzeug, Kontext und Gedächtnis sollten technisch vom Modell getrennt bleiben. Dann könne für jede Aufgabe das jeweils passende Modell zum Einsatz kommen, und der Wegfall eines Anbieters bringe den Betrieb nicht zum Stillstand.
Microsofts doppelte Rolle
Aus neutraler Position spricht Nadella dabei nicht. Microsoft ist an OpenAI und Anthropic beteiligt, deren Coding-Agenten zu den umsatzstärksten KI-Produkten überhaupt zählen. Zugleich bietet die eigene Cloud-Sparte jene anbieterunabhängige Infrastruktur an, für die der Konzernchef hier wirbt.
Er spricht dennoch einen wunden Punkt an. Der Kostendruck treibt viele Unternehmen ohnehin dazu, mehrere Modelle parallel zu betreiben und um offene Varianten auf eigener Hardware zu ergänzen, was wiederum Verwaltungswerkzeuge und anbieterneutrale Agenten erfordert. Nadella verweist zusätzlich auf ein strategisches Risiko: Ein Anbieter, der aus der laufenden Nutzung genau erkennt, wie ein Kunde arbeitet, kann dieses Wissen irgendwann in ein konkurrierendes Produkt übersetzen. Je weiter Agenten in interne Abläufe hineinreichen, desto größer wird dieser Hebel.
Für Privatnutzer zieht Nadella diese Konsequenz allerdings nicht. Gefragt, wie sich Einzelne schützen könnten, verwies er auf den üblichen Tausch: kostenloser Dienst gegen Daten, wie ihn die Werbewirtschaft seit Jahrzehnten praktiziert.
Als Zwischenschicht bringt er zudem sogenannte KI-Gateways ins Spiel, die Prompts vom Modell entkoppeln.
(red)