Copilot Economy

Top qualifiziert – zum Bot-Kindermädchen

Bot-Story

Die versprochene Zeitersparnis durch KI verwandelt sich in vielen Unternehmen in einen stillen Kontrollaufwand.

Wer das ändern will, braucht Menschen, die Systeme beurteilen können, statt sie nur zu bedienen.

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Generative KI hält in nahezu jedem Büro Einzug, weil sich Unternehmen von der Automatisierung von Arbeitsprozessen eine spürbare Entlastung ihrer Mitarbeiter versprechen. Diese schreiben nun Prompts, prüfen Entwürfe und übernehmen Ergebnisse in ihre Abläufe. Was dadurch jedoch in vielen Unternehmen entsteht, ist eine neue Form von Arbeit, die kaum jemand eingeplant hat. 

Eine aktuelle Untersuchung des Work AI Institute, einer Forschungseinheit des KI-Anbieters Glean, hat dieser Tätigkeit einen Namen gegeben: Bot-Sitting. Gemeint ist der ungesehene Aufwand, KI überhaupt brauchbar zu machen. Mitarbeiter füttern Systeme mit fehlendem Kontext, kontrollieren deren Ausgaben, korrigieren Fehler und nehmen notwendige Ergänzungen vor. Ein erheblicher Teil der Zeitersparnis verpufft. Die Berechnungen der Studie fallen ernüchternd aus: KI spart den Befragten rund elf Stunden pro Woche, doch über die Hälfte davon fließen direkt wieder in das Bot-Sitting zurück. 

Aus Entlastung wird ein Kontrollprozess

Der Grund für diesen Effekt liegt in der Art, wie generative KI arbeitet. Sie erzeugt Inhalte, die auf den ersten Blick fertig und überzeugend wirken, inhaltlich aber unvollständig oder schlicht erfunden sein können. Wer solche Ergebnisse ungeprüft weitergibt, verlagert das Problem lediglich auf die nächste Stelle im Prozess. Wer sorgfältig arbeitet, muss jede Ausgabe gegenlesen und absichern. In beiden Fällen entsteht zusätzlicher Aufwand. 

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Erschwerend kommt hinzu, dass viele Beschäftigte den eigenen Zeitgewinn überschätzen. Eine vielbeachtete Studie der Forschungsorganisation METR beobachtete 2025 erfahrene Open-Source-Entwickler bei ihrer Arbeit. Mit KI-Werkzeugen brauchten sie im Schnitt 19 Prozent länger, gingen selbst aber davon aus, etwa ein Viertel schneller zu sein. Die gefühlte Beschleunigung und die tatsächliche Leistung können also weit auseinanderliegen.

Wenn Angestellte diesen Mehraufwand dauerhaft tragen, ohne dass er sichtbar oder honoriert wird, verlieren sie die Motivation. Die Glean-Daten zeigen, dass „Bot-Sitter“ deutlich öfter über einen Jobwechsel nachdenken. Damit gerät ein Versprechen ins Wanken, mit dem KI angetreten ist. Gut ausgebildete Fachkräfte sollten von Routine entlastet werden, um sich anspruchsvolleren Aufgaben zu widmen. Stattdessen verbringen viele von ihnen einen wachsenden Teil ihrer Arbeitszeit damit, Maschinen zu beaufsichtigen und tauschen damit eine Monotonie gegen die nächste.

Welche Kompetenzen jetzt zählen

Doch nicht alles, was nach Bot-Sitting aussieht, ist verlorene Zeit. Folgenreiche Ergebnisse gezielt zu überprüfen, einen Prompt durchdacht zu verfeinern oder langjähriges Fachwissen einzubringen, das ein Modell nicht kennen kann, schafft echten Wert. Voraussetzung ist, dass jemand überhaupt beurteilen kann, was ein Modell leistet und wo es scheitert. Genau diese Einschätzung lässt sich nicht automatisieren. 

KI kann Inhalte erzeugen, übernimmt aber keine Verantwortung. Aufgaben mit rechtlicher oder finanzieller Tragweite sollten daher ebenso in menschlicher Hand bleiben wie die abschließende Qualitätssicherung. Das Sprachmodell kann einen Quartalsbericht entwerfen, doch die Gewähr für die Richtigkeit der Zahlen trägt am Ende ein Mensch. Unternehmen sollten ihre qualifizierten Mitarbeiter gezielt dorthin lenken, wo ihr Urteil tatsächlich gebraucht wird, statt sie als KI-Kindermädchen zu beschäftigen. Gefragt sind daher Skills wie analytisches Denken, fachliche Tiefe und die Fähigkeit, Informationen kritisch zu bewerten.

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Wissenschaft und Praxis rücken zusammen

Genau aus diesem Grund gewinnen Kooperationen zwischen Hochschulen und Wirtschaft an Bedeutung. Sie verbinden akademische Grundlagen mit praktischem Wissen über reale Anwendungsfelder und vermitteln früh, wie sich KI in konkreten Bereichen wie Finanzen, Personalwesen oder Engineering verantwortungsvoll einsetzen lässt. Wenn Weiterbildungsangebote Praxiserfahrung mit anerkannten Zertifizierungen kombinieren, bereiten sie Berufseinsteiger wirksamer auf die neuen Anforderungen vor als breit angelegte, unspezifische KI-Schulungen.

Auch der Blick auf die ökonomische Bilanz spricht für diesen Weg. Gartner stellte kürzlich in einer Befragung fest: Firmen, die gezielt ihre Belegschaft befähigen, autonome Systeme zu steuern und zu skalieren, schneiden mit höherem ROI ab. Genau an diesem Punkt setzt Zoho mit dem Ausbau von Hochschulpartnerschaften in Europa an und unterstützt im Sommer unter anderem in Spanien, Frankreich und Deutschland praxisnah die Kompetenzentwicklung der nächsten Generation.

Architektur für eine KI-fähige Belegschaft

KI wird in den kommenden Jahren noch tiefer in Rollen und Entscheidungen vordringen, als viele heute kalkulieren. Ob daraus echte Entlastung wird oder ein dauerhafter Kontrollprozess, hängt weniger von der Leistungsfähigkeit der Modelle ab als von den Menschen, die sie steuern. Nur wer Systeme einordnen, ihre Grenzen kennen und Verantwortung für das Ergebnis übernehmen kann, arbeitet produktiv mit KI zusammen. Hochschulen mit echten Technologiepartnerschaften bereiten Absolventen gezielter darauf vor und geben ihnen vom ersten Arbeitstag an etwas mit, das viele Unternehmen gerade mühsam nachzurüsten versuchen.

Suvish Viswanathan Zoho

Suvish

Viswanathan

Head of Marketing

Zoho

Suvish Viswanathan ist Head of Marketing für das Vereinigte Königreich und Europa sowie Regional Director DACH bei Zoho. Vom 2025 eröffneten Standort in Essen aus baut er die Präsenz in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus und verantwortet zudem das europäische Marketing.
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