Begriff bekannt, Bedeutung unklar

Führungskräfte tun sich mit Definition von Sovereign AI schwer

Fragezeichen

Sovereign AI gilt in regulierten Branchen als Priorität. Woran es hakt, ist eine gemeinsame Definition sowie ein klarer Fahrplan.

Abhängigkeit von zentralisierten Cloud- und KI-Plattformen großer US-Anbieter ist für viele Unternehmen und Behörden längst kein rein theoretisches Risiko mehr. Zugangsbeschränkungen für einzelne KI-Modelle sowie mehrere aufsehenerregende Sicherheitsvorfälle haben in den vergangenen Monaten vorgeführt, wie schnell technologische Abhängigkeiten zum Problem werden können, wenn Entscheidungen außerhalb der eigenen Kontrolle getroffen werden.

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Das Marktforschungsunternehmen IDC hat im Auftrag des KI-Anbieters Cohere eine Studie unter Führungskräften aus stark regulierten Branchen durchgeführt, um herauszufinden, wie es um die souveräne KI in Unternehmen steht. Befragt wurden unter anderem Direktoren, Vizepräsidenten, CIOs, CTOs und CISOs, also klassische Entscheider und Einflussnehmer bei KI-Investitionen.

Uneinigkeit schon bei der Definition

Das Hauptergebnis der Studie: Rund ein Drittel der befragten Führungskräfte tut sich schwer, den Begriff „souveräne KI“ überhaupt in eigenen Worten zu erklären. IDC selbst definiert Sovereign AI als die Fähigkeit einer Organisation, Design, Entwicklung, Betrieb und Governance ihrer KI-Systeme einschließlich der zugrundeliegenden technischen Infrastruktur frei und eigenständig zu bestimmen.

Von denjenigen, die eine eigene Definition liefern konnten, verknüpfen gut die Hälfte den Begriff mit lokaler oder nationaler Kontrolle, gut ein Drittel mit digitaler Unabhängigkeit im weiteren Sinne. Auffällig ist zudem ein Rollenunterschied: Fachbereichsleiter denken bei Sovereign AI vor allem an Geschäftsrisiken wie Datensicherheit, Datenschutz und Kosten, während IT-Verantwortliche den Begriff stärker mit regulatorischer Compliance verbinden. Laut Studie liegt das Bewusstsein für das Thema bei IT-Fachleuten etwa doppelt so hoch wie bei Fachbereichsleitern.

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Datenschutz und Compliance als Haupttreiber

Über alle untersuchten Branchen hinweg nennen die Befragten Datenlecks, Datenschutz und regulatorische Risiken als wichtigste Gründe, sich mit souveräner KI zu befassen. Am stärksten ausgeprägt ist diese Sorge im Finanzsektor mit 82 Prozent, gefolgt von der Fertigungsindustrie (77 Prozent), der Telekommunikationsbranche (75 Prozent), dem Gesundheitswesen (74 Prozent) und der Energiewirtschaft (70 Prozent). Größere Konzerne mit einem Jahresumsatz ab etwa 20 Milliarden US-Dollar zeigen sich der Studie zufolge deutlich risikobewusster als kleinere Unternehmen.

Sovereign AI Studie
Bildquelle: IDC

Als zweiten, bislang noch nachrangigen, aber wachsenden Treiber identifiziert die Studie den Wettbewerbsvorteil: Je nach Land geben zwischen 18 Prozent (Großbritannien) und 35 Prozent (Kanada) der Befragten an, dass sie sich von souveräner KI auch eine bessere Marktposition erhoffen. In den USA sind es 28 Prozent, in Deutschland 23 Prozent. Hierzulande dominiert laut IDC nach wie vor der regulatorische Blickwinkel. Nach Branchen betrachtet liegt die Telekommunikationsbranche mit 37 Prozent vorn, vor Fertigung (32 Prozent), Gesundheitswesen (28 Prozent) sowie Finanzdienstleistungen und Energie (je 21 Prozent).

Sovereign AI Studie
Bildquelle: IDC
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Nur 13 Prozent fühlen sich gut informiert

Die Studie macht zudem eine Wissenslücke aus: Nur 13 Prozent der Führungskräfte bezeichnen ihr eigenes Verständnis von Sovereign AI als „sehr umfassend“. Das bedeutet laut IDC im Umkehrschluss, dass viele KI-Investitionsentscheidungen derzeit ohne ausreichenden konzeptionellen Hintergrund getroffen werden. Als dritten Problembereich benennt die Studie die fehlende strategische Umsetzung: Unternehmen müssten die Lücke zwischen Problembewusstsein und konkretem Handeln schließen, etwa durch messbare Ziele, klare Zuständigkeiten und eine Verankerung im Top-Management. Welche C-Level-Rolle die Federführung übernehmen sollte, hänge dabei laut IDC stark vom jeweiligen Land ab.

(red)

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