Mehrheit der Deutschen wollen sich digital ausweisen

Eine elektronische Brieftasche für Personalausweis, Führerschein und Gesundheitskarte: Die Mehrheit der Deutschen würde gerne aufs klassische Portemonnaie verzichten und wichtige persönliche Dokumente wie Ausweise lieber digital dabei haben.

Sechs von zehn Bundesbürgerinnen und  bürgern (60 Prozent) können sich vorstellen, dazu eine so genannte Digital Identity Wallet auf ihr Smartphone zu laden. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von mehr als 1.000 Personen in Deutschland ab 16 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Eine Digital Identity Wallet ist eine virtuelle Brieftasche, in der die Identitätsnachweise und -karten digital gespeichert und abrufbar sind. „Die meisten Menschen in Deutschland haben genug von Papierkram und Zettelwirtschaft. Von heute auf morgen nutzten in der Corona-Pandemie rund zwei Drittel der Deutschen digitale Impfzertifikate und Apps zur Kontaktnachverfolgung. Das beweist, wie schnell sich digitale Anwendungen durchsetzen können, wenn es einfach geht und der unmittelbare Nutzen groß ist. Anderswo ist man schon deutlich weiter. Länder wie Dänemark machen uns vor, wie sich Bürgerinnen und Bürger einfach, sicher und vertrauensvoll gegenüber Behörden, in der Arztpraxis oder bei anderen Stellen digital identifizieren können.“

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Bedenken wegen Sicherheit und Datenschutz

Auch wenn das Interesse groß ist – ein gutes Drittel (35 Prozent) steht der ID-Wallet skeptisch gegenüber. Dabei geht es vor allem um Aspekte des Vertrauens und der Sicherheit. 63 Prozent derjenigen, die die Wallet nicht nutzen wollen, sind besorgt, dass Dritte ihre Daten missbrauchen. 57 Prozent haben Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und 53 Prozent machen sich Sorgen um den Datenschutz der Anwendung. Berg: „Die Sensibilität für IT-Sicherheit und Datenschutz ist in Deutschland bekanntermaßen besonders hoch. Was die Menschen wissen sollten: Eine Digital Identity Wallet ist viel sicherer als eine herkömmliche Brieftasche, die man an jeder Straßenecke verlieren kann. Dagegen verschlüsselt und schützt die ID-Wallet sensible persönliche Daten und teilt diese nur autorisiert mit befugten Stellen.“

Weitere Vorbehalte gegen die Digital Identity Wallet drehen sich um die Sorge, an der praktischen Anwendung zu scheitern. 30 Prozent derjenigen, die eine ID-Wallet nicht nutzen wollen, haben Angst, etwas falsch zu machen. 24 Prozent besitzen nach eigener Einschätzung kein geeignetes Gerät, etwa ein technisch recht aktuelles Smartphone. 20 Prozent kennen sich ihrer Ansicht nach zu wenig mit digitalen Dingen aus. „In Dänemark nutzen 90 Prozent der Bevölkerung beinahe täglich die digitale ID – und das funktioniert. Die weit verbreitete Angst vor der Technik ist unbegründet“, sagt Berg. Ein Fünftel derjenigen, die eine digitale Brieftasche nicht nutzen wollen (21 Prozent), begründet das mit der Erwartung, dass sie in der Praxis nicht wirklich funktioniert. Berg: „In Deutschland wurde in den vergangenen Jahren viel Vertrauen verspielt, etwa bei der verunglückten Einführung des digitalen Führerscheins im vergangenen Jahr. Und auch bei der digitalen Ausweisfunktion im Personalausweis fehlte es anfangs an Begleitkommunikation und Benutzerfreundlichkeit, in den Behörden gab es keine flächendeckenden Schulungen und noch dazu musste die Funktion kompliziert freigeschaltet werden – ein Lehrbeispiel, wie man es nicht machen sollte. Digitale Identitäten müssen so sicher und einfach anzuwenden sein wie digital hinterlegte Kredit- und Kundenkarten, die viele schon heute über ihre Smartphone-Wallets nutzen“, sagt Berg.

www.bitkom.org

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