KI-Agenten bedrohen SaaS-Milliarden

„Saaspocalypse“: Gartner warnt vor Agentic Arbitrage

SaaS

Gartner rechnet damit, dass klassische SaaS-Lizenzmodelle durch autonome KI-Agenten massiv unter Druck geraten.

Bis 2030 seien weltweit bis zu 234 Milliarden US-Dollar an Ausgaben für Unternehmenssoftware gefährdet, umgerechnet etwa ein Fünftel des gesamten SaaS-Marktes für Business-Anwendungen.

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Verantwortlich dafür ist ein Phänomen, das Gartner „Agentic Arbitrage“ nennt. KI-Agenten erledigen Aufgaben eigenständig über mehrere Systeme hinweg und ersetzen damit die klassische Interaktion von Mitarbeitern mit einzelnen Software-Oberflächen. Wo bisher ein Nutzer sich durch verschiedene Dashboards, Formulare und Menüs klicken musste, übernimmt künftig ein Agent den kompletten Workflow im Hintergrund.

Software wird unsichtbar

Für Anbieter von Business-Software hat das unmittelbare Folgen für das Geschäftsmodell. „KI-Agenten verändern die Ökonomie von Software“, sagt George Brocklehurst, Managing Vice President bei Gartner. KI-Agenten lieferten Ergebnisse direkt und würden dabei aufwendig gestaltete Benutzeroberflächen umgehen, so Brocklehurst weiter, Software werde dadurch im wahrsten Sinne unsichtbar.

Das trifft besonders klassische SaaS-Anbieter, deren Umsatz meist an der Zahl zahlender Nutzer hängt, dem sogenannten Seat-Licensing. Wenn aber ein einzelner Agent die Arbeit vieler menschlicher Nutzer übernimmt, sinkt die Zahl der benötigten Lizenzen entsprechend. Gartner bezeichnet diese Marktverschiebung als Fortsetzung der bereits kursierenden „Saaspocalypse“, allerdings nicht als Ende des SaaS-Marktes, sondern als dessen Umbau.

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Kunden wollen Ergebnisse, keine neuen Features

Laut Gartner verschiebt sich auch die Erwartungshaltung der Einkäufer in Unternehmen. „Unternehmen werden es zunehmend vermeiden, weitere neue Tools oder Dashboards zu kaufen“, so Brocklehurst. Statt zusätzlicher Tools, Dashboards oder KI-Funktionen in bestehender Software wird zunehmend nach messbaren Ergebnissen gefragt. Neue KI-Features allein würden häufig nur die Kosten erhöhen, ohne den tatsächlichen Nutzen zu steigern, so Brocklehurst.

Entscheidend sei stattdessen, ob ein System über längere Zeit hinweg Kontext und Wissen über Kunden und Prozesse aufbauen und nutzen kann, etwas, das aktuell oft nur mit hohem Aufwand an Beratungsleistung möglich ist.

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Chance für neue Anbieter, Risiko für Platzhirsche

Für etablierte Softwarehersteller bedeutet das laut Gartner: Wer weiterhin auf klassische Oberflächen und sitzbasierte Lizenzmodelle setzt, riskiert Marktanteile zu verlieren. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten Anbieter von reiner Oberflächen-orientierter Wertschöpfung zu ergebnisbasierten Angeboten wechseln, agentenfähige Funktionen direkt in ihre Produkte integrieren und vor allem kundenspezifisches Wissen speichern, nicht nur Rohdaten.

Gleichzeitig eröffnet der Umbruch nach Gartner-Einschätzung neue Geschäftsfelder: KI-native Start-ups und Dienstleister könnten sich als eine Art Orchestrierungs-Schicht über bestehende Unternehmenssysteme legen und dort ansetzen, wo Agenten mehrere Anwendungen miteinander verknüpfen müssen. Wer Unternehmen dabei hilft, ihre Arbeitsabläufe komplett um KI-Agenten herum neu zu gestalten, könne nicht nur bestehende Software-Budgets für sich gewinnen, sondern auch von zusätzlichen Einsparungen profitieren, die durch den Effizienzgewinn entstehen.

(red)

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