Anzeige

Anzeige

Cookies

Cookie-Zustimmungsabfragen im Web nerven viele Verbraucher nicht nur - sie sind nach Einschätzung der europäischen Datenschutzorganisation Noyb in Regel auch rechtswidrig gestaltet.

Mit einer juristischen Beschwerdewelle will das Team um den Datenschutzaktivisten Max Schrems nun gegen Cookie-Banner vorgehen, die rechtswidrig eine Zustimmung zum Tracking einfordern. Am Montag verschickte sein Verein rund 560 Beschwerdeschreiben an Unternehmen in Europa und in den USA, über 10 000 sollen folgen.

Cookies sind kleine Datensätze, die Webseiten hinterlegen, um die Nutzer identifizierbar zu machen. Mit ihrer Hilfe können individuelle Profile erstellt werden, die weitreichende Rückschlüsse über Surfverhalten, Vorlieben und Lebensgewohnheiten zulassen. Dieses Wissen wird dann etwa für personalisierte Werbung herangezogen.

Nun bekommt es die werbetreibende Industrie im Netz mit einem Gegner zu tun, der in zwei spektakulären Fällen bereits Facebook in die Knie gezwungen hat. Max Schrems setzte zum einen im Oktober 2015 vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) durch, dass die von Facebook genutzte transatlantische Datenschutzvereinbarung «Safe Harbor» gekippt wurde. Im vergangenen Juni brachte er vor dem EuGH schließlich auch die Nachfolgeregelung «Privacy Shield» zu Fall.

Schrems hat jetzt ein neues Ziel vor Augen: eine «ganze Industrie von Beratern und Designern, die verrückte Klick-Labyrinthe entwickelt, um vollkommen unrealistische Zustimmungsraten zu generieren». Menschen mit Tricks zum Zustimmen zu verführen, sei ein klarer Verstoß gegen die Prinzipien der europäischen Datenschutz-Grundverordnung DSGVO, erklärte der Vorsitzende des Noyb-Vereins.

Nach dem Gesetz müssten die Anbieter ihre Systeme fair gestalten und den Nutzern eine echte Wahlmöglichkeit bieten. «Unternehmen geben offen zu, dass nur drei Prozent aller Nutzer tatsächlich Cookies akzeptieren wollen, aber mit Tricks mehr als 90 Prozent zur Zustimmung verleitet werden können.»

Viele Anwenderinnen und Anwender machen nach Einschätzung von Schrems die DSGVO für «diese ärgerliche Praxis» verantwortlich. «Tatsächlich verwenden jedoch viele Unternehmen Designs, die gegen das Gesetz verstoßen.» Die DSGVO verlange nämlich ein einfaches «Ja» oder «Nein» - und wolle damit irreführende Banner eigentlich verhindern.

Die Entscheidung, wie die DSGVO genau umgesetzt und kommuniziert wird, liege bei den Unternehmen. Einige von ihnen versuchten nun offensichtlich alles, um Datenschutz für die Nutzer möglichst schwer zu machen, betonte Schrems. «Nach dem Gesetz haben sie aber die Pflicht, eine einfache Wahlmöglichkeit zu bieten. Fast alle Situationen, in denen Nutzer mit Datenschutz konfrontiert werden, werden von Unternehmen gestaltet. Diese machen Datenschutz-Einstellungen oft bewusst zu einem Alptraum, geben aber gleichzeitig der DSGVO die Schuld dafür.» Im Fall von Cookie-Hinweisen würden Buttons, Aufbau und Beschriftung gezielt so gewählt, dass die Besucher am ehesten eine datenschutzunfreundliche Auswahl treffen – und damit gegen ihre eigenen Interessen agieren.

Rechtswidrige Cookie-Banner sowie Beschwerden

Noyb hat eine Software entwickelt, die verschiedene Arten von rechtswidrigen Cookie-Bannern erkennen und automatisch Beschwerden generieren kann. Nach dem Start mit rund 560 großen Websites will der Verein bis zu 10 000 der meistbesuchten Seiten in Europa unter die Lupe nehmen.

In Deutschland richten sich die Beschwerden unter anderem gegen Online-Händler wie Tchibo.de und Heine oder den Logistik-Dienstleister DHL, aber auch gegen Mittelständler wie Grohe und Hunkemöller sowie den Europa-Park in Rust. Außerdem nimmt Noyb die Cookie-Praxis von etlichen Medien-Unternehmen ins Visier.

