KI macht Betrug persönlicher

60.000 gefälschte Jobanzeigen bei LinkedIn aufgespürt

Social Media, LinkedIn
Bildquelle: IB Photography/Shutterstock.com

Ein US-Amerikaner hat in zwei Jahren rund 60.000 gefälschte Stellenanzeigen und 7.000 verdächtige Profile auf LinkedIn aufgespürt.

Jay Jones aus der Region Chicago, der unter dem Namen „The Profiler“ auftritt, jagt seit fast zwei Jahren gefälschte Stellenanzeigen, betrügerische Recruiter-Profile und gekaperte LinkedIn-Konten. Seit er Ende 2023 seine Stelle im Werbebereich verlor, hat er nach eigenen Angaben zur Entfernung von fast 60.000 gefälschten Stellenanzeigen aus dem Internet beigetragen, größtenteils von LinkedIn, sowie rund 7.000 Profile gemeldet, die er für Jobbetrug hält.

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Der Betrug beschränkt sich laut Jones nicht auf offensichtlich gefälschte Konten. Manche Betrüger legen mit kopierten Profilbildern und ähnlichen Angaben ganze Serien von Recruiter-Profilen an. Andere übernehmen inaktive, bereits verifizierte LinkedIn-Konten und verknüpfen sie mit echten Unternehmen. Wieder andere schalten Stellenanzeigen auf legitimen Unternehmensseiten, die Bewerber jedoch auf externe Webseiten oder E-Mail-Adressen umleiten.

KI macht Betrugsmaschen persönlicher

Die Vorgehensweise wird nach Jones‘ Beobachtung zunehmend ausgefeilter. Betrüger würden zunehmend künstliche Intelligenz nutzen, um Jobangebote gezielt auf den Lebenslauf und die Karrierehistorie einzelner Bewerber zuzuschneiden. Ein vermeintlicher Recruiter könne einem Bewerber etwa mitteilen, sein Lebenslauf müsse überarbeitet werden, und gegen eine Gebühr entsprechende Hilfe anbieten. Andere Betrugsmaschen zielten auf noch wertvollere Informationen wie Führerschein- oder Sozialversicherungsnummern ab.

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Wenn Betrüger sich als Mitarbeiter ausgeben

Jones stieß zuletzt auf mehrere Konten unter dem Namen Linda Anthony, die dasselbe Profilbild verwendeten, kürzlich erstellt worden waren und ähnliche Positionen bei einer Firma namens „Confidential Jobs“ auswiesen. Auch die Profil-URLs folgten nach seiner Beobachtung demselben Muster, was auf eine massenhafte Erstellung hindeutet. Nachdem er die Konten öffentlich gemacht hatte, wurden die entsprechenden Links deaktiviert. Ein anderer von Jones dokumentierter Fall betraf gekaperte, bereits verifizierte LinkedIn-Konten: Nutzer verifizieren ihre Identität auf der Plattform, erhalten dadurch ein Verifizierungsabzeichen und nutzen ihr Profil danach nicht mehr weiter.

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Betrüger können solche Konten übernehmen, die Berufserfahrung ändern und den Kontoinhaber als Recruiter eines echten Unternehmens ausweisen, wodurch ein verifiziertes Profil mit einer scheinbar echten Unternehmenszugehörigkeit entsteht. Jones fand mehrere solcher Konten, die als Mitarbeiter der Recruiting-Firma Argenta Talent Acquisition aus Colorado geführt wurden, eines davon gehörte tatsächlich einem Zahnarzt aus Chile. Argenta-Geschäftsführerin Kelley Barcus erklärte, die gefälschten Profile stellten eine direkte Bedrohung für ihr Unternehmen dar: „Es ist meine Marke, es ist mein Ruf.“

Verzögerung bei der Entfernung von Angaben

Barcus beauftragte Jones damit, die betreffenden Konten von der LinkedIn-Seite ihres Unternehmens trennen zu lassen. LinkedIn nahm die Meldungen zwar an, doch die betroffenen Konten hatten laut LinkedIn 14 Tage Zeit, ihre Angaben zu aktualisieren oder Widerspruch einzulegen, bevor die Unternehmenszugehörigkeit entfernt werden konnte. LinkedIn erklärte, dieser Prozess diene dazu, ungenaue Beschäftigungsangaben korrigieren zu können. Jones kritisierte, diese Verzögerung gebe Betrügern mehr Zeit, Jobsuchende zu erreichen: „Betrüger verdienen keine Fairness. Das ist wirtschaftlicher Terrorismus.“

Betrug auch auf Unternehmensseiten selbst

Jones untersucht zudem verifizierte Unternehmensseiten selbst auf betrügerische Inhalte. Auf der verifizierten LinkedIn-Seite von Hyundai Motor fand er nach eigenen Angaben rund 30 Stellenanzeigen, unter anderem für Positionen wie Dateneingabe-Spezialist und Kundenservice-Mitarbeiter, die fehlerhaft formuliert waren und auf eine nicht mit Hyundai verbundene externe Webseite verwiesen; Bewerber wurden aufgefordert, ihren Lebenslauf an eine externe E-Mail-Adresse zu senden. Einen ähnlichen Fall fand er bei Capital One, wo Stellenanzeigen für Assistenzpositionen ebenfalls auf eine nicht angebundene externe Webseite führten. Sowohl Hyundai als auch Capital One erklärten, mit LinkedIn zusammenzuarbeiten, um betrügerische Stellenanzeigen entfernen zu lassen.

Reaktion von LinkedIn

LinkedIn erklärte, seine automatisierten Systeme würden den Großteil betrügerischer Aktivität stoppen, bevor Nutzer sie überhaupt zu sehen bekommen. In der zweiten Jahreshälfte 2025 habe das Unternehmen nach eigenen Angaben fast 90 Millionen gefälschte Konten blockiert, bevor sie aktiv geschaltet wurden. Zudem habe LinkedIn neue Sicherheitsfunktionen eingeführt und im Sommer mit dem FBI zusammengearbeitet, um Jobsuchende über Betrugsmaschen aufzuklären.

Oscar Rodriguez, Vice President of Trust Product bei LinkedIn, räumte ein, dass sich Betrüger schnell an neue Schutzmaßnahmen anpassten und eine Identitätsverifizierung allein nicht garantiere, dass ein Profil oder eine Stellenanzeige tatsächlich legitim sei. Noch im September will das Unternehmen ein neues Werkzeug einführen, mit dem verifizierte Arbeitgeber die Zugehörigkeit von Nutzern zu ihrem Unternehmen künftig sofort entfernen können. Jones selbst brachte die Problematik auf den Punkt: „Man macht das Licht an, und die Kakerlaken rennen weg.“

Ein Vollzeit-Engagement neben Uber und Vorträgen

Für Jones ist die Arbeit inzwischen mehr als ein Nebenprojekt geworden. Er sucht weiterhin selbst eine feste Anstellung, fährt nebenbei für Uber und schult Sicherheitsfachleute im Erkennen von Betrugsmaschen. Zudem sucht er nach bezahlten Vortragsmöglichkeiten, sammelt online Spenden und verkauft Kleidung mit Anti-Betrugs-Slogans. Die Betrugsfälle treffen dabei auf eine ohnehin schwierige Lage am Arbeitsmarkt: Im August waren 27 Prozent der arbeitslosen Amerikaner bereits länger als sechs Monate auf Jobsuche, ein Wert nahe dem höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt außerhalb der Pandemiezeit.

(red)

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