Führungskultur als Gesundheitsfaktor

Wohlbefinden am Arbeitsplatz – Krankenstand als Spiegel der Arbeitskultur

Fuehrung

Der hohe Krankenstand in deutschen Unternehmen hat eine breite Debatte ausgelöst. Dabei geht es längst nicht nur um Produktivität oder Wettbewerbsfähigkeit.

Immer stärker rückt die Frage in den Fokus, wie sehr Arbeitsbedingungen das körperliche und psychische Wohlbefinden der Beschäftigten beeinflussen. Dauerhafter Leistungsdruck, fehlende Anerkennung oder mangelnde Erholungsphasen hinterlassen Spuren – oft zuerst in Form steigender Fehlzeiten.

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Wohlbefinden ist messbar geworden

Dass sich Arbeitskultur und Gesundheit nicht nur subjektiv, sondern auch datenbasiert bewerten lassen, zeigen aktuelle Auswertungen der Employee-Experience-Plattform Culture Amp. Die Analysen beruhen auf wissenschaftlich fundierten Befragungen und geben Einblick, wo Unternehmen Fortschritte machen – und wo weiterhin Handlungsbedarf besteht.

Krank sein dürfen, ohne schlechtes Gewissen

Weltweit geben rund 72 Prozent der Beschäftigten an, sich im Krankheitsfall ausreichend Zeit zur Genesung nehmen zu können. Dieser Wert ist seit 2021 nahezu stabil geblieben. Auffällig sind jedoch Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Männer fühlen sich häufiger dazu ermutigt, krankheitsbedingt zu pausieren, während Frauen deutlich zurückhaltender sind. Das deutet darauf hin, dass formale Regelungen allein nicht ausreichen. Entscheidend ist, wie sie im Alltag gelebt werden.

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Führung als Schutzfaktor

Ein positives Signal kommt aus der direkten Zusammenarbeit: Fast neun von zehn Mitarbeitenden erleben ihre Führungskräfte als unterstützend. Das spricht für stabile Beziehungen im Team und reduziert alltäglichen Stress. Gleichzeitig zeigt sich eine wachsende Skepsis gegenüber der Unternehmensspitze. Nur noch sieben von zehn Beschäftigten glauben, dass das Wohlbefinden der Belegschaft für das Top-Management Priorität hat – ein deutlicher Rückgang gegenüber früheren Erhebungen. Besonders ausgeprägt ist diese Zurückhaltung im deutschsprachigen Raum.

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Ein möglicher Grund für diese Wahrnehmung liegt in der starken Fokussierung auf formale Standards. Werden Gesundheit und Fürsorge vor allem über Regelwerke definiert, entsteht leicht der Eindruck von Verwaltung statt echter Führung. Gerade in Phasen hoher Belastung wächst jedoch der Wunsch nach Orientierung, Empathie und sichtbarer Verantwortung.

Positiv entwickelt hat sich die Zusammenarbeit über Teamgrenzen hinweg. Inzwischen stehen fast 70 Prozent der Beschäftigten regelmäßig im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen. Diese stärkere Vernetzung fördert nicht nur Wissensaustausch, sondern auch Zugehörigkeitsgefühl und Zufriedenheit – Faktoren, die sich langfristig auf die Gesundheit auswirken können.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

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