Selbstbewusst, durchsetzungsstark und präsent – Eigenschaften wie diese gelten in vielen Unternehmen weiterhin als klassische Erfolgsfaktoren für Führungskräfte.
Doch genau hier entsteht offenbar ein Problem. Eine aktuelle Untersuchung von Hogan Assessments zeigt, dass Mitarbeitende oft ganz andere Erwartungen an gute Führung haben als jene Eigenschaften, die intern belohnt werden.
Für die Studie wurden Persönlichkeitsdaten von mehr als 21.000 Führungskräften sowie Einschätzungen von knapp 10.000 Beschäftigten aus 25 Ländern ausgewertet.
Mitarbeitende wünschen sich Vertrauen statt Selbstdarstellung
Während viele Führungskräfte laut Studie vor allem durch Selbstsicherheit, Wettbewerbsdenken und starke Präsenz auffallen, legen Beschäftigte deutlich mehr Wert auf Verlässlichkeit und Kommunikation. Besonders wichtig sind ihnen Integrität, Verantwortungsbewusstsein sowie nachvollziehbare Entscheidungen.
Allison Howell, CEO von Hogan Assessments, sieht darin ein grundlegendes Missverhältnis. Unternehmen würden häufig Personen fördern, die sich gut präsentieren können, während Mitarbeitende eher Führungskräfte bevorzugen, denen sie vertrauen und die ihre Teams aktiv unterstützen.
Selbstvertrauen kann schnell negativ wirken
Die Untersuchung macht deutlich, dass manche Eigenschaften zwar den beruflichen Aufstieg fördern, im Arbeitsalltag jedoch problematisch sein können. Besonders deutlich zeigt sich das beim Thema Selbstbewusstsein. Laut Studie empfinden 59 Prozent der Beschäftigten Arroganz oder Überlegenheitsverhalten als schädlich für gute Führung.
Auch emotionale Unberechenbarkeit sorgt für Kritik. Mehr als sieben von zehn Befragten gaben an, dass unvorhersehbares Verhalten die Führungsqualität deutlich beeinträchtigt. Zusätzlich nannten viele passive Aggressivität sowie mangelnde Entscheidungsfreude als belastend für Teams und Arbeitsklima.
Unternehmen müssen Führung neu bewerten
Die Ergebnisse deuten laut Hogan darauf hin, dass sich die Erwartungen an moderne Führung verändern. Mitarbeitende wünschen sich vor allem Transparenz, klare Kommunikation und nachvollziehbares Handeln. Gleichzeitig orientieren sich viele Unternehmen bei Beförderungen offenbar noch immer stark an Auftreten und Dominanz.
Die Studie warnt deshalb davor, Führungskompetenz mit bloßer Sichtbarkeit oder Selbstinszenierung gleichzusetzen. Entscheidend für langfristigen Erfolg seien vielmehr stabile Teams, Vertrauen und eine verlässliche Unternehmenskultur.
Allison Howell betont, dass Organisationen ihre Auswahl- und Entwicklungsprozesse für Führungskräfte stärker an den tatsächlichen Erwartungen der Mitarbeitenden ausrichten sollten. Eigenschaften wie Verantwortungsbewusstsein und gesundes Urteilsvermögen seien keine Nebensache, sondern zentrale Voraussetzungen für leistungsfähige Teams.