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Bild: Google

Google setzt als erster Tech-Konzern Gesichtserkennung im vernetzten Zuhause ein und riskiert damit neue Kritik von Datenschützern. Der Internet-Konzern stellte einen smarten Lautsprecher mit Display und Kamera vor, der die Anzeige daran anpassen kann, wer gerade vor ihm steht. 

Alle Informationen zur Gesichtserkennung würden dabei ausschließlich auf dem Gerät verarbeitet und gingen zu keinem Zeitpunkt ins Netz, betonte Googles Hardware-Chef Rick Osterloh zum Auftakt der Entwicklerkonferenz Google I/O am Dienstag.

Das «smarte Display» mit dem Namen Nest Hub Max soll zunächst nur in den USA, Großbritannien und Kanada auf den Markt kommen und 229 Dollar kosten. Google verspricht durch die automatische Personalisierung dank Gesichtserkennung einen höheren Nutzen. Zugleich stehen Datenschützer vor allem in Europa Gesichtserkennung generell sehr skeptisch gegenüber. Google betonte, die Funktion werde standardmäßig ausgeschaltet sein und von den Nutzern erst aktiviert werden müssen. Den Sorgen entgegentreten will der Konzern auch mit einem Datenschutz-Versprechen für das vernetzte Zuhause: Man werde stets klar angeben, welche Daten wofür erhoben werden, heißt es darin unter anderem. Und  persönliche Informationen werden nie an irgendjemanden verkauft.

Vernetzte Lautsprecher mit Display gibt es unter anderem von Amazon. Das Konkurrenzgerät des Online-Händlers mit dem Namen Echo Show, das die Sprachassistentin Alexa an Bord hat, war ein Hit im vergangenen Weihnachtsgeschäft. Facebook bietet ähnliche Technik unter dem Namen Portal vor allem für Videotelefonate an. Die Portal-Kameras erkennen, wenn sie ein Gesicht in ihrem Blickfeld sehen, damit möglichst alle Personen im Raum ins Bild kommen - dabei identifizieren sie die Nutzer aber nicht. Zugleich könnte das Online-Netzwerk zumindest bei Nutzern, die der Gesichtserkennung in Facebook-Fotos zugestimmt haben, eine ähnliche Funktion wie Google einführen.

Zum Start des Nest Hub Max in weiteren Ländern gab es zunächst keine Informationen. In Deutschland wird zunächst neu das vorherige Modell Nest Hub verkauft, das kleiner ist und keine Kamera hat.

Beim Alexa-Konkurrenten Google Assistant gelang dem Internet-Konzern ein wichtiger Durchbruch. Spracherkennung laufenjetzt auch lokal auf dem Smartphone. Bisher müssen Sprachassistenten wie der Assistant, Alexa oder Apples Siri Aufnahmen zur Spracherkennung ins Netz schicken. Mit der lokalen Datenverarbeitung sichert sich das Unternehmen einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz und kann auch einen Vorteil beim Datenschutz für sich reklamieren.

Die Funktion werde im Herbst mit neuen Smartphones der Google-Marke «Pixel» eingeführt, sagte der zuständige Manager Scott Huffman. In einer Demonstration auf der Bühne reagierte die Assistenzsoftware extrem schnell auf alle Sprachbefehle. Auch war es nicht nötig, vor jedem Kommando die Aktivierungsworte «Hey, Google» zu sagen.

Um die neue lokale Funktionsweise umzusetzen, sei die nötige Softwarebasis von 100 Gigabyte auf 500 Megabyte geschrumpft worden, erklärte Sundar Pichai. Insgesamt arbeite die Software zum maschinellen Lernen, verstärkt direkt auf den Geräten der Nutzer, statt Rohdaten dafür auf Server des Konzerns zu schicken.

Pichai betonte, dass den Nutzern bessere Möglichkeiten zur Kontrolle über ihre Privatsphäre geben wolle. So solle die automatische Löschung älterer von Google gesammelter Nutzer-Informationen mit der Zeit auf mehr Datenkategorien ausgeweitet werden. Zunächst lässt Google Daten zur Web- und App-Nutzung mit einem Verfallsdatum von 3 oder 18 Monaten versehen. Bei Android Q, der nächsten Version des weltweit meistgenutzten Mobil-Betriebssystems, wird der Daten-Zugriff von App-Entwicklern zudem insgesamt deutlich eingeschränkt.

 

dpa

 

 


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