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Huawei

Quelle: Karlis Dambrans / Shutterstock.com

Hat US-Präsident Donald Trump mit seinem Vorgehen gegen Huawei die Dominanz des Google-Systems Android im Smartphone-Markt untergraben? Huawei will nun sein eigenes System als weltweite Alternative zu Android etablieren. Das ist allerdings keine einfache Aufgabe.

Huawei ist nach eigenen Angaben schon jetzt in der Lage, in seinen Smartphones das Google-System Android durch eigene Software zu ersetzen. Der chinesische Smartphone-Anbieter und Netzwerk-Ausrüster stellte am Freitag sein Betriebssystem mit dem Namen Harmony OS vor, dass auch in Computern, Tablets, Smartwatches, Autos und anderer vernetzter Technik laufen soll.

Für Huawei könnte das eigene System zum Lebensretter werden: Dem Konzern droht der Verlust des Zugangs zu Android, weil er von US-Präsident Donald Trump unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken auf eine schwarze Liste gesetzt wurde. Die Android-Sperre wurde zunächst bis Ende August ausgesetzt - wie es danach weitergeht, ist offen.

Die Entwicklung könnte das heutige Betriebssystem-Duopol aus Android von Google und iOS von Apple im Smartphone-Markt aufbrechen. Huawei machte deutlich, dass Harmony OS eine vollwertige Alternative zu Android werden soll. «Wir wollen ein globales Betriebssystem etablieren, das nicht nur von Huawei genutzt wird», sagte Huawei-Manager Richard Yu.

Die Software wird deshalb genauso wie das Google-System quelloffen für alle zugänglich sein. Das hatte seinerzeit den Aufstieg von Android zum meistbenutzten Smartphone-System mit mehr als 80 Prozent Marktanteil beflügelt. Auch in China laufen die meisten Smartphones mit Android - wenn auch im Gegensatz zum Westen ohne Google-Dienste.

Vorerst sei die Priorität von Huawei aber, Android zu nutzen, um das Ökosystem aus Apps und anderen Diensten nicht aufzuspalten, versicherte Yu auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz des Konzerns. «Aber wenn wir in der Zukunft keinen Zugang mehr dazu haben sollten, können wir sofort auf Harmony OS umsteigen», sagte Yu. Und Huawei könne das in wenigen Tagen bewältigen. «Von Android auf Huawei OS umzusteigen, ist nicht so schwierig. Eigentlich ist es sogar sehr einfach.» Zunächst sei aber geplant, Harmony OS in vernetzten Lautsprechern, Computer-Uhren und Bordcomputern in Autos einzusetzen.

China ist der größte Smartphone-Markt der Welt - und das US-Vorgehen gegen Huawei hatte dort vor dem Hintergrund des Handelskonflikts zwischen den beiden Ländern auch eine Patriotismus-Welle beim Technik-Kauf ausgelöst. So wäre es denkbar, dass auch andere chinesische Smartphone-Anbieter auf ein einheimisches Betriebssystem umsteigen. Huawei ist beim Smartphone-Absatz die weltweite Nummer zwei nach Samsung, unter anderem auch dank der starken Position im Heimatmarkt.

Ein neues Betriebssystem zu etablieren, ist aber eine extreme Herausforderung. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, genügend App-Entwickler für die neue Plattform zu gewinnen. Schon jetzt ist klar, dass zum Beispiel Android-Apps für Harmony angepasst werden müssten. In der Vergangenheit ist selbst der Software-Gigant daran gescheitert, sein Windows-Betriebssystem für Smartphones erfolgreich zu machen. Die App-Entwickler fokussierten sich stattdessen auf iOS und Android. Andere Alternativen wie Firefox OS, webOS von Palm/HP oder das Blackberry-System wurden aus dem Markt gedrängt.

Ein zusätzliches Problem für Huawei im Westen wäre auch der Verlust des Zugangs zu vorinstallierten Google-Diensten auf den Smartphones, die in den USA und Europa populär sind. Denn hierzulande werden die Android-Geräte nahezu immer mit Apps wie Google Maps oder Gmail verkauft.

Harmony OS ist auch insofern ein Neuanfang, dass es im Gegensatz zu den meisten heutigen Plattformen nicht auf Betriebssystemen wie Unix oder Linux basiere, betonte Huawei. Der Konzern entwickelte es mit der Vision, dass die Software auf dem Gerät selbst relativ schmal sein kann, während ein großer Teil der Arbeit über schnelle Netze an Rechenzentren abgegeben wird. Harmony OS repräsentiere damit wahrhaft die nächste Generation von Betriebssystemen «für alle Szenarien», schwärmte Yu. Den sogenannten Microkernel-Ansatz, bei dem das Betriebssystem auf die wichtigsten Funktionen reduziert ist, verfolgt laut Medienberichten auch Google bei einer neuen Software mit dem Namen Fuchsia.

Huawei will die Entwickler unter anderem damit locken, dass Harmony-Apps ohne größeren Aufwand auf verschiedensten Geräten laufen sollen und das System diverse Programmiersprachen unterstützt. Die Anpassung an verschiedene Bildschirmgrößen und Bedienkonzepte soll weitgehend automatisiert werden.

Laut Yu begann die Entwicklung von Harmony bereits vor zwei Jahren. Medienberichten zufolge war das System zunächst für vernetzte Technik im sogenannten Internet der Dinge gedacht. In China wird Harmony unter dem Namen Hongmeng OS erscheinen.

Huawei war von Trump Mitte Mai unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken auf eine schwarze Liste gesetzt worden. Damit wurde dem Unternehmen der Zugang zu Technologie von US-Konzernen und dem amerikanischen Markt weitgehen versperrt. Die Aussicht, dass Huawei-Smartphones keine Updates des Android-Betriebssystems mehr bekommen, ließ zeitweise auch die Verkäufe in Europa einbrechen - auch wenn sich der Absatz inzwischen nach Angaben des Konzerns weitgehend erholt hat.

Andrej Sokolow, dpa
 

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