Studie

Schlechte Softwarequalität kostet deutschen Firmen Millionen

Softwarequalität

Fast jedes dritte deutsche Unternehmen mehr als eine Million US-Dollar jährlich durch schlechte Softwarequalität. Der Druck, schneller zu liefern, geht zulasten von Tests und Governance.

Der Einsatz von KI in der Softwareentwicklung nimmt rasant zu, doch die Qualitätssicherung hält mit diesem Tempo nicht mehr Schritt. Das zeigt der neue Quality Transformation Report 2026 von Tricentis, für den mehr als 2.500 Führungskräfte und Fachleute weltweit befragt wurden, darunter 250 aus Deutschland.

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Besonders auffällig: Fast jedes dritte Unternehmen in Deutschland (30 Prozent) verliert jährlich mehr als eine Million US-Dollar durch mangelhafte Softwarequalität. Global liegt der Anteil bei jedem fünften Unternehmen (20 Prozent). Nahezu die Hälfte der deutschen Befragten schätzt die jährlichen Verluste immerhin noch auf 500.000 bis eine Million US-Dollar.

Ungetesteter Code wird zur Normalität

Fast sieben von zehn deutschen Unternehmen geben an, Code wissentlich ohne vollständige Tests in die Produktion zu bringen. Dieser Wert liegt über dem globalen Schnitt von 60 Prozent. Neu im Vergleich zum Vorjahr: Während Unternehmen früher unbeabsichtigte Qualitätsmängel als Ursache nannten, räumen sie heute offen ein, den Schritt sehenden Auges zu tun.

Als Hauptgrund nennen 35 Prozent der deutschen Befragten den Druck der Managementebene, Geschwindigkeit über Qualität zu stellen. Weitere 32 Prozent sehen das Problem im schieren Volumen an KI-generiertem Code, den Teams schlicht nicht mehr vollständig testen können.

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Kein Sektor ist ausgenommen

In jeder der untersuchten Branchen brachte mehr als die Hälfte der Unternehmen ungetesteten Code in Produktion. Den stärksten Lieferdruck verzeichnen Finanzdienstleister (64 Prozent), der Handel (63 Prozent) sowie die Energie- und Versorgungswirtschaft (58 Prozent). Gerade diese Branchen sind auf stabile und sichere Software angewiesen, was die Befunde besonders brisant macht.

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Management sieht rosiger als die Praxis

Besonders deutlich tritt im Report eine Wahrnehmungslücke zwischen Führungsebene und operativen Teams zutage. Mehr als drei Viertel der C-Level-Führungskräfte geben an, großes Vertrauen in KI-gestützte Systeme zu haben. Unter QA- und DevOps-Fachleuten teilen das nur 56 Prozent. Ähnlich verhält es sich bei der Frage nach der Reife der eigenen Organisation: 44 Prozent der Führungskräfte halten ihr Unternehmen für gut aufgestellt, KI-Agenten im Entwicklungsprozess einzusetzen und zu steuern. Von den Praktikern stimmen dem lediglich 24 Prozent zu.

Tool-Sprawl und Qualifikationslücken bremsen aus

Fast die Hälfte der weltweit befragten Unternehmen hat KI intern vollständig implementiert, doch mehr als die Hälfte davon berichtet, dass sich die eingesetzten Tools und Prozesse laufend verändern. Als zentrale Hindernisse nennen Teams neben Tool-Komplexität auch Qualifikationslücken, ein Code-Volumen das schneller wächst als verarbeitet werden kann, sowie fehlende einheitliche Qualitäts- und Vertrauensmetriken.

Vertrauen in KI-Agenten trotz offener Baustellen

Trotz der genannten Probleme vertrauen 83 Prozent der weltweit befragten Unternehmen KI-Agenten bei Release-Entscheidungen (Deutschland: 78 Prozent). Gleichzeitig kämpfen dieselben Unternehmen mit ungetestem Code, Tool-Chaos, Sicherheitsbedenken und Datenproblemen.

„Wenn Qualitätsprozesse nicht mit dem Entwicklungstempo Schritt halten, nehmen Unternehmen Abkürzungen, die das Vertrauen in die Softwarequalität messbar untergraben“, sagt Tricentis-CEO Kevin Thompson. Er fordert, das Thema zur Chefsache zu machen. Die entscheidende Frage im KI-Zeitalter sei nicht mehr, ob Unternehmen KI einsetzen können, sondern ob sie Vertrauen, Kontrolle und Qualitätssicherung auch bei hohem Entwicklungstempo aufrechterhalten können.

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