Wie produktiv ist Arbeit tatsächlich und welche Kosten entstehen Unternehmen durch unterschiedliche Beschäftigungsmodelle?
Aktuelle Auswertungen von freelancermap beleuchten diese Fragen aus der Perspektive von Selbstständigen und zeigen, wo sich Unterschiede zwischen Freelancern und Angestellten ergeben.
Produktivität statt sichtbarer Anwesenheit
Ein Teil der aktuellen Debatte über die Arbeitswelt dreht sich um die Frage, ob Beschäftigte tatsächlich produktiv arbeiten oder lediglich ihre Anwesenheit sichtbar machen. Eine Indeed-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 56 Prozent der Beschäftigten nach eigener Einschätzung nur ins Büro kommen, um Präsenz zu zeigen. Deloitte ermittelte zudem, dass 41 Prozent der Arbeitszeit keinen messbaren Wertbeitrag leisten.
Dieses als „Fake Work“ bezeichnete Phänomen verweist auf ein grundlegendes Problem: In Organisationen kann sichtbare Aktivität stärker wahrgenommen werden als tatsächlich erzielte Ergebnisse.
Bei Freelancern ist die Ausgangslage eine andere. Ihre Beauftragung ist in der Regel an eine konkrete Leistung, ein Projekt oder ein Ergebnis geknüpft. Thomas Maas, CEO von freelancermap, sieht darin einen möglichen Anknüpfungspunkt für Unternehmen, wenn es um Produktivität, Führung und die Organisation von Arbeit geht.
Die Entwicklung wirft damit eine grundsätzliche Frage auf: Müssen Unternehmen Leistung stärker über Ergebnisse und weniger über Anwesenheit bewerten?
Krankheit wird für Selbstständige zur eigenen Risikofrage
Eine weitere Besonderheit der Selbstständigkeit zeigt sich beim Umgang mit Krankheit. Während derzeit über eine mögliche Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag für Angestellte diskutiert wird, müssen Soloselbstständige ihr Ausfallrisiko grundsätzlich selbst tragen.
Daten von freelancermap zeigen, dass krankheitsbedingte Ausfälle bei vielen Freelancern offenbar nur selten zu unmittelbaren Projektunterbrechungen führen. 86 Prozent der Befragten haben demnach noch nie eine Deadline wegen Krankheit verschoben. Ebenfalls 86 Prozent gaben an, noch kein Projekt krankheitsbedingt abgesagt zu haben. 82 Prozent waren im vergangenen Jahr höchstens eine Woche arbeitsunfähig.
Allerdings ist die finanzielle Absicherung nicht bei allen entsprechend berücksichtigt. 58 Prozent kalkulieren nach der Auswertung keinen Krankheitspuffer in ihren Stundensatz ein. Gleichzeitig wünschen sich 44 Prozent bessere Möglichkeiten zur Absicherung.
Die Zahlen zeigen damit einen Zielkonflikt: Selbstständige tragen ein höheres persönliches Risiko, verfügen aber nicht automatisch über entsprechende Rücklagen oder Absicherungsmöglichkeiten.
Stundensatz allein sagt wenig über Kosten aus
Auch bei der Frage nach den Kosten wird die Arbeit von Freelancern häufig vereinfacht betrachtet. Ein Stundensatz von durchschnittlich 103 Euro wirkt zunächst deutlich höher als die rund 45 Euro, die für eine angestellte Arbeitskraft angesetzt werden können.
Ein solcher Vergleich greift jedoch zu kurz. Bei Beschäftigten entstehen für Unternehmen zusätzliche Kosten, die in einem reinen Stundenlohn nicht enthalten sind. Dazu gehören unter anderem Arbeitgeberbeiträge, Urlaub und Krankheit sowie Aufwendungen für Recruiting, Einarbeitung und Weiterbildung. Auch unproduktive Zeiten und Phasen ohne Auslastung müssen berücksichtigt werden.
Entscheidend ist deshalb nicht allein der nominelle Stundensatz, sondern die Gesamtkosten im Verhältnis zur tatsächlich verfügbaren und produktiven Arbeitszeit.
Externe Expertise kann wirtschaftlich sinnvoll sein
Für Unternehmen kann der Einsatz von Freelancern insbesondere dann interessant werden, wenn kurzfristig zusätzliche Kapazitäten oder spezielles Fachwissen benötigt werden. Das gilt beispielsweise für zeitlich begrenzte Projekte, Auftragsspitzen oder Rollen, für die intern keine ausreichenden Kompetenzen vorhanden sind.
Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels gewinnt diese Flexibilität zusätzlich an Bedeutung. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft entstehen der deutschen Wirtschaft durch unbesetzte Stellen jährlich Kosten von rund 49 Milliarden Euro.
Die Diskussion über Freelancer sollte daher nicht ausschließlich über deren Stundensatz geführt werden. Aussagekräftiger ist eine Betrachtung der gesamten Beschäftigungskosten, der benötigten Qualifikationen und der Frage, wie schnell benötigte Expertise verfügbar ist.
Die drei Themen machen zugleich deutlich, dass sich die Arbeitswelt nicht allein über die Unterscheidung zwischen Angestellten und Selbstständigen bewerten lässt. Fragen nach messbarer Leistung, sozialer Absicherung und tatsächlichen Personalkosten werden für Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen wichtiger.
(red/freelancermap)