Anzeige

Streaming Problem

Unterwegs Videos oder Musik streamen, ohne dass das monatliche Datenvolumen schrumpft - mit diesem Versprechen locken die Telekom und Vodafone Kunden mit ihren Streaming-Tarifen. Die Telekom muss hierzu nun aber einen Rückschlag vor Gericht hinnehmen.

Die Deutsche Telekom muss ihre «StreamOn»-Tarife nach einer Gerichtsentscheidung ändern. Der Datenverkehr werde nicht wie vorgeschrieben gleichbehandelt - dies sei ein Verstoß gegen die Netzneutralität, teilte das Oberverwaltungsgericht (OVG) am Montag in Münster mit (Aktzenzeichen 13 B 1734/18) und gab in dem sogenannten Eilverfahren der Bundesnetzagentur recht. Zudem würden EU-Roamingregeln nicht eingehalten. Die Bonner Behörde hatte bereits Ende 2017 eine Änderung verfügt, woraufhin die Telekom vor Gericht zog.

Ganz Schiffbruch erlitten hat das Unternehmen noch nicht, da ein separates Hauptsacheverfahren am Kölner Verwaltungsgericht noch läuft - dieses hat nun aber keine aufschiebende Wirkung. Die Chancen auf Erfolg sehen in dem Hauptsacheverfahren allerdings nicht allzu rosig aus - es soll von derselben Kammer entschieden werden, die in erster Instanz des Eilverfahrens pro Netzagentur entschieden hatte.

Bei «StreamOn» wird der Datenverbrauch bei bestimmten Apps nicht auf das Monatsvolumen angerechnet, wenn man zum Beispiel Videos über Netflix oder die ARD Mediathek streamt. Allerdings drosselt die Telekom die Übertragungsrate, und man kann den Film unterwegs nur in der recht niedrigen SD-Auflösung ansehen. Würde das Video außerhalb des «StreamOn»-Tarifs geguckt und auf das monatliche Datenvolumen angerechnet, so könnte man auf HD-Qualität kommen. Diese «Videodrossel» stört die Netzagentur und das OVG, da hierbei Datenströme eben nicht gleichbehandelt würden.

Zweiter kritischer Punkt in dem jahrelangen Streit sind Reisen ins EU-Ausland. Werden dort Videos oder Songs gestreamt, wird der Datenverbrauch auf das Monatsvolumen angerechnet - trotz «StreamOn». Die Münsteraner Richter werteten dies als zusätzliches Entgelt gegenüber dem inländischen Endkundenpreis - so ein «ungünstigerer Entgeltmechanismus» sei nach europäischen Roaming-Regeln aber verboten. Der Beschluss der Münsteraner Richter ist die zweite und höchste Instanz des Eilverfahrens. Er ist unanfechtbar.

Ein Sprecher der Netzagentur zeigte sich nach der Entscheidung erfreut, dass das Gericht die Rechtsauffassung seiner Behörde bestätigt habe. «Wir werden die Anpassung des Produkts nun zügig gegenüber der Telekom durchsetzen.»

Die Telekom will die Gerichtsentscheidung prüfen. Man erwarte von der Bundesnetzagentur, dass sie «durch eine angemessene Umsetzungsfrist» die erforderlichen Anpassungen ermögliche, sagte ein Telekom-Sprecher. «Von der Rechtmäßigkeit von StreamOn sind wir weiterhin überzeugt und werden auch zukünftig alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen.»

Konkurrent Vodafone hat mit dem «Vodafone Pass» ein ähnliches Produkt. Nach Beanstandungen der Bonner Regulierungsbehörde sicherte Vodafone 2018 aber zu, den Videoverkehr nicht zu drosseln. Im EU-Ausland wird das Streaming hingegen - wie bei der Telekom - auf das Monatsvolumen angerechnet, unbegrenztes Streamen bei schneller Datenübertragung ist im Rahmen des Tarifs also auch hier nicht möglich. Die Netzagentur ordnete eine Änderung an, gegen die Vodafone vor Gericht zog - eine Entscheidung hierzu gibt es noch nicht.

dpa
 


Newsletter Anmeldung

Smarte News aus der IT-Welt

Sie möchten wöchentlich über die aktuellen Fachartikel auf it-daily.net informiert werden? Dann abonnieren Sie jetzt den Newsletter!

Newsletter eBook

Exklusiv für Sie

Als Newsletter-Abonnent erhalten Sie das Booklet „Social Engineering: High Noon“ mit zahlreichen Illustrationen exklusiv und kostenlos als PDF!

 

Weitere Artikel

Industrie Digitalisierung

Digitalisierung in der EU-Industrie uneinheitlich

Bei der Digitalisierung der europäischen Industrie gibt es nach Ansicht des Europäischen Rechnungshofes große Unterschiede. Zwar habe diese in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht.
Hackergruppe

Spur der Uniklinik-Hacker führt offenbar nach Russland

Nach dem Hacker-Angriff auf die Düsseldorfer Uni-Klinik führt eine mögliche Spur der Täter laut Justizministerium nach Russland. So hätten die Hacker eine Schadsoftware namens «DoppelPaymer» in das System eingebracht.
Cloud Rechenzentrum

Thüringen-Cloud: Drei kommunale Rechenzentrum könnten beteiligt sein

Die Pläne, in Thüringen eine gemeinsame digitale Infrastruktur für alle Kommunen zu schaffen, werden konkreter. Die Landkreise Schmalkalden-Meiningen, Greiz und Sömmerda könnten in den nächsten Jahren gemeinsam mit einem IT-Dienstleister einen…
Internet ICE

5G-Mobilfunk an vielen ICE-Halten verfügbar - mit Speed-Unterschieden

Wer an einem ICE-Bahnhof wartet, kann immer häufiger auf den neuen Mobilfunkstandard 5G zurückgreifen. Bereits an 21 Fernbahnhöfen sei dies im Telekom-Netz möglich, ergab eine Untersuchung des Vergleichsportals Verivox.
Security

Das tun deutsche Unternehmen für ihre IT-Sicherheit

"Die Corona-Pandemie und die vermehrte Arbeit im Homeoffice stellt auch die IT-Infrastruktur von Unternehmen vor große Herausforderungen", konstatiert das Statistische Bundesamt und wirft einen statistischen Blick auf das Thema IT-Sicherheit in Deutschland.
Business

Heinrich Rönner Gruppe konsolidiert ERP-Landschaft mit ams.erp

Die Heinrich Rönner Gruppe ist eine familiengeführte Unternehmensgruppe mit breitem Leistungsspektrum, das vom Yacht- und Schiffbau, dem Stahlwasserbau, dem schweren Stahlbau, dem Brückenbau und der Herstellung Stahl- und Aluminium­konstruktionen sowie der…

Anzeige

Newsletter Anmeldung

Smarte News aus der IT-Welt

Sie möchten wöchentlich über die aktuellen Fachartikel auf it-daily.net informiert werden? Dann abonnieren Sie jetzt den Newsletter!

Newsletter eBook

Exklusiv für Sie

Als Newsletter-Abonnent erhalten Sie das Booklet „Social Engineering: High Noon“ mit zahlreichen Illustrationen exklusiv und kostenlos als PDF!