Pünktlich zum Schuljahres- und Semesterstart schlagen Sicherheitsforscher Alarm: Cyber-Angriffe auf Bildungseinrichtungen haben weltweit um durchschnittlich 41 Prozent zugelegt. Deutschland ist mit einem Plus von 56 Prozent überdurchschnittlich stark betroffen, wie aus einer aktuellen Studie von Check Point Research hervorgeht.
4356 Angriffe pro Woche – Bildung bleibt Spitzenreiter
Der Bildungssektor führt auch 2025 unrühmlich die Statistik der meist angegriffenen Branchen an. Mit durchschnittlich 4356 wöchentlichen Cyber-Attacken pro Organisation müssen Schulen, Universitäten und Hochschulen mehr Angriffe abwehren als jeder andere Wirtschaftszweig.
Besonders dramatisch entwickelt sich die Lage in einzelnen Regionen:
- Deutschland: 3184 wöchentliche Angriffe (+56%)
- Europa gesamt: 4161 Angriffe (+48%)
- APAC: 7869 Angriffe (+31%)
- Afrika: 4473 Angriffe (+56%)
- Nordamerika: 3047 Angriffe (+67%)
Spitzenreiter bei den Zuwachsraten ist Hongkong mit sagenhaften 5399 Angriffen pro Woche – ein Anstieg um 210 Prozent. Italien folgt mit 8593 Attacken (+82%), Portugal mit 5488 (+80%).
Phishing-Welle nutzt Semesterstart aus
Cyber-Kriminelle haben den saisonalen Anstieg digitaler Aktivitäten längst als lukrative Gelegenheit erkannt. Allein im Juli registrierte Check Point 18.391 neue Domains mit Bezug zu Bildungseinrichtungen – jede 57. erwies sich als bösartig oder verdächtig.
Aktuelle Angriffsmuster zeigen dabei beunruhigende Professionalität:
Gefälschte Uni-Logins: Mitte August kursierten Phishing-Mails mit SVG-Dateianhängen im Format “[universitätsname].comVWAV.svg”. Die enthaltenen Links führten zu täuschend echten Outlook-Login-Seiten zum Abfischen der Zugangsdaten.
Payment-Update-Betrug: US-Universitätsmitarbeiter erhielten PDF-Dokumente namens “University-Pay Update.pdf” mit QR-Codes, die angeblich zu MFA-Updates führten. Tatsächlich landeten Opfer auf gefälschten Microsoft-Login-Seiten.
“Ground Zero der Cyber-Kriminalität”
“Der Bildungssektor entwickelt sich zunehmend zum Ground Zero für Cyber-Kriminelle”, warnt Omer Dembinsky, Data Research Group Manager bei Check Point. “Schulen stehen nun an vorderster Front des Cyber-Konflikts.”
Die Attraktivität des Bildungssektors für Hacker liegt auf der Hand: Eine verteilte Nutzerbasis aus Studenten, Lehrern, Alumni und Eltern trifft auf hohe Online-Abhängigkeit und häufig geteilte Zugangsdaten. Gleichzeitig begrenzen knappe IT-Budgets oft wirksame Schutzmaßnahmen – bei gleichzeitig hochsensiblen Daten von Forschungsprojekten bis zu persönlichen Informationen.
Mehrschichtiger Schutz gefordert
Experten fordern einen “Prevention-first-Ansatz” mit mehrschichtigen Abwehrmechanismen. Neben verpflichtender Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) und gezielter Phishing-Aufklärung müssen Bildungseinrichtungen verdächtige Domains frühzeitig erkennen und moderne Threat-Prevention-Lösungen einsetzen.
Die Daten stammen aus Check Points ThreatCloud AI-Plattform, die täglich Millionen von Bedrohungsindikatoren aus über 150.000 Netzwerken und Millionen Endpoints analysiert.
(lb/Check Point)