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Mirko RossCyber-Kriminelle und Wahlmanipulationen haben kaum Chancen. Mirko Ross, Experte für Sicherheit im Internet der Dinge und Mitglied des internationalen Beratergremiums der European Union Agency for Network and Information Security (ENISA), bleibt gelassen. Und warnt vor Panikmache.

Noch knapp vier Wochen bis zur Bundestagswahl. Während die politische Entscheidung ums Kanzleramt kaum Spannung bringt, beherrschen andere Schlagzeilen das Land. Mit Stichworten wie drohenden Wahlmanipulationen sowie Angriffen ausländischer Cyber-Krimineller wird seit Wochen Unruhe geschürt. Doch was ist dran an den vielfältigen Warnungen?

„Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass derzeit eine ganze Reihe von ‚Experten‘ auf einen rollenden Zug aufspringen. Die Stichworte reichen von ausländischen Cyber-Kriminellen, die die anstehende Bundestagswahl – wie auch immer – beeinflussen könnten. Bis hin zu gezielten Wahnmanipulationen“, so der 44-jährige heute in Stuttgart. Ross weiter: „Ein sachlicher Blick auf die Realitäten wäre zweifellos hilfreicher als das Schüren von Ängsten. So manche ‚Warnung‘ grenzt eher an Panikmache denn an nüchterne Analyse“.

Eine Wahlmanipulation wie beispielsweise in Venezuela, wo der Hersteller von Wahlcomputern eine Manipulation der jüngsten Wahlen als erwiesen einschätzt, ist in Deutschland bereits deshalb nicht möglich, weil hierzulande traditionell per Stimmzettel auf Papier abgestimmt wird. Auch tatsächlich stattfindende Angriffe von ausländischen Cyber-Banden bewertet Ross als weniger relevant, als dies momentan von verschiedenen Seiten eingeschätzt wird. Der Experte: „Was genau tun diese Cyber-Kriminellen? Sie setzen, vorwiegend über Soziale Medien, Fake News in die Welt. Hier würden technische Filter bei den Anbietern von sozialen Medien weiterhelfen, denn so könnten automatisierte Bots eingedämmt werden. Wenn nun aber im Internet ein besonders spektakuläres Zitat von Frau Merkel oder Herrn Schulz auftaucht, dann ist zwischen dieser Meldung und einer möglichen Auswirkung auf das Wahlergebnis noch immer eine gewaltige Distanz. Dies belegen übrigens inzwischen auch einige seriöse Studien, die beispielsweise die US-Präsidentenwahl oder die Abstimmung zum Brexit als Gegenstand haben. Im Zweifelsfall helfen dem Leser in jedem Fall der klare und kritische Menschenverstand – oder der Quercheck einer solchen Meldung über tatsächlich seriöse Nachrichtenportale; egal ob das die Tagesschau ist oder die eigene Tageszeitung“.

Dass es derartige Versuche gibt, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, steht außer Frage, so Ross weiter. Völlig zurecht warne das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) seit geraumer Zeit vor Cyber-Angriffen und automatisierter Meinungsplatzierung im Internet oder in Sozialen Netzen. Und gerade in den letzten Wochen vor der Bundestagswahl ist mit deutlich erhöhter Aktivität auf diesen Gebieten zu rechnen. Grund zur Panik bestehe deshalb aber keineswegs. Gefragt sei vielmehr der mündige Leser und Bürger - und das kritische Hinterfragen von Meldungen im Internet, die besonders spektakulär klingen.

Ein gutes Beispiel, wie scheinbare Gefahren tatsächlich einzuschätzen sind, erkennt Mirko Ross in einer der jüngsten Veröffentlichungen des BSI. Im Juni hatte das Bundesamt vor massiven Cyber-Angriffen auf private E-Mail-Postfächer von Funktionsträgern aus Wirtschaft und Verwaltung gewarnt. So genannte Spearphishing-Mails waren in großer Zahl an Spitzenpersonal in Parteien und Unternehmen verschickt worden.

Die Betroffenen wurden aufgefordert, einen Link anzuklicken und private Passwörter einzugeben. Genau hier sieht der ENISA-Experte allerdings den Knackpunkt: „Wenn Sie auf offener Straße von einem Unbekannten angesprochen werden, der Sie auffordert, ihm Ihre persönlichen Daten, Ihren Personalausweis und Ihre Bankkarte auszuhändigen – würden Sie das tun? Nein? Und warum sollten Sie dasselbe dann im Internet tun?“

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