IT-Infrastruktur

Technische Schuld bremst KI-Investitionen

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Quelle: Shutterstock AI
Bild: Bei den Gartner IT-Ausgaben 2026 wachsen Data-Center-Systeme mit 55,8 Prozent am stärksten. (Quelle: Gartner, Pressemitteilung vom 22.04.2026.)
Bild: Bei den Gartner IT-Ausgaben 2026 wachsen Data-Center-Systeme mit 55,8 Prozent am stärksten. (Quelle: Gartner, Pressemitteilung vom 22.04.2026.)

Forrester zur Infrastrukturmodernisierung: Komplexität als Bremse

Auch Forrester beobachtet den Zusammenhang zwischen Investitionsrückstand und Modernisierungsdruck aus mehreren Blickwinkeln. Forrester weist darauf hin, dass sich die Komplexität von Unternehmensnetzwerken innerhalb eines Jahrzehnts um zwei Größenordnungen erhöht hat, angetrieben durch Multi-Cloud- und Hybrid-Cloud-Architekturen, die Integration von Partnerlösungen und Zero-Trust-Frameworks. Diese Komplexität erschwert es Unternehmen zusätzlich, Modernisierungsrückstände aufzuholen, sobald sie einmal entstanden sind.

Der aktuelle Forrester Wave-Report zu Infrastructure Outsourcing Services aus dem dritten Quartal 2026 zeigt zudem, wie unterschiedlich Anbieter mit dem Spannungsfeld zwischen Legacy-Betrieb und KI-fähiger Infrastruktur umgehen. Einige Anbieter punkten laut Forrester vor allem dort, wo Infrastrukturentscheidungen eng mit Anwendungsmodernisierung, Plattform-Engineering und KI-Initiativen verzahnt sind, während andere im klassischen Data-Center-Betrieb und Mainframe-Support stark, bei KI-optimierten Infrastrukturdesigns aber weniger differenziert aufgestellt sind. Für Branchen wie die Versicherungswirtschaft rechnet Forrester zudem vor, dass die Technologieausgaben 2026 um 173 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 7,8 Prozent steigen, wobei sich der Fokus zunehmend von reiner Modernisierung hin zu Intelligenz und Differenzierung verschiebt.

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Bitkom-Zahlen: Digitalisierung Deutschland im internationalen Rückstand

Auch die Zahlen des Branchenverbands Bitkom zeigen ein Deutschland, das investiert, aber im internationalen Vergleich an Boden verliert. Für 2026 erwartet Bitkom ein Wachstum des deutschen ITK-Markts um 4,4 Prozent auf 245,1 Milliarden Euro, getragen vor allem von Software, Cloud-Diensten und Infrastrukturprojekten. Besonders dynamisch entwickelt sich dabei Infrastructure-as-a-Service mit einem erwarteten Plus von 21,0 Prozent, während der weltweite ITK-Markt 2026 voraussichtlich um 8,5 Prozent auf 5,9 Billionen Euro wächst und die USA mit einem Anteil von 41 Prozent und einem Wachstum von 12,7 Prozent den Takt vorgeben. Deutschland kommt im internationalen Vergleich lediglich auf einen Marktanteil von 3,8 Prozent.

Auch beim Bitkom-DESI-Index, der die Digitalisierung der EU-Mitgliedstaaten misst, ist Deutschland 2026 um drei Plätze auf Rang 17 von 27 zurückgefallen, nachdem die Bundesrepublik im Vorjahr noch Rang 14 belegte. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst kommentierte das Ergebnis mit den Worten, Deutschland mache zwar Fortschritte bei der Digitalisierung, andere Länder seien jedoch schneller unterwegs. Wer im digitalen Wettbewerb nach vorne wolle, müsse nicht nur besser, sondern auch schneller werden.

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Die fünf Stationen des IT-Kreislaufs im Überblick

Die folgende Tabelle überträgt das Muster aus der Kearney-Telekommunikationsstudie auf die allgemeine IT-Infrastruktur und macht sichtbar, an welcher Stelle Unternehmen ansetzen können, um den Kreislauf zu durchbrechen.

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Die fünf Stationen des IT-Kreislaufs im Überblick

Technische Schulden reduzieren: So durchbrechen Sie den Kreislauf

Die Schweiz zeigt im Kearney-Index, dass sich der beschriebene Mechanismus auch in die andere Richtung drehen lässt: Mit Rang 5 von 34 Märkten und 70 von 100 Punkten liegt sie in vier der fünf Bewertungsdimensionen im oberen Drittel. Eine Glasfaser-Festnetzgeschwindigkeit von im Schnitt knapp 300 Mbit/s und eine 5G-Nutzung von 82 Prozent unter den Mobilfunkkunden erzeugen dort Zahlungsbereitschaft, aus der wiederum die Erträge für den nächsten Investitionszyklus entstehen.

