Tagelang war spekuliert worden, Microsoft werde auf der Build 2026 endlich Windows 12 vorstellen. Daraus wird nichts. Statt eines neuen Betriebssystems steht ein Hardware-Wechsel im Mittelpunkt.
Microsoft hat Gerüchten um Windows 12 eine klare Absage erteilt. Pavan Davuluri, der bei Microsoft für Windows und Surface zuständig ist, stellte kurz vor der Build 2026 klar, dass kein neues Betriebssystem geplant ist. Was er stattdessen andeutete, sorgte dennoch für Aufsehen. Nvidia, Arm und Mediatek posteten nahezu gleichzeitig mit dem Windows-Account den Slogan „A new era of PC“. Die mitgelieferten Koordinaten verweisen auf das Taipei Music Center, wo Nvidia-Chef Jensen Huang am 2. Juni seine Computex-Keynote hält.
Ein ARM-Chip mit Desktop-GPU-Leistung
Im Mittelpunkt steht ein neues SoC (System on a Chip) namens N1X, das Nvidia gemeinsam mit Mediatek entwickelt. Laut geleakten Spezifikationen von Videocardz soll der Chip 20 CPU-Kerne mitbringen sowie eine auf der Blackwell-Architektur basierende GPU mit 6144 CUDA-Kernen, deren Leistung einer Desktop-RTX-5070 entsprechen soll. Gefertigt wird er im 3-nm-Prozess von TSMC. Als Einführungsgeräte sind offenbar ein neues Surface sowie ein Dell XPS 13 geplant, wie Leaks von Axios und Videocardz nahelegen.
Warum der Chip, warum jetzt
Der N1X zielt nicht auf Gaming, sondern auf KI-Berechnungen, die direkt auf dem Gerät laufen, statt wie bisher auf Cloud-Servern. Analyst Ming-Chi Kuo rechnet mit rund zehn Millionen Geräten in zwei Jahren und ordnet die Plattform als Nischenprodukt für Power-User ein, die auf lokale Modellausführung angewiesen sind.
Dazu passt ein weiteres Gerücht: Laut Fortune arbeitet Microsoft an einer KI-App, die den bisherigen Copilot ersetzen soll, inklusive eines autonomen Hintergrund-Agenten namens Scout. Dieser soll dauerhaft laufen und Aufgaben wie das Sortieren von E-Mails selbstständig erledigen. Für solche Szenarien braucht es lokale Rechenleistung, weil das ständige Senden sensibler Daten in die Cloud ein Datenschutzproblem wäre. Zeigen will Microsoft die App laut Fortune aber erst zum Sommerende.
Windows 11 wird derweil aufgeräumt
Bis dahin investiert Microsoft in die Grundlage. Windows 11 wird schrittweise auf das native UI-Framework WinUI 3 umgestellt, was unter anderem das Startmenü und den Datei-Explorer betrifft. Mit dem optionalen Mai-Update KB5089573 hat Microsoft außerdem ein neues Hardware-Scheduling eingeführt, das die Systemreaktionszeit verbessern soll. Gleichzeitig wird die Copilot-Integration in einzelnen Anwendungen wie Notepad zurückgefahren.
Windows 12 bleibt also vorerst aus. Was Microsoft stattdessen plant, ist eine Kombination aus neuer ARM-Hardware, lokaler KI und einem polierten Windows 11 als Fundament.