Der Elektronikhersteller LG hält aktuelle Berichte über heimliche Audioaufnahmen seiner Smart-TVs für irreführend.
Diese Woche hatten Sicherheitsforscher sowie die Kanäle Gamers Nexus und Level1Techs Untersuchungen veröffentlicht, laut denen LG-Fernseher Nutzerdaten protokollieren und an den Hersteller übertragen. LG hat darauf reagiert und spricht in einer Stellungnahme davon, dass die Berichterstattung zu Missverständnissen geführt habe.
Sprachverarbeitung nur bei aktiver Nutzung
Laut LG zeichnen die Geräte Gespräche der Nutzer nicht dauerhaft auf und übertragen sie auch nicht. Eine Umwandlung von Sprache in Text soll erst erfolgen, wenn ein Nutzer die Sprachfunktion gezielt aktiviert, etwa über ein Wake Word oder eine Taste auf der Fernbedienung. Die Erkennung des Wake Words selbst finde vollständig auf dem Gerät statt. Werde kein Aktivierungswort erkannt, sollen die entsprechenden Audiodaten weder gespeichert noch weiterverarbeitet oder übertragen werden.
Protokolle und Ergebnisse der Spracherkennung entstünden nach Angaben von LG ausschließlich im Rahmen konkreter Sprachbefehle. Sie seien kein Hinweis auf eine fortlaufende Aufzeichnung von Umgebungsgesprächen außerhalb einer solchen Sitzung.
LG Smart-TVs zeichnen die Gespräche der Nutzer nicht kontinuierlich auf und übertragen sie auch nicht fortlaufend. Die Sprache-zu-Text-Verarbeitung beginnt erst, wenn ein Nutzer eine Sprachinteraktion über eine unterstützte Weckwort-Funktion aktiviert oder die Sprach- (bzw. KI-)Taste auf der Fernbedienung drückt.
Audio, das zur Erkennung des Weckworts verwendet wird, wird lokal auf dem Fernseher verarbeitet; wird kein Weckwort erkannt, wird das Audio weder in Text umgewandelt noch gespeichert oder übertragen. Bei der Verarbeitung eines Sprachbefehls können Spracherkennungsergebnisse und zugehörige technische Protokolle erzeugt werden.
Diese Aufzeichnungen sind bestimmten Sprachinteraktionen zugeordnet und stellen keinen Hinweis auf eine kontinuierliche Aufzeichnung von Gesprächen außerhalb einer aktiven Spracherkennungssitzung dar.
LG in einer Mitteilung
Hier setzt allerdings die Kritik an, denn die Formulierung „dauerhaft“ lässt viel Spielraum offen. Gamers Nexus hatte in einem Video gezeigt, dass ein LG-Fernseher offenbar auch längere Zeit nach dem Ende einer Sprachinteraktion noch umfangreiche Protokolle über Umgebungsgeräusche führte. Das passt nur schwer zur Darstellung des Herstellers.
ACR laut Hersteller ohne Audioaufzeichnung
LG äußert sich auch zur automatischen Inhaltserkennung (Automatic Content Recognition, kurz ACR). Diese Funktion sei ebenso wie Spracherkennung und interessenbasierte Werbung optional und werde standardmäßig nicht aktiviert. Für ACR komme akustisches Fingerprinting über den internen Audioprozessor des Fernsehers zum Einsatz, nicht über ein Mikrofon. Dabei sollen weder Screenshots noch Bildschirm- oder Videoaufnahmen noch Sprach- oder andere Audioaufnahmen entstehen.
Zentrale Fragen bleiben offen
Zu einigen wichtigen Punkten schweigt sich LG in der Stellungnahme aus. Wie umfangreich die insgesamt gesammelten Daten tatsächlich sind, an welche Dritten sie weitergegeben werden, welches Missbrauchspotenzial die Funktionen für Angreifer bergen und wie verständlich die Datenschutzeinstellungen für Nutzer im Alltag wirklich sind, bleibt unbeantwortet.
(red)