Fast jedes zweite Unternehmen in Deutschland müsste bei einem Cloud-Ausfall den Betrieb einstellen. Neun Prozent stünden sofort still, so der Bitkom.
Ein plötzlicher Ausfall von Anwendungen in der Cloud würde fast die Hälfte der deutschen Unternehmen vor massive Probleme stellen. Nach einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom müssten 46 Prozent der Betriebe über kurz oder lang den Geschäftsbetrieb einstellen. Jedes elfte Unternehmen, umgerechnet 9 Prozent, könnte im Moment des Ausfalls überhaupt nicht mehr weiterarbeiten. Weitere 2 Prozent würden 6 bis 11 Stunden durchhalten, während 4 Prozent für 12 bis 24 Stunden arbeitsfähig blieben.
10 Prozent der Befragten geben an, 24 bis 48 Stunden zu überstehen, und 21 Prozent könnten mehr als zwei Tage ohne Cloud auskommen. Im Durchschnitt gehen die Cloud-Nutzer davon aus, rund 78 Stunden weiterarbeiten zu können. Ein Viertel der Unternehmen wäre von einem Ausfall nicht so stark betroffen, dass der Betrieb eingestellt werden müsste. Für die Studie wurden 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten telefonisch befragt, von denen 86 Prozent Cloud-Dienste nutzen.

Bedeutung eines Cloud-Ausfalls für den laufenden Geschäftsbetrieb
Die Relevanz der Technologie für die Wirtschaft wird durch die zunehmende Integration digitaler Anwendungen in alltägliche Prozesse verdeutlicht. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst ordnet die Ergebnisse der Befragung ein:
„Eine funktionsfähige Cloud ist für Unternehmen so wichtig wie stabile Stromversorgung und Zugang zum Internet. Büro-Software, Kommunikation, Datenbanken oder auch KI-Lösungen sind bei einer Cloud-Störung nicht verfügbar, dabei sind sie unverzichtbar für den Geschäftsbetrieb vieler Unternehmen.“
Dr. Ralf Wintergerst, Bitkom-Präsident
Gleichzeitig verweist der Verband darauf, dass die Auslagerung in die Cloud in der Praxis häufig stabiler und sicherer ist, als eigene Serverstrukturen zu betreiben. Die Systeme müssten jedoch fest in die allgemeinen Sicherheitskonzepte der Betriebe integriert werden.

Bereitschaft und präventive Schutzmaßnahmen
In den vergangenen zwölf Monaten erlebten 28 Prozent der cloudnutzenden Unternehmen bereits schwerwiegende Cloud-Ausfälle. Um die wirtschaftlichen Folgen solcher Störungen abzumildern, setzen die Betriebe auf verschiedene Absicherungen. 82 Prozent der Befragten verfügen über Notfall- und Wiederanlaufpläne. Drei Viertel der Unternehmen sichern wichtige Daten zusätzlich außerhalb der Cloud.
69 Prozent führen ein eigenes Monitoring der genutzten Dienste durch, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Vertragliche Vereinbarungen mit den Anbietern wurden von 68 Prozent getroffen, und 66 Prozent können bei Bedarf einen Notbetrieb über lokale Lösungen starten. Zudem verteilen 59 Prozent ihre Anwendungen auf unterschiedliche Systeme, 35 Prozent nutzen redundante Infrastrukturen und 8 Prozent sichern sich durch den parallelen Einsatz eines zweiten Cloud-Anbieters ab.
(Bitkom/red)