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KI-Rechenzentrum zapft heimlich Millionen Gallonen Wasser ab

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In Fayette County verbrauchte ein Rechenzentrum unbemerkt 29 Millionen Gallonen Wasser, während Bürger zum Sparen aufgerufen wurden.

Während die Behörden in Fayette County, Georgia, ihre Bürger im Rahmen einer schweren Dürreperiode dazu aufforderten, das Bewässern von Rasenflächen einzustellen, zapfte ein KI-Rechenzentrum im großen Stil Wasserreserven ab. Wie aus Berichten und öffentlichen Dokumenten hervorgeht, verbrauchte der Campus des Entwicklers Quality Technology Services (QTS) über einen Zeitraum von bis zu 15 Monaten insgesamt 29 Millionen Gallonen (ca. 110 Millionen Liter) Wasser über zwei nicht genehmigte und ungemessene Anschlüsse. Der Vorfall wurde erst bekannt, nachdem Anwohner über hohen Druckabfall in ihren Leitungen klagten. Trotz des unbefugten Verbrauchs verzichten die zuständigen Behörden auf Strafzahlungen und begründen dies mit der wirtschaftlichen Bedeutung des Unternehmens.

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Ursachenforschung durch niedrigen Wasserdruck

Der Fall kam ins Rollen, als Anwohner einer nahegelegenen Siedlung wiederholt einen ungewöhnlich niedrigen Wasserdruck meldeten. Zur selben Zeit befand sich der Bundesstaat Georgia bereits in einer Phase moderater bis schwerer Dürre, was Gouverneur Brian Kemp dazu veranlasst hatte, aufgrund drohender Waldbrände den Notstand auszurufen. Die Wasserbehörde von Fayette County untersuchte die Beschwerden und stieß dabei auf den Campus des Rechenzentrums, der etwa 20 Meilen südlich von Atlanta liegt.

Die Ermittlungen ergaben, dass das Projekt über zwei Wasseranschlüsse verfügte, von denen die Kreisverwaltung keine Kenntnis hatte. Über diese Leitungen wurde Wasser entnommen, ohne dass ein Zähler die Mengen erfasste. Während die Wasserbehörde die Dauer des ungemessenen Verbrauchs auf etwa vier Monate schätzt, gab der Betreiber QTS in Stellungnahmen an, dass der Zeitraum zwischen 9 und 15 Monaten gelegen habe.

Technische Dimensionen von „Project Excalibur“

Bei dem betroffenen Standort handelt es sich um das sogenannte „Project Excalibur“, eine der größten Rechenzentrums-Entwicklungen in den Vereinigten Staaten. Der Campus erstreckt sich über eine Fläche von rund 615 Morgen (ca. 249 Hektar) und umfasst derzeit 13 Gebäude mit einer Gesamtfläche von 6,2 Millionen Quadratfuß (ca. 576.000 Quadratmeter). Nach der vollständigen Fertigstellung, die in drei bis fünf Jahren erwartet wird, soll der Komplex bis zu 16 Gebäude umfassen.

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Das zum Investmentriesen Blackstone gehörende Unternehmen QTS gab an, dass die 29 Millionen Gallonen Wasser ausschließlich für temporäre Bauaktivitäten verwendet wurden. Dazu gehörten Betonarbeiten, die Staubbekämpfung auf der Baustelle sowie die allgemeine Standortvorbereitung. Für den späteren operativen Betrieb der Serveranlagen vermarktet QTS ein „Closed-Loop“-Kühlsystem. Dieses System soll das Wasser rezirkulieren, anstatt kontinuierlich Frischwasser aus der kommunalen Versorgung zu beziehen. Laut QTS werde nach der Fertigstellung Wasser lediglich für sanitäre Einrichtungen und Küchen benötigt.

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Behördenfehler und personelle Engpässe

Dass der Verbrauch über Monate unentdeckt blieb, führt die Direktorin des Wassersystems von Fayette County, Vanessa Tigert, auf einen Verfahrensfehler zurück. Der Vorfall ereignete sich während der Umstellung des Landkreises auf ein cloudbasiertes Messsystem. In diesem Übergangszeitraum seien die illegalen Anschlüsse nicht in das System eingepflegt worden.

Ein weiterer entscheidender Faktor sei der eklatante Personalmangel in der Behörde. Tigert erklärte, dass ihre Abteilung derzeit nur einen einzigen Mitarbeiter für die Durchführung von Inspektionen und die Prüfung von Bauplänen zur Verfügung habe. Man könne schlicht nicht genug Personal halten, um eine lückenlose Überwachung solch gigantischer Bauprojekte zu gewährleisten.

Wirtschaftliche Interessen vor regulatorischer Strenge

Obwohl QTS für den ungemessenen Verbrauch eine Nachzahlung von 147.474 US-Dollar leisten musste, verzichtete der Landkreis auf die Erhebung von Bußgeldern oder Strafen wegen der unbefugten Anschlüsse. Diese Entscheidung sorgt lokal für Kritik, wird von der Behördenleitung jedoch strategisch begründet. Vanessa Tigert betonte, dass QTS der größte Kunde des Wassersystems sei und man „Partner sein müsse“. Die Entscheidung gegen eine Strafe bezeichnete sie als Form des „Kundenservice“.

Hinter dieser Haltung stehen finanzielle Erwartungen. Die Stadt Fayetteville geht davon aus, dass der QTS-Campus nach seiner Fertigstellung jährlich zwischen 150 und 200 Millionen US-Dollar an Grundsteuer-Einnahmen generieren wird. Das Projektvolumen beläuft sich auf insgesamt rund eine Milliarde US-Dollar.

Zunehmender Widerstand gegen Datenzentren in den USA

Der Vorfall in Fayette County reiht sich ein in eine landesweite Debatte über den Ressourcenverbrauch durch KI-Infrastrukturen. Fayetteville hat bereits reagiert und Anfang 2026 die Verordnung 26-0-12 verabschiedet, die den Bau neuer Rechenzentren in allen Industriegebieten untersagt. Damit ist Fayetteville eine von mindestens 50 Städten in den USA, die aktive Moratorien oder dauerhafte Verbote gegen die Ansiedlung weiterer Datenzentren erlassen haben.

Auch auf staatlicher Ebene wurden Maßnahmen ergriffen. Die Public Service Commission von Georgia hat die Basistarife des Energieversorgers Georgia Power bis 2028 eingefroren. Damit soll verhindert werden, dass die hohen Stromkosten für den Ausbau der Rechenzentrums-Infrastruktur auf die privaten Haushalte umgelegt werden. Der Fall QTS verdeutlicht die wachsende Spannung zwischen dem wirtschaftlich lukrativen KI-Boom und dem Schutz lokaler Ressourcen wie Wasser und Energie in Zeiten des Klimawandels.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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