Für IT-Infrastruktur und KI lässt sich daraus ein vergleichbarer Ansatz ableiten. Gartner rät Verantwortlichen für Infrastruktur und Betrieb, technische Schuld nicht länger als rein technisches Problem, sondern als strategische Chance zu behandeln und dabei Geschäftswert, finanzielle Ressourcen, direktes und indirektes Risiko systematisch gegenüberzustellen. Nach Gartner-Schätzung werden Verantwortliche, die technische Schuld mit einer strukturierten Methodik managen, bis 2028 rund 50 Prozent weniger veraltete Systeme aufweisen als Organisationen, die dies nicht tun. Auf der Ebene der KI-Investitionen empfiehlt Gartner, Projekte nicht als einheitliches ROI-Problem, sondern als Portfolio unterschiedlicher Vorhaben mit eigenen Zeithorizonten und Risikoprofilen zu steuern und Fortschritte konsequent zu messen, statt Kosteneinsparungen vorschnell als Erfolgsbeweis zu werten.

Der Mehrwert für IT-Entscheider

Der Mehrwert dieses Vergleichs liegt darin, ein abstraktes Problem greifbar zu machen. Wer technische Schuld, geringe Cloud-Reife oder enttäuschende KI-Ergebnisse als isolierte Einzelprobleme behandelt, wird sie kaum nachhaltig lösen. Wer sie dagegen als Stationen eines sich selbst verstärkenden Kreislaufs erkennt, wie ihn Kearney für die Telekommunikation beschrieben hat und wie ihn Gartner und Forrester in Zahlen für die IT-Infrastruktur und Künstliche Intelligenz belegen, kann gezielt an der Stelle ansetzen, an der sich die größte Hebelwirkung erzielen lässt: bei der konsequenten, priorisierten Modernisierung der Infrastruktur, auf der jede weitere Digitalisierungs- und KI-Initiative aufbaut.

Häufige Fragen zum sich selbst verstärkenden Kreislauf in der IT

Was bedeutet der Begriff „sich selbst verstärkender Kreislauf“ in der IT?

Damit ist ein Mechanismus gemeint, bei dem aufgeschobene Investitionen in Infrastruktur zu wachsender technischer Schuld führen, diese wiederum die Fähigkeit zur Nutzung neuer Technologien wie KI oder Cloud einschränkt, was den erzielbaren ROI senkt und dadurch die Mittel für die nächste Modernisierungsrunde weiter verringert.

Wie hoch ist der Anteil der IT-Systeme mit technischer Schuld laut Gartner?

Laut Gartner weisen im Durchschnitt rund 40 Prozent der Infrastruktursysteme über alle Assetklassen hinweg potenzielle Probleme mit technischer Schuld auf.

Wie viele KI-Projekte erfüllen laut Gartner die ROI-Erwartungen?

Laut einer Gartner-Befragung von 782 Führungskräften aus dem Bereich Infrastruktur und Betrieb erfüllen nur 28 Prozent der KI-Projekte die ROI-Erwartungen vollständig, während 20 Prozent als gescheitert gelten.

Wie hoch sind die weltweiten IT-Ausgaben 2026 laut Gartner?

Gartner beziffert die weltweiten IT-Ausgaben 2026 auf 6,37 Billionen US-Dollar, ein Plus von 14,2 Prozent gegenüber 2025, wobei Data-Center-Systeme mit einem Plus von 55,8 Prozent am stärksten wachsen.

Was sagt die Kearney-Studie über den deutschen Telekommunikationsmarkt?

Der Kearney Global Telecom Health Index bewertet den deutschen Markt trotz solider Finanzkennzahlen als eines der drei schwächsten von 34 untersuchten Ländern, vor allem wegen des zurückliegenden Glasfaserausbaus und der daraus resultierenden geringen kommerziellen Leistungsfähigkeit.

Wie lässt sich der Kreislauf durchbrechen?

Gartner empfiehlt, technische Schuld strukturiert nach Geschäftswert, Ressourcen und Risiko zu bewerten und KI-Investitionen als Portfolio unterschiedlicher Vorhaben mit eigenen Zeithorizonten zu steuern, statt sie pauschal zu bewerten.

Ulrich

Ulrich

Parthier

Herausgeber it management, it security

IT Verlag GmbH

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