Konsolidierung der Rechenzentrumsinfrastruktur

Was ist HCI (Hyperconverged Infrastructure)?

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Compute, Storage und Netzwerk in einer softwaredefinierten Plattform vereinen. Hyperconverged Infrastructure revolutioniert das moderne Rechenzentrum.

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Klassische Rechenzentren trennen Server, Storage und Netzwerk in eigene Silos, jedes mit eigener Hardware und eigenem Team. Das macht Skalierung träge und das Management aufwendig.

Hyperconverged Infrastructure (HCI) löst dieses Problem softwareseitig: Rechenleistung, Speicher, Netzwerk und Management laufen gemeinsam auf Standard-x86-Servern, verwaltet über eine einzige Konsole.

Kurz & knapp: Mindestens drei Server bilden einen HCI-Cluster. Ein Hypervisor übernimmt die Rechenleistung, Software-Defined Storage bündelt die lokalen Festplatten zu einem gemeinsamen Pool. Wachstum erfolgt per Scale-out durch neue Knoten, Ausfallsicherheit durch Replikation oder Erasure Coding statt teurer SAN-Hardware.

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Die vier Kernkomponenten

  • Compute-Virtualisierung: Ein Hypervisor wie VMware ESXi, Hyper-V oder KVM virtualisiert Rechenleistung und Arbeitsspeicher.
  • Software-Defined Storage (SDS): Bündelt die lokalen Festplatten aller Knoten zu einem logischen Speicherpool und regelt Replikation und Fehlertoleranz.
  • Software-Defined Networking (SDN): Steuert den internen und externen Datenverkehr rein softwarebasiert.
  • Management-Konsole: Zentrales Cockpit für VMs, Speicher und Updates im gesamten Cluster.
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HCI vs. klassische 3-Tier-Architektur

Die 3-Tier-Architektur setzt auf proprietäre Hardware, Fibre Channel und Scale-up-Skalierung mit teuren Controllern. HCI nutzt Standardserver, ein normales IP-Netzwerk und wächst per Scale-out: Ein neuer Knoten kommt einfach ins Rack, die Software integriert ihn automatisch. Auch Ausfallsicherheit und Rackplatz unterscheiden sich deutlich: HCI verlässt sich auf verteilte Redundanz statt zentraler Controller und braucht durch die kombinierten Nodes weniger Platz.

Datensicherheit: Replikation und Erasure Coding

Da HCI ohne dediziertes Storage-Array arbeitet, sichert die Software Daten selbst ab. Bei der Replikation schreibt das System jedes Datenpaket auf zwei oder drei Knoten gleichzeitig. Fällt ein Server aus, starten die betroffenen VMs sofort auf einem gesunden Knoten neu, ohne Datenverlust.

Erasure Coding funktioniert wie RAID über das gesamte Netzwerk: Daten werden fragmentiert und mit Paritätsinformationen versehen, sodass sich Ausfälle rechnerisch rekonstruieren lassen. Das spart Speicherplatz, braucht dafür aber mehr Rechenleistung.

Damit Cluster bei Netzwerkproblemen nicht in ein Split-Brain-Szenario geraten, gilt eine Quorum-Regel: Nur wenn mehr als die Hälfte der Knoten kommunizieren kann, darf geschrieben werden. Bei gerader Knotenanzahl übernimmt oft ein externer Witness Node die entscheidende Stimme.

Effizienz durch Deduplizierung und Kompression

HCI-Systeme reduzieren den Speicherbedarf direkt im Datenstrom. In-Line-Deduplizierung erkennt identische Datenblöcke per Hash-Wert und speichert sie nur einmal, was besonders bei virtuellen Arbeitsplätzen (VDI) viel Kapazität spart. Kompression mit Algorithmen wie LZ4 oder ZSTD reduziert zusätzlich den Platzbedarf, kostet dafür etwas CPU-Leistung.

Rack-Awareness und Ausfalldomänen

Bei mehreren Racks reicht zufällige Datenverteilung nicht aus. Moderne HCI-Plattformen kennen deshalb die physische Topologie des Rechenzentrums und verteilen redundante Kopien bewusst über unterschiedliche Racks oder Brandabschnitte. Fällt ein komplettes Rack aus, übernehmen die übrigen Knoten nahtlos.

NVMe, RDMA und Disaggregated HCI

Moderne Cluster setzen auf NVMe-Flash und Remote Direct Memory Access (RDMA), um Latenzen im Mikrosekundenbereich zu erreichen und die Netzwerklast von der CPU zu entkoppeln. Weil Rechenleistung und Speicherbedarf selten gleich schnell wachsen, trennt Disaggregated HCI (dHCI) beide Ressourcen physisch, behält aber die zentrale Softwareverwaltung. So lässt sich jede Komponente unabhängig skalieren.

Typische Einsatzszenarien

  • Virtual Desktop Infrastructure (VDI): Hunderte virtuelle Arbeitsplätze profitieren von Flash-Performance und Datenlokalität.
  • Edge Computing und Filialen: Kompakte 2-Knoten-Cluster ersetzen teure SAN-Infrastruktur an kleinen Standorten und lassen sich zentral fernwarten.

Netzwerk, Lifecycle-Management und Kosten

Da das IP-Netzwerk bei HCI das klassische SAN ersetzt, trennen Administratoren Management-, VM-, Live-Migration- und Storage-Traffic strikt und priorisieren Storage-Verkehr per Quality of Service.

Updates laufen automatisiert als Rolling Update: Ein Knoten nach dem anderen geht in den Wartungsmodus, VMs wandern per Live-Migration, das Update wird eingespielt, der Cluster synchronisiert sich wieder, ohne Ausfallzeit für die Nutzer.

Wirtschaftlich sinken sowohl Investitionskosten (weniger teure Spezialhardware) als auch Betriebskosten (weniger Rackplatz, weniger Personal für Spezialaufgaben). Herstellerangaben von 50 bis 70 Prozent Platzersparnis sollten allerdings als Richtwert und nicht als feste Zahl verstanden werden.

Herausforderungen: Vendor Lock-in

Ein zentrales Risiko bleibt der Vendor Lock-in: Die proprietäre Datenstruktur eines Herstellers erschwert den Wechsel zu einem anderen System erheblich. Nach der Übernahme von VMware durch Broadcom 2023 und den folgenden Lizenzänderungen wechselten viele Unternehmen zu offenen KVM-Alternativen wie Proxmox oder Nutanix AHV.

Regulatorik

Wer kritische Infrastrukturen betreibt oder unter die NIS2-Richtlinie fällt, muss Vorgaben wie den BSI-Baustein SYS.1.5 zur Virtualisierung und ISO 27001 beachten, etwa bei der Trennung von Management- und produktivem Datenverkehr sowie der Protokollierung administrativer Zugriffe. Die zentrale Management-Konsole sollte daher zwingend per Mehrfaktor-Authentifizierung abgesichert sein.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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