Anzeige

Cyberangriff

Antivirus-Programme werden als wichtiger Schutzschild gegen Cyber-Bedrohungen gesehen, sind aber mittlerweile selbst zu besonders interessanten Einstiegstoren für Cyber-Kriminelle geworden, denn eine gekaperte Antivirus-Lösung kann Cyberangriffe nicht verhindern.

Im Gegenteil: Erst über die Schutz-Lösung wird häufig der Angriff ermöglicht. Diese neue Vorgehensweise sagt viel über die Entwicklung von Cyberattacken und die notwendigen Antworten darauf aus.

Warum kommt es zum Angriff auf Antivirus-Programme?

Es mag unlogisch erscheinen: Gehen Cyber-Kriminelle nicht das Risiko ein, Alarm auszulösen, wenn sie ein Antivirenprogramm angreifen? Angreifer versuchen stets, mittels verschleierter Codes, Schadprogramme vor Sicherheits-Lösungen zu verstecken. Durch die ständige Entwicklung der Antivirus-Software wird dies zunehmend schwieriger. Daher legen sie jetzt lieber die Antivirus-Lösung still, bevor sie den tatsächlichen Angriff starten. Oder sie verschaffen sich mit Hilfe des Antivirus-Programms höhere Berechtigungen auf dem Rechner: Die Erbeutung von Nutzungsprivilegien bleibt der Heilige Gral der Cyber-Kriminellen.
 

„Viele Angriffe starten mit dem Versuch, die Kontrolle über einen ungeschützten Dienst mit einer niedrigen Berechtigungsstufe zu übernehmen“, erklärt Sébastien Viou, Cyber-Evangelist bei Stormshield.

 

Durch weitere Schwachstellen kann man die Kontrolle über einen übergeordneten Prozess übernehmen, wodurch man Befehle ausführen kann. Ab diesem Zeitpunkt kann man den Aktionsradius erweitern. Laut Viou ist dieser Ansatz recht einfach. Schwieriger und zeitintensiver ist es, nutzbare Schwachstellen zu ermitteln, doch letzten Endes finden Angreifer immer, wonach sie suchen, selbst bei den Antivirus-Lösungen. Wenn es gelingt, den Virenschutz zu manipulieren, können sich Cyber-Kriminelle Administratorrechte auf einem Computer, gar als Domain-Administrator, zu eigen machen.

Ausweitung der Angriffsfläche

Ein Antiviren-Schutz ist eine Software. Und Software bedeutet Codezeilen und mögliche Bugs, die sich zu Schwachstellen entwickeln können. „Bei der Programmierung kommt im Durchschnitt auf 1000 Zeilen Code etwa ein Bug. Und in einer Software sind mehrere Tausend Zeilen Code enthalten. Fügt man Software zu einem Gerät hinzu, vergrößert sich dessen Angriffsfläche“, sagt Sébastien Viou. Hier besteht immer ein großes Risiko.

Die drei Etappen eines Angriffes

Ein Beispiel für eine weit verbreitete Schwachstelle zur Kaperung eines Antivirus sind symbolische Verknüpfungen von Dateien. Der Zweck ist es, die Aufmerksamkeit des Antivirus-Programms auf eine andere Datei als die, die die Malware enthält, zu lenken.

Der zweite Schritt besteht darin, Zugriffsrechte zu erbeuten. Die Sicherheitslösungen haben die höchsten Zugriffsrechte auf der Workstation, damit im Bedarfsfall Anwendungen oder Prozesse aufgehalten werden können. Wenn man als Administrator ins Systemmanagement eindringt, erlangt man alle Rechte. „Und da die Antiviren-Software in der Regel auf allen Computern des Unternehmens installiert ist, bedeutet das Auffinden einer Schwachstelle auf einem Computer, dass diese auch auf dem Rest der Geräte ausgenutzt werden kann“, warnt Viou.

Die dritte Stufe des Angriffs richtet dann den meisten Schaden an: „Die Angreifer versuchen, in den ersten Phasen diskret vorzugehen, um möglichst viele Rechner zu infizieren, bevor sie zum tatsächlichen Datendiebstahl, zur Blockierung von Arbeitsplätzen oder Produktionsunterbrechungen übergehen. Das ist in der Regel der Zeitpunkt, an dem man den Angriff bemerkt: Man hat plötzlich keinen Zugriff mehr auf Anwendungen und Daten. Ab hier darf man in Panik geraten, weil es bereits zu spät ist“, erklärt Viou.

