Adobe hat einen der größten Führungswechsel seiner Geschichte angekündigt: Anil Chakravarthy wird am 1. Dezember die Position des Präsidenten und Konzernchefs von Shantanu Narayen übernehmen, der das Unternehmen mehr als 18 Jahre lang geleitet hat.
Narayen wechselt anschließend in die Rolle des Executive Chairman. Die Adobe-Aktie fiel am 4. September, dem Tag der Ankündigung, um fast 7 Prozent, zusätzlich belastet durch den gleichzeitig bekannt gewordenen Abgang von David Wadhwani, der zuvor Adobes Kreativ- und Produktivitätssparte mit den zentralen Creative-Cloud-Produkten leitete und selbst als möglicher Nachfolger für die Konzernspitze gehandelt worden war.
Bereits vor dieser Ankündigung hatte die Aktie im Jahr 2026 rund 18 Prozent an Wert verloren, nach einem Rückgang von mehr als 21 Prozent im gesamten Jahr 2025. Die Investmentbank Morgan Stanley hatte Adobe bereits im Juli auf „Untergewichten“ abgestuft und das Kursziel von 365 auf 240 US-Dollar gesenkt, unter Verweis auf mehrere gleichzeitig laufende Umbrüche im Unternehmen, darunter die eigene Freemium-Strategie sowie den anstehenden Führungswechsel.
Der eigentliche Wechsel an der Spitze markiert dabei mehr als einen gewöhnlichen Personalwechsel: Adobe steht damit möglicherweise vor der größten technologischen Herausforderung für die eigene Kreativsoftware-Marke seit dem Aufkommen des Cloud-Computings. Narayens bisherige Amtszeit war maßgeblich vom Übergang von klassischen, dauerhaften Softwarelizenzen zu Cloud-Abonnements geprägt, ein 2013 abgeschlossener Wandel, unter dem Adobe die Schwelle von 25 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz überschritt und neben der Creative Cloud mit der Document Cloud, zu der auch Acrobat und Adobe Sign zählen, eine zweite wesentliche Umsatzsäule aufbaute.
Adobe-Firefly-Vermarktung als zentrale Herausforderung für den Nachfolger
Adobes zentrale Herausforderung besteht laut mehreren Berichten darin, dass dem Unternehmen bislang eine überzeugende eigene Antwort auf die generative KI fehlt, obwohl es bereits erheblich in die eigene KI-Plattform Firefly sowie generative KI-Funktionen in Photoshop und der restlichen Creative Cloud investiert hat. Die entscheidende, von Investoren weiterhin offen gestellte Frage ist, ob Adobe mit Firefly tatsächlich zusätzliche neue Umsätze erzielen kann oder das Angebot lediglich dazu dient, bestehende Creative-Cloud-Abonnenten vom Wechsel zu Konkurrenzprodukten abzuhalten. Chakravarthys Berufung gilt dabei zumindest teilweise als Antwort auf genau diese Frage, da sein beruflicher Hintergrund gezielt in der Skalierung KI-bezogener Produkte liegt, zuletzt als Präsident für Customer Experience Orchestration und weltweite Feldoperationen bei Adobe.
Gleichzeitig sehen sich Adobes klassische Kreativprodukte zunehmender Konkurrenz durch Anbieter wie Canva und Figma ausgesetzt, die anspruchsvolle kreative Funktionen auch Nutzern ohne jahrelange Erfahrung mit professioneller Designsoftware zugänglich machen, ergänzt um eine wachsende Zahl eigenständiger generativer KI-Plattformen als zusätzliche Konkurrenzebene. Für Adobe bleibt damit letztlich die zentrale Frage, ob die eigenen KI-Investitionen ausreichend neuen Wert schaffen können, um den Druck zu kompensieren, den KI gleichzeitig auf die traditionellen eigenen Produkte ausübt.
(red)