Apple bewirbt seine neuen Mac-Rechner als günstigere Alternative zu gemieteter Cloud-Rechenleistung für KI-Aufgaben in Unternehmen.
Apple bringt diese Woche überarbeitete Mac-mini– und Mac-Studio-Modelle auf den Markt und positioniert sie nach einem Bericht von Reuters gezielt für Unternehmenskunden, die KI-Aufgaben lokal statt über gemietete Rechenzentren erledigen wollen. Die Geräte sollen ab Dienstag ausgeliefert werden.
Kein Preis pro Token
Apples Argument gegenüber Unternehmenskunden lautet, dass lokal betriebene KI-Hardware günstiger sein kann als laufende Zahlungen an Cloud-Anbieter wie Microsoft oder Anbieter von Sprachmodellen wie OpenAI und Anthropic, die nach sogenannten Token abrechnen, der grundlegenden Recheneinheit bei KI-Anwendungen. Apples Chief Hardware Officer Johny Srouji erklärte dazu:
„Sobald man die Maschine auf dem Schreibtisch hat, hat man sie bezahlt. Ich glaube, wir bieten einen wirklich großartigen Wert, nicht nur bei der Leistung, sondern auch beim Preis. Es gibt keine Kosten pro Token. Man nutzt die Maschine einfach immer wieder.“
Johny Srouji, Apples Chief Hardware Officer
Hardware mit hohem Anschaffungspreis
Die neuen Geräte richten sich vor allem an rechenintensive Aufgaben wie das Schreiben von Code oder komplexe geschäftliche Arbeitsabläufe. Der Anschaffungspreis ist dabei erheblich: Der Mac Studio mit M5-Ultra-Chip startet bei 5.499 US-Dollar, eine Ausstattung mit 256 Gigabyte Arbeitsspeicher und 16 Terabyte Speicherplatz kostet 18.299 US-Dollar. Eine Version mit 512 Gigabyte Arbeitsspeicher, die noch größere Modelle verarbeiten kann, soll Ende Oktober folgen. Apple hatte die Mac-Preise bereits im Juni unter Verweis auf steigende Speicherkosten angehoben.
Vier Mac Studios für ein Billionen-Parameter-Modell
Bei einer Vorführung in einer Apple-Einrichtung in Kalifornien zeigte das Unternehmen vier vernetzte Mac-Studio-Rechner, die laut Reuters gemeinsam ein KI-Modell mit einer Billion Parametern betrieben und dabei über eine einzige Steckdose mit Strom versorgt werden konnten. Grundlage dafür sind laut Apple die einheitliche Speicherarchitektur der eigenen Apple-Silicon-Chips sowie die Unterstützung von RDMA über Thunderbolt 5, die eine effiziente Vernetzung mehrerer Geräte für lokale Berechnungen ermöglicht.
Konkurrenz durch Nvidia und Microsoft
Mit dem Vorstoß tritt Apple in direkte Konkurrenz zu neuen Desktop-Rechnern von Nvidia und weiteren PC-Herstellern, die im Rahmen einer für den kommenden Monat erwarteten Windows-Veranstaltung von Microsoft in San Francisco im Mittelpunkt stehen dürften. Auch Nvidia verfolgt mit eigenen Produkten wie DGX Spark und RTX Spark eine ähnliche Strategie, KI-Modelle direkt auf lokalen Geräten statt in Rechenzentren laufen zu lassen.
Kleiner Marktanteil im Unternehmensgeschäft
Trotz der neuen Ausrichtung bleibt Apples Position im Unternehmensgeschäft vergleichsweise klein. Nach Daten des Marktforschungsunternehmens IDC hielt Apple zuletzt einen Anteil von rund 4,6 Prozent am Markt für Unternehmens-PCs, gegenüber 91,3 Prozent für Windows-Geräte.
Grundlage: Apples eigene Chip-Architektur
Apples Vorstoß in den Markt für KI-taugliche Unternehmenshardware baut auf der 2020 eingeführten eigenen Chip-Architektur Apple Silicon auf. Die dabei entwickelte einheitliche Speicherarchitektur, ursprünglich zur Verbesserung der Akkulaufzeit von iPhones konzipiert, erweist sich nach Einschätzung von Beobachtern auch für KI-Arbeitslasten als gut geeignet.
(red)