Warum drahtlosen WANs die Zukunft gehört

Schwer auf Draht

Vor knapp 20 Jahren begann der Siegeszug der drahtlosen lokalen Netze, die mit ihrer Zuverlässigkeit, Flexibilität und Sicherheit die drahtgebundenen LANs ablösten.

Inzwischen sind sie aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Eine vergleichbare Entwicklung zeichnet sich gerade ab, getrieben vom Megatrend Digitalisierung und noch verstärkt durch die Covid-19-Pandemie: der Übergang von kabelgebundenen zu kabellosen Weitverkehrsnetzen. Die Mobilfunkstandards 4G und vor allem 5G sind gegenüber kabelgebundenen Wide Area Networks eine ähnlich deutliche Verbesserung, gerade wenn sie in softwaredefinierte WANs integriert sind.

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SD-WAN bietet neue Möglichkeiten für Unternehmensnetze. Die Technologie vereint mehrere Vorteile in sich: Sie ermöglicht die Konsolidierung mehrerer Netzwerkfunktionen und hilft so, Hardware- und Betriebskosten zu senken. Sie unterstützt mehrere WAN-Links und macht das Netz dadurch zuverlässiger. Sie begünstigt neben der Bündelung der Bandbreite auch die Trennung des Datenverkehrs. Anwendungserkennung und richtlinienbasiertes Routing wiederum eröffnen neue Wege zur Netzwerkoptimierung. Und schließlich vereinfacht das zentrale cloudbasierte Management die Bereitstellung und Verwaltung von Netzwerkgeräten.

Doch diese Vorteile können nicht voll ausgeschöpft werden, solange die Netzwerke noch verkabelt sind. Hier treten Wireless WANs auf den Plan: Sie bringen mehr Vielfalt, Flexibilität und Reichweite in Unternehmensnetzwerke. Grundlage hierfür sind zuverlässige WANs, die man durch die Unterstützung verschiedener Netzverbindungstypen erreichen kann. Für zellulare Verbindungen wiederum bieten sich Wireless-Edge-Lösungen an. Die Reichweite der Netzwerke steigt, und Personen, Standorte oder Geräte können einfach angebunden werden.

Auf Basis von softwaredefinierten WAN-Lösungen lässt sich der schnelle Wechsel zwischen Verbindungen, das Trennen oder Priorisieren von Anwendungen oder auch die schnelle Eröffnung neuer Geschäftsstandorte bequem realisieren. 5G spielt hier eine wichtige Rolle, im Hinblick auf möglichst niedrige Latenzzeiten und möglichst hohe Bandbreiten.

Strategien und Vorteile

Der Mobilfunk ist zu einer attraktiven Alternative – oder Ergänzung – herkömmlicher, leitungsgebundener Verbindungen geworden. Zum einen wegen der günstigen Flatrate-Optionen und zum anderen wegen der höheren Bandbreite durch Gigabit-Class LTE. 5G ist auf eine geringe Latenzzeit ausgelegt – die schnelleren Reaktionszeiten ermöglichen nicht nur die uneingeschränkte Nutzung von geschäftskritischen Anwendungen, sondern tragen auch zur Flexibilisierung von Prozessen bei. Verbesserte Antennen- und Übertragungstechnologien wiederum erhöhen die Anzahl der Geräte und Verbindungen, die jede 5G-Station verarbeiten kann.

Auf diese Weise können IoT-Netze drahtlos unterstützt werden, ebenso wie andere Anwendungen mit hoher Dichte. Hochverfügbare Netze lassen sich nun fast überall und jederzeit in Betrieb nehmen, da LTE der Gigabit-Klasse weithin verfügbar ist und die meisten großen Netzbetreiber sich auf die Einführung von 5G-Diensten konzentrieren.

Anders ausgedrückt: Kabellose Weitverkehrsnetze sind die Lösung vieler Netzprobleme, bieten Unternehmen neue Chancen und bilden die Basis für weitere Umgestaltungen

Kabellose Weitverkehrsnetze sind die Lösung vieler Netzprobleme, bieten Unternehmen neue Chancen und bilden die Basis für weitere Umgestaltungen.

