Der Freistaat Bayern hatte einen Vertrag über fast eine Milliarde Euro geplant. Nun zieht die Staatsregierung die Reißleine und will die Verwaltungs-IT künftig auf Open-Source-Basis betreiben.
Das Bayerische Digitalministerium hat den geplanten Großauftrag an Microsoft nun ganz offiziell gekippt. Der Rahmenvertrag hätte die Produktivitätssuite Microsoft 365 des US-Konzerns für fünf Jahre in der gesamten Landesverwaltung verankert und nach Medienberichten knapp eine Milliarde Euro gekostet.
Interner Streit als Wegbereiter
Vorausgegangen war ein längerer Dissens zwischen zwei Ressorts: Finanzminister Albert Füracker wollte bestehende Verträge bündeln und günstigere Konditionen beim Anbieter aushandeln. Digitalminister Fabian Mehring bestand dagegen auf einem grundsätzlichen Kurswechsel in Richtung offener Software.
Mehring setzte sich durch. Er begründete die Entscheidung damit, dass Bayern mit freier Software unabhängiger von Preisdiktaten einzelner Anbieter werde, die Daten der Verwaltung besser geschützt seien und der Betrieb auch in Ausnahmesituationen gesichert bleiben könne.
Freie Software als europäischer Trend
Bayern ist nicht das erste Bundesland auf diesem Weg. In Schleswig-Holstein arbeiten bereits vier von fünf Behördenarbeitsplätzen mit Open-Source-Lösungen. In München hat sich der neue Stadtrat im Mai 2026 darauf verständigt, freie Software zum Regelfall bei Neuanschaffungen zu machen. Auf Bundesebene schreibt eine Regelung aus dem März vor, dass Behördendokumente ausschließlich in offenen Formaten verbreitet werden dürfen.
Cloud Act und Datenschutz als eigentlicher Antrieb
Hinter dem Wechsel stehen weniger Kostenüberlegungen als handfeste Bedenken zur Datensicherheit. Der US Cloud Act erlaubt amerikanischen Behörden, von US-Unternehmen Zugriff auf Nutzerdaten zu verlangen, unabhängig davon, wo diese gespeichert sind.
Daneben beschäftigt europäische Stellen ein weiteres Risiko: Sollte Washington amerikanische Technologiekonzerne anweisen, ihre Dienste außerhalb der USA abzuschalten, stünden viele Verwaltungen und Verteidigungsministerien plötzlich ohne funktionsfähige IT da. Studien zufolge ist ein erheblicher Teil europäischer Verteidigungsbehörden von US-Cloud-Infrastruktur abhängig.