International will Noyb die Cookie-Banner bei etlichen US-Internetkonzernen ändern. Die Liste reicht von Facebook, Google und Twitter über Slack und Webex bis hin zu Akamai und dem Newsletter-Dienstleister Mailchimp. Außerdem bekommen Medien wie CNN, Vox Media, CBS, «New York Post» und «Wired» Post von Noyb.

Bevor die formalen Beschwerden bei den zuständigen Datenschutzbehörden eingebracht werden, räumt der Verein den betroffenen Unternehmen jeweils einen Monat lang Zeit ein, um die Cookie-Banner an die rechtlichen Anforderungen anzupassen. Wenn ein Unternehmen seine Einstellungen nicht innerhalb eines Monats ändere, werde Noyb die Beschwerde bei der zuständigen Behörde einreichen, die ein Bußgeld von bis zu 20 Millionen Euro verhängen könne.

Im Gegensatz zu manchen Abmahnvereinen will Noyb aus der Beschwerdewelle aber selbst kein Geld machen: «Wir machen das auf einer Pro-Bono-Basis ohne Gewinnerzielungsabsicht.» Das Projekt werde aus dem allgemeinen Etat von Noyb finanziert, der zu einem großen Teil auf rund 4000 Mitglieder aus ganz Europa angewiesen sei.

Mo, 31.05.2021, 10:22 | Von Christoph Dernbach, dpa


Artikel zu diesem Thema

Hilfe
Mai 28, 2021

Datenschutz: Deutschlands Verbraucher fühlen sich allein gelassen

Die meisten Internet-Nutzer wünschen sich strengere Regeln und Gesetze beim Thema…
Cookies
Mai 20, 2021

Cookie-Gesetz soll Umgang mit Anfragen vereinfachen

Ein neues Gesetz soll den Umgang mit Daten-Anfragen vereinfachen und zudem das digitale…
Privacy Shield
Mai 10, 2021

Privacy Shield: Tipps für eine risikofreie Cloud nach der Schonfrist

Die Schonfrist ist vorbei. Die Datenschutzbehörden nehmen jetzt bundesweit Unternehmen…

Weitere Artikel

Online-Shopping

Social Shopping: Männer kaufwilliger als Frauen

Männliche Käufer sind bereit, beim Online-Shopping in sozialen Medien spontan viel mehr Geld für ein ungesehenes Produkt auszugeben als weibliche, wenn ein Influencer es ihnen dort empfiehlt.
Erfolg

Claire Valencony wird neues Vorstandsmitglied bei Esker

Esker, Anbieter der gleichnamigen globalen Cloud-Plattform, welche die Effizienz von Finanz- und Kundendienstabteilungen sowie die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit durch Automatisierung von Managementaufgaben stärkt, gab bekannt, dass Claire Valencony…
Hybrid Working

Ende der Homeoffice-Pflicht - das hybride Zeitalter wird eingeläutet

Die von der Regierung eingeführte Homeoffice-Pflicht im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes läuft zum 1. Juli 2021 aus. Unternehmen und Mitarbeiter können anschließend wieder zurück in die Büros kehren, doch wollen viele Mitarbeiter weiter flexibel am…
Startup

Scaleway unterstützt Startups in Deutschland mit speziellem Programm

Nach dem Start seiner Aktivitäten in Deutschland am 09. Juni 2021, investiert Scaleway, der europäische Public-Cloud-Anbieter, nun in das Startup-Ökosystem hierzulande und startet heute die vierte Ausgabe seines Startup Programms in einer speziell deutschen…
Digitalisierung

15 Prozent der Deutschen geht die Digitalisierung zu schnell

Mehr als einem Siebtel der Deutschen geht die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft zu schnell. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie im Auftrag von „Digital für alle“.
Brexit

Brexit: EU-Jobber meiden Großbritannien

Die Zahl der EU-Bürger, die in Großbritannien nach Arbeit suchen, ist seit dem Brexit um mehr als ein Drittel gesunken. Das geht aus einer Studie der digitalen Jobvermittlung Indeed hervor.

Anzeige

Jetzt die smarten News aus der IT-Welt abonnieren! 💌

Mit Klick auf den Button "Zum Newsletter anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.