Jan Willeke, Area Director Central Europe, Cradlepoint

1. Bessere Ausfallsicherheit

Die digitale Transformation von Unternehmen braucht funktionierende – und durchgehend verfügbare – Netzwerke. Hier kommen mehrschichtige Systeme ins Spiel, mit kabelgebundenen und kabellosen Verbindungen. Das so genannte Wired-to-Wireless-Failover springt ohne Unterbrechung von einem zum anderen Verbindungstyp. Bei Verbindungen mit niedrigerer Bandbreite erkennen und gewichten SD-WAN-Richtlinien den kritischen Datenverkehr, bei Verbindungen der Gigabit-Klasse ist ein Failover des gesamten Datenverkehrs möglich.

Beim Ausfall kabelgebundener Verbindungen kommen – zusammen mit dem Remote-Datenverkehr – auch die Netzwerkmanagementfunktion abhanden. Da die meiste Aussetzer auf der „letzten Meile“ passieren, fallen häufig auch sekundäre Festnetzleitungen aus – die entfernte Einheit ist dann nicht mehr zugänglich. Kabellose Verbindungen stellen hier eine effektive Out-of-Band-Verwaltungsoption bereit.

2. Mehr Flexibilität

Kabellose Weitverkehrsnetze bieten mehr Flexibilität bei verschiedenen Standorten. Es wird dadurch viel leichter, Zweigstellen und Büros in kurzer Zeit zu eröffnen. Sie sind auch auf Baustellen oder in Pop-up-Stores sinnvoll, in denen nur drahtlose Netzwerke möglich sind.

Wenn ein hochredundantes Netzwerk mit geringen Betriebskosten aufgebaut werden soll, bieten sie sich als Hauptverbindung ebenfalls an. Dies sorgt für eine ausgezeichnete Standortvernetzung mit größtmöglicher Netzwerkverfügbarkeit – die die Unternehmen zentral in der Cloud verwalten können.

3. Größere Bandbreite

SD-WAN kann außerdem zeitgleich mehrere Verbindungen zusammenfassen und so eine höhere Bandbreite generieren. Das Hinzufügen einer drahtlosen Verbindung zum Kabelnetz oder der Gebrauch verschiedener drahtloser Verbindungen ist dabei eine effektive Alternative, die Bandbreite zu erhöhen.

Dabei erlangen oder übersteigen drahtlose Verbindungsoptionen mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit/s (LTE), bis zu 350 Mbit/s (Gigabit-LTE) und über 1 Gbit/s (5G) zügig das Leistungspotenzial kabelgebundener Verbindungen.

4. Höhere Mobilität

Immer mehr Unternehmen intensivieren die Datenerfassung. Prozesse mobil zu unterstützen, gerade auch in Fahrzeugen, wird immer stärker als Markt für Datenkonnektivität angesehen.

Vieles wird hier bereits durch 4G umgesetzt, weitere neue Möglichkeiten werden sich durch 5G ergeben. Man denke nur an Daten- und Video-Uploads in Echtzeit, automatisierte Arbeits- und Routenplanungen oder die Konnektivität ganzer Fahrzeuge.

5. Umfangreiche IoT-Funktionen

Ob Videoüberwachung oder Prozesse in Medizin, Fertigung und Industrie – all diese Szenarien erzeugen große Datenmengen. Die geringe Latenzzeit und hohe Bandbreite von Drahtlosverbindungen sind hier besonders wichtig.

Zwar haben manche IoT-Geräte integrierte Wireless-Funktionen und lassen sich mit einem Mobilfunk- oder WLAN-Netzwerk verbinden. Aber mit steigenden Gerätezahlen werden beispielsweise die Verwaltung von SIM-Karten oder drahtlose Netzwerkabonnements zu aufwändig und damit zu teuer. Deshalb setzen immer mehr Unternehmen auf ihre eigenen privaten 4G- oder 5G-Netze. Mithilfe dieser Wide-Area-LANs lässt sich der gesamte IoT-Verkehr günstiger, übersichtlicher, einfacher und sicherer verwalten.

Drahtlos grenzenlos

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Unternehmensnetzwerke sind heute nicht mehr an feste Standorte gebunden – sie formieren sich aus Cloud-Diensten, Pop-up-Standorten, Kiosksystemen, Fahrzeugen sowie einem immer größer werdenden Kosmos an IoT-Geräten.

Die Ausweitung des Netzwerkrands erlaubt zahlreiche neue Dienste und Initiativen zur digitalen Transformation. Unternehmen profitieren von großer Flexibilität – die Basis hierfür bilden die hohe Reichweite und die sich weiter entwickelnden Fähigkeiten der drahtlosen WANs.

Jan Willeke

Cradlepoint -

Area Director Central Europe

(Bildquelle: Cradlepoint)
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