Die Rolle der Software-Architektur

Cyber-Security-Lösungen werden vor Markteinführung auf Abwesenheit von Bugs und strukturelle Fehler geprüft. Trotz dieser Vorkehrungen kann keine Sicherheitslösung die absolute Fehlerfreiheit bieten. Um dadurch entstehende Risiken zu minimieren, sollte man deshalb auf robustere und sicherere Architekturen setzen. So bietet zum Beispiel die Wahl einer auf Micro-Services basierten Software-Architektur eine größere Ausfallsicherheit als eine monolithische Lösung. Diese besteht aus der Segmentierung von Rechten und der Isolierung des Workflows jedes Dienstes, wodurch die Angriffsfläche auf ein Minimum reduziert und die Ausbreitung von Malware begrenzt wird. Wenn man sich darüber hinaus für vertrauenswürdige, den europäischen Richtlinien entsprechenden Technologien entscheidet, werden auch Risiken durch mögliche Hintertüren verringert.

Sébastien Viou, Cyber Evangelist
Sébastien Viou
Cyber Evangelist, Stormshield

Artikel zu diesem Thema

Whitepaper Survival Kit für Cyberangriffe
Mär 08, 2021

Survival Kit für Cyberangriffe - Ransomware? Recoverware

Vorbei sind die Zeiten, in denen Sie Lösegeld zahlen und verlorene Daten neu erarbeiten…
Jan 20, 2021

Datenschutzverletzungen 2020: Über 22 Milliarden offengelegte Datensätze

Das Security Response Team (SRT) von Tenable hat Datensicherheitsverletzungen analysiert…
Cyber Security
Jan 09, 2021

Wie tickt der Mittelstand in Sachen IT-Sicherheit?

Mit der rapide ansteigenden Digitalisierung in Unternehmen, entstehen für die…

Weitere Artikel

Geschenkkarten

Achtung: Drei Betrugsmethoden mit Geschenkkarten

Vor der Haupteinkaufszeit zu Weihnachten und dem Black Friday warnt der Malwarebytes vor den Gefahren, die mit Geschenkkarten verbunden sind. Verbraucher müssen vor allem auf drei Betrugsmethoden mit Geschenkkarten achten, um Cyberkriminellen nicht in die…
Phishing

Spear-Phishing-Kampagnen mit gefälschten Kundenbeschwerden

Eine Spear-Phishing-Kampagne versendet gefälschte „Kundenbeschwerden“, die einen Link zu einer bösartigen Website enthalten, wie Paul Ducklin von Sophos eigenem IT-Security Blog Naked Security beschreibt.
Weihnachten Hacker

Fröhliche Weihnachten: X-Mas Days are Phishing Days

Weihnachten steht vor der Tür und wie jedes Jahr suchen Millionen Menschen im Internet nach den besten Geschenkangeboten für das große Fest. ThycoticCentrify gibt Tipps, wie sie sich gegen die neuesten Betrugsversuche im Netz wappnen können.
Russland Hacker

Angriff auf IT-Lieferketten durch SolarWinds-Hacker mit Passwort-Spraying & Phishing

Microsoft-Sicherheitsforscher haben im Oktober eine Phishing-Kampagne des russischen SVR (Russischer Auslands-Nachrichtendienst) beobachtet, die auf Reseller und Managed Service Provider abzielt.
Black Friday Stop

Vorsicht bei der Schnäppchenjagd - Fake-Shops über Social Media

"Black Friday", "Cyber Week" oder "Black Week": Gerade der Online-Handel buhlt in der Vorweihnachtszeit wieder um Kunden mit besonderen Rabatten.
Black Friday

Black Friday: Kaum Schutz vor E-Mail-Betrug durch Fälschung der Domain

Proofpoint hat im Rahmen einer aktuellen Untersuchung festgestellt, dass lediglich einer der 20 größten Online-Händler in Deutschland über einen vollständigen DMARC-Eintrag (Domain-based Message Authentication, Reporting & Conformance) verfügt.

Anzeige

Jetzt die smarten News aus der IT-Welt abonnieren! 💌

Mit Klick auf den Button "Zum Newsletter anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.